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München - Benedikt Doll spricht vor der Biathlon-WM im SPORT1-Interview über seine Zielsetzung beim Jahreshöhepunkt, den eigentlichen Star im deutschen Team und den Klimawandel.

Am Donnerstag startet die Biathlon-WM in Antholz mit der Mixed-Staffel.

Gemeinsam mit Franziska Preuß, Denise Herrmann und Arnd Peiffer geht Benedikt Doll für Deutschland an den Start (Biathlon-WM: Mixed-Staffel am Donnerstag ab 14.45 Uhr im LIVETICKER).

Der Medaillenanwärter sprach im Vorfeld der Wettkämpfe mit SPORT1 über seine Ziele, den eigentlichen Star im deutschen Team, die Waffengesetzgebung sowie die Schnee-Problematik.

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SPORT1: Herr Doll, die letzten Ergebnisse zeigen, dass das deutsche Team pünktlich zur Weltmeisterschaft in Form kommt. Wie würden sie die Verfassung der Mannschaft einschätzen?

Benedikt Doll: Die Formkurve stimmt auf jeden Fall. Auf dem Lehrgang in Ridnaun waren wir schon ganz gut drauf. Vor allem läuferisch hoffe ich, dass wir vorne mit dabei sind. Ich denke, dass wir mithalten können. Aber wo wir wirklich stehen, sehen wir letztendlich erst, wenn wir mit den anderen in der Loipe sind. Aber wir brauchen uns sicher nicht verstecken.

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SPORT1: Was sind Ihre persönlichen Ziele für die WM in Antholz?

Doll: Wir haben drei Staffelwettbewerbe (Mixed-Staffel, Single-Mixed-Staffel und Staffel der Männer/Anm.d.Red.) Da ist es immer unser Ziel, eine Medaille zu erlaufen. Wenn ich mit zwei Medaillen nach Hause gehe, ist das für mich schon eine erfolgreiche WM. Aber in den Einzelwettbewerben habe ich in diesem Winter auch schon einige Podestplatzierungen geholt. Bei der WM sind die gleichen Leute am Start. Natürlich schaue ich da dann schon auch aufs Podest. Diese Zielsetzung habe ich. Aber sehr viele Athleten haben das Zeug dazu, aufs Podest zu laufen - gerade die Norweger und Franzosen haben einige starke Leute. Daher muss ich ein perfektes Rennen abliefern, um die Chance auf eine Einzelmedaille zu haben. Sollte das dann der Fall sein, ist es eine sehr erfolgreiche WM.

Team im Vordergrund

SPORT1: Sie haben die Franzosen und Norwegen genannt. Sind das die großen Favoriten? (Alle Infos zur Biathlon-WM 2020)

Doll: Johannes Thingnes Bö muss man als Einzelperson immer hervorheben. Ansonsten würde ich die Franzosen als Team sogar stärker einschätzen. In den letzten Rennen waren es immer die Franzosen, Norweger oder wir Deutsche, die die Medaillenränge belegt haben. Aber bei einer WM weiß man nie. Trotzdem, Norwegen und Frankreich sind die beiden Nationen, die wir schlagen müssen, wenn wir ganz oben stehen wollen. Im Mixed sieht es nochmal anders aus. Da können mehr Nationen um die Medaillen mitlaufen.

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SPORT1: Es ist das erste Jahr nach Laura Dahlmeier. Glauben Sie, dass dieser Umstand eher befreiend wirkt oder fehlt ein mediales Zugpferd in diesem Jahr?

Doll: Natürlich war Laura immer ein Medaillengarant. Das muss man ganz klar so sagen. Dementsprechend lag der Fokus im vergangenen Jahr auf ihr. Aber Denise (Herrmann) und Arnd (Peiffer) haben jeweils einen Titel geholt. Das darf man nicht vergessen. Ich persönlich stelle lieber das Team in den Vordergrund. Bei uns Männern haben wir vier bzw. fünf Athleten und es ist immer besser, mehr leistungsstarke Sportler am Start zu haben als nur einen. Die Chance auf eine Medaille ist dann größer. Und das ist bei uns aktuell der Fall. Läuferisch sind wir alle vorne mit dabei und im Schießen hat es bei uns allen auch schon gut in diesem Winter geklappt. Darum kann ich bei uns Männern keinen so wirklich herausheben. Es freut mich vielmehr, dass jetzt nicht alle Last auf mir liegt. Wir haben alle Chancen und meine Hoffnung ist, dass einer von uns durchkommt.

Arnd Peiffer der eigentliche Star

SPORT1: Aber hätte Denise Herrmann das Potenzial zum (neuen) Star im deutschen Team?

Doll: Ich weiß nicht, ob die Medien da lieber immer eine Frau herausstellen. Beim Männer-Team wird kein derartiger Star gesucht. Vielleicht sind die Frauen besser zu vermarkten. Es macht uns als deutsches Team aus, dass wir keinen Star haben oder brauchen. Keine Frage: Denise ist eine sehr, sehr gute Biathletin. Aber für mich als Sportler, der sich täglich mit der Materie beschäftigt, wäre der eigentliche Star Arnd Peiffer. Er hat über die letzten Jahre hinweg die konstanteste Leistung gebracht und hat mit mehreren WM-Medaillen und als Olympiasieger enorme Erfolge eingefahren.

SPORT1: Michael Rösch hat im SPORT1-Interview über die Nachteile der deutschen Biathleten aufgrund der deutschen Waffengesetzgebung gesprochen. Dadurch, dass Jugendliche in Deutschland erst im Alter von 15 Jahren mit Kleinkaliber schießen dürfen, würden sich zuvor mit dem Luftgewehr Fehler einschleichen. Wie sehen Sie das?

Doll: Das Thema ist mir bekannt, dass man in Skandinavien früher mit Kleinkaliber anfängt. Das merkt man dann auch bei den internationalen Jugendwettbewerben. Die Deutschen sind da in den Altersklassen am Schießstand zumeist die Schwächeren. Aber ich glaub, dass beim Schießen eher das Talent und die Trainerfrage ausschlaggebend ist als das Alter, in dem man auf Kleinkaliber wechselt.

Schnee-Problem: "Wenn wir nichts unternehmen, ..."

SPORT1: Wie kamen Sie damals mit der Umstellung zurecht?

Doll: Bei mir war es ganz okay. Ich habe mit Luftgewehr schon schlecht geschossen und habe dann mit Kleinkaliber weiter schlecht geschossen. (lacht) Im Juniorenbereich war ich - ehrlich gesagt - nicht so der erfolgreiche Schütze. Läuferisch habe ich ein Talent, da tue ich mir leicht. Beim Schießen fehlt mir das Talent leider etwas. Das musste ich mir die letzten Jahre sehr hart erarbeiten. In diesem Jahr schieße ich zum ersten Mal auf dem Niveau, das ich mir vorstelle. Letztes Jahr war ich liegend gut, habe aber im Stehen geschwächelt. Da war ich nicht zufrieden. Dieses Jahr klappt es gut. Aber dahinter stecken viele Jahre harte Arbeit. Das beste Beispiel für Talent am Schießstand ist für mich Laura Dahlmeier. Das hat man bei ihrem Abschiedsrennen auf Schalke gesehen. Natürlich hat sie davor nochmal trainiert, aber sie sah so souverän aus am Schießstand. Ihr scheint das einen Tick einfacher zu fallen als anderen.

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SPORT1: Michael Rösch hat auch angemerkt, dass die Biathleten in Deutschland durch den ausbleibenden Schnee in Zukunft einen Wettbewerbsnachteil haben. Wie sehen Sie die Zukunft des Biathlon-Standorts Deutschland?

Doll: Wenn wir nichts unternehmen, ist das auf jeden Fall ein großer Nachteil - vor allem in den Mittelgebirgen. Den Thüringer Wald zum Beispiel hat es in diesem Winter sehr hart getroffen. Der Schwarzwald, wo ich herkomme, liegt da ein Stückchen höher. Auf dem Feldberg gibt es noch genug Schnee. Aber selbst an unserem Schießstand Notschrei, dem höchsten Schießstand Deutschlands auf über 1200 Metern, braucht es mittlerweile ein Schneedepot und Schneekanonen, um die Schneesicherheit zu garantieren. Da muss man auf jeden Fall investieren. Es geht ja nicht nur darum, die Weltcups mit Schneedepots zu sichern. Man muss auch zusehen, dass man den Sportlern Trainingsmöglichkeiten bieten kann. Daher braucht es mehr schneesichere Stützpunkte mit Schneedepots und technischem Schnee. Im Skispringen und Biathlon geht es noch, weil relativ kleine Flächen beschneit werden müssen. Zudem kann man im Skispringen auf Matten ausweichen. Dem Alpin-Sport geht es da schon bedeutend schlechter. Die brauchen ja Massen an Schnee. Aber der DSV hat die Problematik erkannt und versucht, Lösungen zu finden.

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