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Germany v Poland - Group C: UEFA Euro 2016
Thomas Müller hatte bisher ein recht unspektakuläres Turnier. Stefan Kuntz und Klaus Fischer glauben aber an seine Steigerung © Getty Images

München und Evian-les-Bains - Stefan Kuntz und Klaus Fischer erklären bei SPORT1, was im deutschen Angriffsspiel besser werden muss. Mit der Kritik an Mario Götze mache man es sich zu leicht.

Zwei Spiele, null Tore – die Bilanz der deutschen Offensivspieler bei den bisherigen zwei EM-Spielen ist mehr als ernüchternd.

Mario Götze, Thomas Müller, Julian Draxler, Andre Schürrle, Mario Gomez und auch Mesut Özil haben nicht nur alle kein Tor erzielt, ihre Torchancen lassen sich an einer Hand abzählen.

Gomez konnte sich nach seiner Einwechslung nicht besser in Szene setzen, dennoch konzentrierte sich die Kritik vor allem auf Götze. Für Stefan Kuntz ist das jedoch der falsche Ansatz.

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"Alle sind gefordert"

"Es hängt nicht an einem einzelnen Spieler wie Götze. Bei der offensiven Spielphilosophie von Jogi Löw sind alle gefordert und hängen voneinander ab", sagt der ehemalige Nationalspieler zu SPORT1.

Kuntz war beim Spiel gegen Polen zusammen mit anderen Europameistern von 1996 in Saint-Denis und hat aus nächster Nähe beobachtet, wie schwer sich die DFB-Elf gegen defensiv eingestellte Gegner tut.

Mehr Tempo muss her

Kuntz erklärt, wie die deutsche Elf gegen Nordirland (ab 17 Uhr LIVE in unserem Sportradio SPORT1.fm, im LIVETICKER und in Video-Highlights auf SPORT1.de) die Abwehr knacken kann:

"Alle Offensivspieler müssten durch eigene Läufe und Dribblings oder durch schnelleres Passspiel mehr Tempo in die Offensivaktionen bringen, damit sie auch öfter in Eins-gegen-eins-Situationen kommen", sagt Kuntz.

"Einfach mal abziehen"

Ähnlich sieht es Klaus Fischer. Der Vize-Weltmeister von 1982 verfolgt die Nationalmannschaft sehr genau und hat sich auch gewundert, wie wenig im Spiel nach vorn bisher zusammenlief.

"Sie wollten den Ball ins Tor tragen, anstatt auch mal aus 20 Metern abzuziehen", sagt Fischer zu SPORT1. "Özil hatte ein paar Mal die Möglichkeit abzuschließen, hat es aber nicht gemacht", ergänzt der ehemalige Bundesligatorjäger von Schalke 04.

Man müsse aber "viel schneller abschließen und schnell in den Strafraum kommen, auch um eventuell sogar mal einen Elfmeter herauszuholen", sagt Fischer.

Götze im Wechsel mit Müller - oder Gomez

Wie Kuntz will auch er die Offensivschwäche nicht an einem einzelnen Spieler festmachen. "Mario hat Recht. Wenn du vorne spielst und es geht nichts, bist du der Depp. Machst du aber einen rein, dann reicht das schon", sagt Fischer in Bezug auf Götzes Hund-Baum-Vergleich.

Jochen Stutzky (l.) und Thorsten Mesch berichten bei der EM 2016 für SPORT1 vom deutschen Team
Jochen Stutzky (l.) und Thorsten Mesch berichten bei der EM 2016 für SPORT1 vom deutschen Team © SPORT1 Grafik: Paul Haenel

Man mache es sich "viel zu leicht, wenn man Götze kritisiert, er bewegt sich ja sehr viel", findet Fischer und hat eine Idee, wie es in der Spitze besser laufen könnte: "Er müsste sich vorne mit Müller abwechseln."

Fischer kann sich vorstellen, dass Löw gegen Nordirland mal etwas ganz Neues ausprobiert. Eine erfolgversprechende Variante könnte sein, Götze auf die linke Seite zu ziehen und Gomez in die Spitze zu stellen. Fischer sieht auch noch die Möglichkeit, "Leroy Sane reinzubringen und Müller mehr nach innen ziehen zu lassen."

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Sanes Zeit kommt noch

Allerdings sei Sane nicht unbedingt eine Idealbesetzung gegen sehr defensive Gegner.

"Natürlich ist er schnell, er kann gut vorbereiten, das hat er ja bei Schalke auch gemacht. Aber gegen Nordirland wird es wieder keine Räume geben, die braucht Sane aber für sein Spiel", sagt Fischer.

Auch Kuntz erwartet Sane nicht in der Startelf. "Bei tief stehenden Gegnern vielleicht noch nicht, aber es könnte noch Situationen im Verlauf des Turniers geben, wo seine tollen Fähigkeiten gebraucht werden."

Kuntz von Müller und Özil überzeugt

Joachim Löw wird gegen Nordirland wohl wieder auf bewährte Kräfte vertrauen, also auf die bisher schwachen Müller und Özil. Kuntz ist davon überzeugt, dass von beiden noch viel zu erwarten ist.

"Es nicht ungewöhnlich, dass es bei dem ein oder anderen hochbelasteten Spieler ein wenig dauert, bis er zu Höchstform in einem Turnier findet", meint der 53-Jährige.

Geduld und Ordnung nicht verlieren

So sieht es auch Fischer: "Je länger das Turnier dauert, desto stärker wird die deutsche Mannschaft", ist er sich sicher.

Wichtig sei vor allem, nicht die Geduld und die Ordnung zu verlieren. "Viele Spiele werden erst am Schluss entschieden", sagt Fischer, "und andere Favoriten haben auch Probleme ohne Ende."

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