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München - In Deutschland ruht der Puck in allen Ligen. Im SPORT1-Interview spricht DEB-Präsident Franz Reindl über das vorzeitige Saison-Aus und die anstehende WM.

In Deutschland wird seit Wochenbeginn kein Eishockey gespielt.

Als erste Profiliga in Deutschland  entschied sich die DEL zu einem drastischen Schritt und sagte die Playoffs ab, einen Meister wird es nicht geben. Auch in der DEL2 wurden die Playoffs ausgesetzt. 

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Auch in den vom Deutschen Eishockey Bund organisierten Ligen wie den Oberligen Nord und Süd, der Frauen-Bundesliga und den Nachwuchsligen ruht der Puck. 

Die Entscheidung, ob die WM in der Schweiz (8. bis 24. Mai) stattfinden wird, fällt in der kommenden Woche.

Im exklusiven SPORT1-Interview spricht DEB-Präsident Franz Reindl über das vorzeitige Saison-Aus im deutschen Eishockey und die anstehende WM.

SPORT1: Wie sehr schockt und überrascht Sie die ganze Entwicklung um den Corona-Virus in der Sportwelt? 

Franz Reindl: Es ist wirklich dramatisch, wie sich diese ganze Angelegenheit entwickelt hat. Am Anfang hat man es nicht so ernst genommen, wie es sich gehört. Jetzt hat es sich so dramatisch entwickelt, dass die Vorgaben klarer werden, und damit auch die Grundlage für die eigenen Entscheidung viel besser ist, obwohl man hier nicht von besser sprechen kann, ist auch klar. Es ist aber notwendig, diese neue Situation voll zu akzeptieren und die notwendigen Schritte einzuleiten. Und da bin ich froh, dass es uns gelungen ist. 

SPORT1: Wie ging der Entscheidungsprozess und die Diskussion der Gremien, die DEL-Saison abzubrechen, vonstatten? 

Reindl: Die DEL ist ein selbstständiges Organ, das unter sich die Gespräche geführt hat. Wir waren aber auch in Kontakt mit der DEL2, mit der DEL – und waren so weit in die Entscheidungen mit eingebunden und informiert. Bei uns im DEB ist es natürlich ein wenig schwieriger, weil es natürlich wesentlich mehr Mannschaften sind und die Ausgangslagen auch unterschiedlich sind. Ich denke, dass der deutsche Eishockey-Sport hier ganz klar ein Zeichen gesetzt hat, zusammensteht und die politischen Anweisungen und Empfehlungen direkt umgesetzt hat. Das ist unsere gesellschaftliche Pflicht, hier für Klarheit zu sorgen. Alles zu tun, um die Fans, die Zuschauer, die Spieler, die Spielerinnen, alle Beteiligten zu schützen. Wir können nicht einfach so tun, als gäbe es Corona nicht. Wir können nicht Schulen schließen und gleichzeitig Kinder ins Training und zu Spielen schicken. Wir haben Schiedsrichter, das ganze Umfeld, alle, die beteiligt sind, darüber kann man nicht einfach hinweggehen, als gäbe es im Eisstadion keine Virusgefahr. 

SPORT1: Wie lange hat der Entscheidungsprozess denn gedauert? 

Reindl: Der Entscheidungsprozess hat sich natürlich entwickelt und hingezogen, aber letztendlich hatten wir uns Dienstagvormittag zusammentelefoniert, die Ligen hatten unter sich ihre Sitzungen gemacht. Auch wir hatten von Dienstag auf Mittwoch unsere Entscheidungen formuliert – innerhalb von 48 Stunden hat sich der deutsche Eishockey-Sport vereint. 

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SPORT1: Gab es auch Alternativ-Szenarien, beispielsweise Geisterspiele? 

Reindl: Ja, alle Szenarien wurden durchgespielt, insbesondere in den Profi-Ligen. Aber die Klubs kamen hier überein, es so zu machen, wie es nun ist. Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende und es lange hinauszuzögern. Ich glaube, es war die absolut richtige Entscheidung. Es ist auch richtungsweisend für alle – und vor allem eine gesellschaftliche Verpflichtung gewesen. Die Profi-Klubs haben hier einen Super-Lead gezeigt, wie man so was macht." 

SPORT1: Inwieweit hat der finanzielle Aspekt eine Rolle gespielt? 

Reindl: Eine enorme Rolle, aber wenn man diese gesundheitlichen Voraussetzungen hat, dann sollte man die wirtschaftlichen hintenanstellen. Bei allen Schwierigkeiten, die nun auf die einzelnen Beteiligten zukommen werden, geht die Gesundheit vor. 

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SPORT1: Sie haben eine Vorreiterrolle inne. Wie groß ist der Schaden für die DEL und den DEB insgesamt? 

Reindl: Den Schaden kann man leider nicht beziffern, aber das er eingetreten ist und noch größer werden wird, können wir noch gar nicht absehen. Trotzdem war unsere Entscheidung notwendig und wir müssen mit diesen Konsequenzen leben – und hoffen aber auch im Eishockey-Sport auf Unterstützung, die ja politisch bereits angekündigt wurde. Da müssen wir sehen, wie weit das gehen kann. Aber allein schon die Ankündigung hilft uns und half auch bei unserer Entscheidung. 

SPORT1: Wie sind die Prozesse bei der bevorstehenden Eishockey-WM 2020 in der Schweiz? 

Reindl: Nächste Woche haben wir in Zürich eine internationale Sitzung des Councils des Welteishockeyverbandes IIHF, an der ich selbst auch teilnehmen werde. Morgen werden der Schweizer Bundesrat und die Gesundheitsbehörden einen weitreichenden Beschluss fassen. Den muss man abwarten. Das wird die Grundlage dessen, was nächste Woche im IIHF Council entschieden werden muss. Ich denke, dass es so dramatisch ist, dass mit allem zu rechnen ist. Trotzdem muss man ruhig bleiben und einen Schritt nach dem anderen tun. Die Sachlage wirklich analytisch angehen und nichts überstürzen, aber auch nicht unterschätzen. Das ist die Aufgabe des Councils. 

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SPORT1: Kann man davon ausgehen, dass Sie beim Council eine Empfehlung zur WM-Absage geben werden? 

Reindl: So weit würde ich momentan nicht gehen. Ich werde mir morgen erstmal in Ruhe die Entscheidung des Schweizer Bundesrats anhören und dann auch im Council das analytisch angehen. Natürlich werde ich dort aber meine persönliche Meinung kundtun. 

SPORT1: Welches Gefühl haben Sie bezüglich der WM 2020? Wird sie stattfinden oder nicht? 

Reindl: Ich möchte nicht diesen Entscheidungen vorgreifen, die wir treffen werden. 

SPORT1: Heute wurde die NBA auch unterbrochen. Inwieweit hatten Sie Kontakt mit den deutschen Spielern in der NHL? 

Reindl: Stefan Schaidnagel (DEB-Sportdirektor) und Toni Söderholm (Bundestrainer) waren erst vor kurzem in den USA und hatten direkten Kontakt mit den Spielern. Ich persönlich habe auch mit einigen direkten Kontakt – und der ist immer positiv. Die wollen Eishockey spielen, mit ihren Klubs so weit kommen, wie es nur geht. Und sie wollen natürlich auch für die deutsche Nationalmannschaft spielen. Aber auch in der NHL wird es ein Umdenken geben. 

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SPORT1: Wie sieht die Planung und Organisation des DEB bezüglich der WM konkret aus? 

Reindl:  Wir treffen uns am 4. April im Trainingslager in Füssen. Die Vorbereitungsphase bis zur WM ändert sich erstmal nicht. Das einzige, was sich ändert, ist das diesmal die Anzahl der Spieler von Anfang an wesentlich größer sein wird als sonst. Normalerweise machst du ja nach einer Woche einen Cut bei den Spielern, ein paar fallen raus, ein paar kommen neu hinzu. Diesmal aber hast du den kompletten Kader von Anfang dabei. 

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