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München - Der Hamburger SV spielt auch in der nächsten Saison in der 2. Liga. Bei SPORT1 rechnen zwei Klub-Legenden mit dem Bundesliga-Gründungsmitglied ab.

Um 17.18 Uhr am Sonntag war es bittere Realität

Der Hamburger SV wird auch in der nächsten Saison in der 2. Liga spielen. Bei drei Punkten Rückstand auf den Relegationsplatz und 21 Toren Differenz haben die Hanseaten den direkten Wiederaufstieg in die Bundesliga verpasst. 1:4 verlor man am 33. Spieltag beim SC Paderborn und verspielte damit die letzte Hoffnung auf den direkten Wiederaufstieg. Dabei war der HSV nach 17 Spielen noch Herbstmeister.

Seit acht Spielen sind die Hamburger sieglos, länger als jedes andere Team in der Liga. Lediglich 16 Punkte konnten in der Rückrunde geholt werden, nur Absteiger MSV Duisburg holte weniger, auswärts wurde nur eins der zurückliegenden neun Spiele gewonnen, wenigstens noch beim Stadtrivalen FC St. Pauli, denkt sich so mancher HSV-Fan. (Service: Die Tabelle der 2. Liga) Doch nach dem Derbysieg ging es rapide bergab.

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Magath: "HSV braucht anderen Trainer"

"Man hat beim HSV fast alles falsch gemacht. Es ist eine Riesen-Enttäuschung auch für die ganze Stadt, aus meiner Sicht ist es auch ein herber Verlust für die Bundesliga", sagt Felix Magath im Gespräch mit SPORT1. Dafür werde das Aufstiegsrennen in der nächsten Saison "sehr interessant".

Für den 65-Jährigen, der zwischen 1976 und 1986 für den HSV 306 Bundesligaspiele absolvierte und 1983 mit dem Verein den Europapokal der Landesmeister gewann, gibt es nur eine Erklärung für diesen Super-GAU. Und das dürfte HSV-Coach Hannes Wolf, der nach SPORT1-Informationen am Saisonende gehen muss, gar nicht gerne hören.

"Ich habe vor Monaten schon gesagt, dass der HSV in dieser Situation einen anderen Trainer braucht, nämlich einen erfahrenen Mann, der sich auskennt in so einer Situation", sagt Magath: "Für eine Mannschaft, die als Favorit in die Saison gegangen ist, wäre so ein Routinier viel besser gewesen. Die Verantwortlichen hatten sich aber für zwei unerfahrene Trainer (vor Wolf war Christian Titz im Amt, d. Red.) entschieden. Die Quittung hat man jetzt bekommen." Für Magath ist klar: "Man darf so nicht weitermachen."

Wie Magath wünscht sich Investor Klaus-Michael Kühne den Rauswurf von Wolf.

Seeler: "Man war kein Team"

Auch HSV-Legende Uwe Seeler (476 Spiele von 1953 bis 1972) ist fassungslos, was da am Sonntag passiert ist. "Das ist schlimm und es tut weh, nicht nur mir, vor allem der ganzen Stadt Hamburg. Doch sind wir ehrlich, mehr wäre auch nicht verdient gewesen nach den zurückliegenden Spielen. Es war eine schlechte Rückrunde. Nun müssen wir uns ein weiteres Jahr mit der zweiten Liga abgeben", sagt der 82-Jährige zu SPORT1.

"Nachdem ich die vergangenen Spiele gesehen habe, ist einem der Glaube verloren gegangen", ergänzt Seeler: "Wenn man auf der Tribüne saß und sah, was für Spiele abgeliefert wurden, war klar, dass wir es nicht schaffen."

Die Trainerentscheidung will Seeler aber nicht als alleinigen Grund für das Fiasko sehen. "Es ist immer leicht, einem Trainer die Schuld zu geben. Ich habe gesehen, dass die Mannschaft einfach nicht stark genug war. Nicht ausgeglichen genug. Man war kein Team, so wie ich mir das vorstelle. Für mich hat da vieles gefehlt."

SC Paderborn 07 v Hamburger SV - Second Bundesliga
SC Paderborn 07 v Hamburger SV - Second Bundesliga © Getty Images

Magath kritisiert Klub-Bosse

Magath übt Kritik an den Klub-Bossen. "Es war zu erkennen, dass die Verantwortlichen des HSV auch nach dem Abstieg nichts aus den vergangenen Jahren gelernt haben. Das hat sich nahtlos fortgesetzt. Es ging weiter drunter und drüber."

Er hätte es "nicht für möglich gehalten, aber viele andere auch nicht, dass der Hamburger SV mit diesem starken Kader wirklich nicht aufsteigt". 

Vor allem Klub-Boss Bernd Hoffmann bekommt sein Fett weg. "Herr Hoffmann hat mal erzählt, dass der HSV unter die Besten in Europa kommt, aber darauf wartet ganz Deutschland noch."

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Unterstützung von Magath?

Ob die Hamburger mit Magath aufgestiegen wären, daran verschwendet der erfahrene Fußballlehrer keinen Gedanken. "Darüber braucht man gar nicht reden, was hätte passieren können, wenn."

Würde er helfen, wenn man ihn fragt? Da muss Magath schmunzeln und meint nur: "Man wird mich nicht fragen. Ich habe mit dem HSV nichts mehr zu tun."

Auch für die Stadt Hamburg ist ein weiteres Jahr in der 2. Liga katastrophal, glaubt Magath. "Es ist schlimm, dass der Verein noch mindestens ein Jahr zweitklassig bleibt. Wenn ich Hamburger Bürger wäre, dann wäre das schon frustrierend. Man muss sich nur London anschauen, da spielen einige Erstligisten, das ist eine Weltstadt. Der Fußball hat eine so große Bedeutung, so dass der FC Bayern für München ein großer Gewinn ist. Hamburg als zweitgrößte Stadt in diesem Land ohne einen Erstligisten - das ist einfach nur traurig."

Seeler spricht von Katastrophe

Seeler hat nur einen Wunsch, nämlich, dass personell etwas passiert. "Es muss besser werden, es müssen bessere Leute gekauft werden, wenn man wieder aufsteigen will. Aber wir wissen auch, dass der HSV kein Geld hat und pleite ist", sagt Seeler.

Und weiter: "Ich hoffe, sie kommen wieder zur Ruhe und vereinigen sich und können wieder aufsteigen. Das wird natürlich von Jahr zu Jahr schwieriger."

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