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München - Bei seiner Schalke-Vorstellung gibt Jochen Schneider bekannt, dass Domenico Tedesco zunächst weitermachen darf. SPORT1 fasst die Erkenntnisse der PK zusammen.

Jochen Schneider ist der neue starke Mann beim FC Schalke 04 - und hat als solcher beim kriselnden Vizemeister gleich alle Hände voll zu tun.

Dass der Nachfolger von Christian Heidel die Verantwortlichkeiten in der Führungsetage auf mehrere Schultern verteilen will, war für Schneider aber erst einmal zweitrangig.

"Wir brauchen eine sportliche Trendwende. Wir können so nicht weitermachen", bekräftigte Schneider bei seiner Vorstellung in der Schalker Veltins-Arena am Dienstag. "Es macht deswegen auch keinen Sinn, darüber zu philosophieren, was in drei oder vier Wochen passiert. Das ist nicht interessant, interessant ist jetzt der kommende Freitag."

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Dann geht es für die seit sechs Spielen sieglosen Schalker zum Auswärtsspiel bei Werder Bremen (Bundesliga: Werder Bremen - Schalke 04 ab 20.30 Uhr im LIVETICKER)- mit Domenico Tedesco auf der Trainerbank, wie Schneider verdeutlichte. "Ich bin in einem total offenen Austausch mit Domenico, er sieht das genauso. Wir sind optimistisch, dass wir das hinbekommen und entsprechend auf die Mannschaft einwirken können."

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Neben der Trainerfrage arbeitete Schneider auf der über 45-minütigen Pressekonferenz an der Seite von Aufsichtsratsboss Clemens Tönnies die momentanen Schalker Problemfelder ab. SPORT1 fasst die Erkenntnisse der PK zusammen.

- Tedesco darf weitermachen - vorerst

Schneider kennt Tedesco aus gemeinsamen Tagen beim VfB Stuttgart. Von 1999 bis 2015 war Schneider in unterschiedlichen Funktionen bei den Schwaben tätig, unter anderem als Sportdirektor. Tedesco trainierte bis zum gleichen Jahr die Stuttgarter U17.

"Er ist ein wunderbarer Trainer, wir mögen und schätzen uns sehr", schwärmte Schneider – nur, um im gleichen Atemzug den Druck auf den glücklosen Coach zu erhöhen: "Ich bin kein Freund von Lippenbekenntnissen. Ich sage auch nicht, dass wir das bis zum Vertragsende durchziehen. Das bringt nichts."

Eine konkrete Nachfrage zu Huub Stevens als möglichen Retter in der Not wiegelte Schneider aber ab. "Es macht gar keinen Sinn, auf diese Frage zu antworten und über irgendwelche Namen zu diskutieren."

Aufsichtsratsboss Clemens Tönnies bekräftigte unterdessen seine Zuneigung zu Tedesco. "Ich finde ihn als Mensch überragend", unterstrich Tönnies. "In meiner langen Zeit auf Schalke habe ich noch nie so einen akribischen Arbeiter gesehen, der steht wie eine Eins zu seiner Verantwortung."

Tönnies stehe laut eigener Aussage in regelmäßigem Austausch mit Tedesco. "Was den Sport betrifft, rede ich ihm nicht rein, das muss er wissen", meinte Tönnies.

- Die Mannschaft ist gefordert

Immer wieder beschwor Schneider den Zusammenhalt und berief sich dabei auf seine Erfahrung aus vier Abstiegskämpfen. Denn um nichts anderes als den Klassenerhalt gehe es auch für die Königsblauen.

"Ich glaube schon, dass die Spieler den Ernst der Lage erkannt haben und wissen, worum es jetzt geht", erklärte Schneider und sprach mehrfach von "guten Jungs".

Von Grüppchenbildungen und einer generellen Missstimmung innerhalb des Teams wollte der neue Sport-Vorstand nichts wissen. Aber es bringe seiner Meinung nach auch nichts, "mit dem Finger auf Einzelne" zu zeigen. Tedesco gab er schließlich "freie Hand", die Mannschaft radikal umzustellen.

- Abstrafung durch die Ultras

In puncto Zusammenhalt zählte Schneider vor allem auch auf die Fans. Doch der Eklat um die Ultras, die nach der 0:4-Pleite gegen Fortuna Düsseldorf Benjamin Stambouli zur Rückgabe der Kapitänsbinde aufforderten, wirkt noch immer nach.

Sowohl Schneider als auch Tönnies äußerten Verständnis für den Frust der Fans. "Aber ich hätte mir gewünscht, dass sie es vielleicht auf dem Trainingsplatz gemacht hätten. Ich bin da eher beim Spieler. Stambouli hat mir leidgetan", sagte Tönnies.

Und Schneider ergänzte: "Dass die Aktion an sich nicht schön war, ist auch klar. Wir müssen das jetzt auch nicht überbewerten. Am Ende sind wir Profis und müssen damit umgehen können."

- Heidels Rücktritt und Fehleinschätzungen

Gleich zu Beginn der Presserunde bekräftigte Tönnies, von Heidels Rücktrittserklärung vor zwei Wochen überrascht worden zu sein. Dennoch lobte er auch Schneiders Vorgänger.

"Wir haben sehr gut mit Christian Heidel im Aufsichtsrat zusammengearbeitet", sagte der 62-Jährige - gestand aber auch: "Wir waren ein Stück weit geblendet von der Vizemeisterschaft. Wer Erfolg hat, hat immer Recht. Umso mehr sind wir von der jetzigen Situation beeindruckt."

Schneider plane keinen direkten Austausch mit Heidel für eine geregelte Übergabe. Doch "wenn es da etwas geben sollte, können wir uns gerne austauschen", so Schneider.

Zugleich verriet Tönnies, dass er bereits 2017 - also ein Jahr nach Heidels Amtsantritt in Gelsenkirchen - eine breitere Aufstellung in der Führungsriege vorschlug. Heidel habe dies aber abgelehnt.

- Schneider schafft neue Posten

Sein Nachfolger setzt diese Idee nun um. Um den Klub "breiter aufzustellen", sollen noch ein Sportdirektor und ein technischer Direktor berufen werden.

Namen von möglichen Kandidaten nannte Schneider nicht, er ließ aber durchklingen, dass ein Mann mit Profierfahrung in der Bundesliga von Vorteil wäre. In diesem Zusammenhang lobte er beispielsweise die Arbeit von Fredi Bobic bei Eintracht Frankfurt. Auf Schalke wurde zuletzt Gerald Asamoah gehandelt. Leverkusens ehemaliger Sportdirektor Jonas Boldt kann es sich nach SPORT1-Informationen in der aktuellen Konstellation nicht vorstellen, einen derartigen Posten zu bekleiden.

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