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München - Vor dem heißen Titelkampf zwischen dem FC Bayern und Borussia Dortmund spricht der König aller Meisterentscheidungen Patrik Andersson bei SPORT1 über das Saison-Finale.

Es war der 19. Mai 2001. Der Tag, den jeder Fan des FC Schalke am liebsten aus seinem Gedächtnis streichen möchte. Damals, in Hamburg lief schon die Nachspielzeit, legte sich Bayerns Stefan Effenberg den Ball vor einem indirekten Freistoß im Strafraum zurecht, tippte ihn auf Patrik Andersson - und der Abwehrspieler erzielte den 1:1-Ausgleich beim HSV.

Die Schalker fühlten sich nach ihrem Heimsieg gegen die SpVgg Unterhaching (5:3) bereits einige Minuten als Deutscher Meister - doch dann traf Andersson mitten ins königsblaue Herz. Andersson wurde zum König der Meisterentscheidungen.

"Das war das wichtigste Tor in meiner Karriere", sagt der Schwede im Gespräch mit SPORT1.

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Danach verabschiedete er sich und wechselte zum FC Barcelona. In Deutschland spielte Andersson für Borussia Mönchengladbach (1993 bis 1999) und die Bayern (1999 bis 2001).

Am Samstag kommt es zum Showdown in der Bundesliga. Und zum ersten Mal seit zehn Jahren steht der Meister am 34. Spieltag noch nicht fest. Die Bayern empfangen Eintracht Frankfurt in der Allianz Arena (Bundesliga: FC Bayern - Eintracht Frankfurt, Samstag 15.30 Uhr im LIVETICKER), die Gladbacher spielen zu Hause gegen den BVB (Bundesliga: Borussia Mönchengladbach - Borussia Dortmund, Samstag 15.30 Uhr im LIVETICKER).

Soll es mit der Schale noch klappen, muss der BVB gewinnen und hoffen, dass die Bayern verlieren. Gewinnen die Münchner oder spielen unentschieden, sind sie Meister.

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Andersson vom Saisonfinale begeistert

"Das Bundesliga-Finale ist sehr spannend. Es ist für die ganze Liga klasse. Das Interesse am deutschen Fußball steigt immer weiter", meint Andersson. "Das ist auch für die Fans eine überragende Geschichte. Die Bayern haben seit Januar sieben Punkte auf Borussia Dortmund aufgeholt und sind jetzt zwei Punkte vorne. Das ist eine starke Leistung." 

Dass der Rekordmeister straucheln wird, glaubt der 47-Jährige nicht. "Die Bayern haben die Qualität und auch die Erfahrung, außerdem möchte sich die Mannschaft bestmöglich verabschieden von den Fans. Es ist auch das letzte Heimspiel von Franck Ribéry, Arjen Robben und Rafinha. Da soll natürlich etwas geboten werden."

Die Mannschaft wolle dem Trio zudem "ein gutes Abschiedsspiel in München schenken", glaubt Andersson. "Die Jungs wollen den Titel und ich gehe davon aus, dass sie gegen Frankfurt klar gewinnen werden. Zuletzt konnte man in den Spielen gegen Nürnberg und Hannover nicht überzeugen. Die Bayern brauchen auch im Hinblick auf das Pokalfinale (eine Woche später in Berlin gegen RB Leipzig, d. Red.) ein gutes Gefühl." 

"Bayern wird nicht verrückt im Kopf"

Für Andersson ist der Rekordmeister psychisch stabil genug, um den Titel einzufahren. "Bayern wird nicht verrückt im Kopf. Das Spiel dauert 90 Minuten, aber sie wissen, was zu tun ist, haben alles in der eigenen Hand. Sie werden mit der leichten Drucksituation gut umgehen. Es sind nur noch zwei Spiele und sie wollen beide unbedingt gewinnen.“

Beim Spiel der Dortmunder in Mönchengladbach geht es nicht nur für die Schwarz-Gelben um sehr viel, auch für die Gastgeber. Und es ist das letzte Spiel von Dieter Hecking als Coach der Fohlen.  

"Die Gladbacher waren in der Hinrunde lange oben, man war fast schon weg vom Champions-League-Fenster, jetzt haben sie alles in der eigenen Hand, um Vierter zu werden und das Ticket für die Königsklasse zu lösen", freut sich Andersson.

"Sie werden sich nicht hängen lassen, nur weil der Trainer ohnehin geht, sondern nochmal alles reinwerfen und voll auf Sieg spielen. In der Königsklasse zu spielen, ist schließlich etwas ganz anderes als in der Europa League. Wenn man diese Chance hat, dann muss man sie nutzen." 

Den BVB warnt Andersson: "Jeder weiß, wie schwierig es ist, im Borussia-Park zu gewinnen. Es wird ein offenes und schweres Spiel."

Was wird mit Kovac?

Schwer hat es auch Bayern-Coach Niko Kovac, der von den Bossen nur bedingt Rückendeckung erhält. "Solange es so läuft, sollte man sich voll auf die beiden letzten Spiele konzentrieren. Erst danach wird abgerechnet. Ganz sicher kann sich Kovac nicht sein“, meint Andersson.

"Es gibt genug Leute bei Bayern, die die richtige Entscheidung für den Klub treffen. Offenbar ist man nicht ganz überzeugt von Kovac, weil die Ziele immer hoch sind und nur ein Titel ist nicht gut genug. Man möchte sich mit den großen Klubs messen."

Doch die Saison war für Andersson "problematisch", es habe "sehr viel Unruhe, viele Verletzungen" gegeben und "es fehlte an Kontinuität“. Ein Spieler wie Robben habe nicht viele Spiele gemacht. "Wenn ich das vergleiche mit der vergangenen Saison, da war man gegen Real Madrid die klar bessere Mannschaft. Jetzt gegen Liverpool im Rückspiel war das Team schwach und es war viel Unvermögen dabei. Die Bayern hatten in dem Spiel nicht die Qualität, um Torchancen herauszuspielen."

Gerüchte um Griezmann

Zur neuen Saison kommt Lucas Hernandez von Atletico Madrid und Robben und Ribéry müssen ersetzen werden. "Das wird schwer", sagt Andersson. Dass an den Gerüchten um einen Wechsel von Antoine Griezmann zu den Bayern etwas dran sein soll, darüber kann Andersson nur lächeln.

"Ich glaube er wird in Spanien bleiben, also zu Barca wechseln. Aber es gibt auch Paris Saint-Germain. Man muss aber abwarten, was mit Dembélé und Philippe Coutinho wird. 120 Millionen Euro ist viel Geld, Barca hat im vergangenen Jahr sehr viel ausgegeben und sie müssen erst jemanden verkaufen, um Griezmann zu holen."

Und wer wird am Sonntag die Schale in Empfang nehmen? Andersson legt sich fest: "Ich tippe auf Bayern als Meister, Gladbach wird gewinnen und die Königsklasse erreichen."     

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