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München - Die Abwehr des FC Bayern präsentiert sich anfällig wie lange nicht. Die Verletztenliste wird immer länger. Vor allem Joshua Kimmich wird schmerzlich vermisst.

In der Schlussphase gab Manuel Neuer auch verbal noch mal alles.

"Tempo, Tempo", forderte der Torhüter des FC Bayern von seinen Vorderleuten. Doch auch seine lautstarke Beschwerde über die nur dreiminütige Nachspielzeit ("ein Oberwitz") verhallte, alle Münchner Hoffnungen auf einen Lucky Punch zerplatzten gleichermaßen.

1:1 (0:1) lautete das aus Bayern-Sicht unbefriedigende Resultat gegen Werder Bremen. Während die Offensive, abgesehen von Kingsley Comans Treffer (62.), der die Bremer Führung durch Maximilian Eggestein (45.) egalisierte, wenig Zwingendes zustande brachte, präsentierte sich die Defensive erschreckend anfällig.

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Vor allem Joshua Kimmich, der nach seiner Knie-OP noch bis Januar außer Gefecht gesetzt ist, wurde schmerzlich vermisst - ob als lautstarker Leader, vor allem aber als Löcherstopfer im Mittelfeld. "Joshua wird immer fehlen, weil er ein sehr wichtiger Spieler für uns ist", sagte Trainer Hansi Flick auf der Pressekonferenz nach dem Spiel.

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Bayern droht Hernández-Aus: "Müssen kreativ sein"

Und es droht neues Ungemach: Lucas Hernández musste noch vor der Pause angeschlagen ausgewechselt werden, nachdem er nach einem Luftduell mit Theodor Gebre Selassie unsanft gelandet war. "Lucas ist mit dem Becken auf dem Boden gelandet, mit voller Wucht", erklärte Flick und verwies auf die Diagnose, die auch am Sonntagabend noch nicht kommuniziert wurde. "Klar, wird es jetzt ein bisschen eng auf gewissen Positionen, wenn Lucas ausfallen würde. Da müssen wir kreativ sein und die Positionen kreativ besetzen."

Gegen Bremen entschied sich Flick zunächst für Javi Martínez als einzigen Sechser vor der Abwehr. Doch nach Hernández' verletzungsbedingter Auswechslung musste Flick schon nach 19 Minuten umbauen, er brachte Leon Goretzka für das defensive Mittelfeld, Martínez rückte in die Innenverteidigung und David Alaba übernahm Hernández' Position links in der Viererkette.

Das Gegentor, das Josh Sargent nach einem Bremer Einwurf vorbereitete und dabei Martínez düpierte, wollte Flick nicht auf die Umstellungen schieben. Schließlich wisse "jeder Spieler, was er zu tun hat. In ein paar Situationen waren wir einfach nicht so gut auf die schnellen Konter eingestellt und sind nicht ganz so mitgegangen wie man es machen muss."

So viele Gegentore wie zuletzt unter Klinsmann

Die Konteranfälligkeit zieht sich wie ein roter Faden durch die noch junge Saison der Bayern. Gegen Bremen war es vor allem Jubilar Manuel Neuer in dessen 400. Pflichtspiel für die Bayern zu verdanken, dass die Münchner am Ende nicht mit komplett leeren Händen dastanden. Bei Eggesteins Tor war Neuer machtlos und muss daher auf die Einstellung des Zu-Null-Rekords von Oliver Kahn (196 Spiele) in der Bundesliga weiter warten.

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Erst zwei Mal wahrte Neuer an den ersten acht Spieltagen eine weiße Weste. Insgesamt kassierten die Bayern schon zwölf Gegentore - das gab es zuletzt vor zwölf Jahren unter Jürgen Klinsmann, damals waren es sogar 13.

Nach der erzwungenen Umstellung durch Hernández' Verletzung lobte Flick explizit Leon Goretzka, der es "sehr, sehr gut auf der Sechs gemacht hat. Er war immer da, war sehr präsent und hat auch das 1:1 vorbereitet. Er hat ein sehr gutes Spiel gemacht."

Roca im Wartestand - "heute für Marc kein Platz"

Vor dem Spiel hatte Flick Marc Roca noch gute Trainingsleistungen bescheinigt und ihm nach seinem einminütigen Bundesliga-Debüt in Köln weitere Einsatzzeit in Aussicht gestellt, am Samstag saß der defensive Mittelfeldspieler 90 Minuten auf der Bank ebenso wie Defensivallrounder Tanguy Nianzou.

"Wenn ich mich positiv über einen Spieler äußere, heißt das nicht gleich, dass er eine Stammplatzgarantie hat", erklärte Flick auf SPORT1-Nachfrage seinen Verzicht auf Roca. "Wir mussten durch die Verletzung von Lucas Hernández Javi in die Innenverteidigung stecken, von daher war heute für Marc kein Platz."

Bezüglich der Startelf gab letztlich die Routine des 32-jährigen Martínez den Ausschlag. "Er ist schon länger im Verein, länger in der Mannschaft. Er weiß, was auf dieser Position erwartet wird und wie er sich da verhalten muss", erklärte Flick. "Das war heute für Javi die optimale Position."

Dass der Baske diese allerdings nach 19 Minuten wieder aufgeben musste, war so nicht geplant. "Wir haben auch gedacht und gehofft, dass wir einen anderen Verlauf des Spiels sehen und dann vielleicht Marc oder andere Spieler reinbringen können", sagte Flick.

"Noch haben wir genügend Spieler"

Mit Blick auf die Champions-League-Partie am Mittwoch gegen den FC Salzburg hofft Flick jedenfalls, dass die angeschlagenen Corentin Tolisso und Bouna Sarr wieder zur Verfügung stehen.

"Wir gehen kein Risiko ein. Noch haben wir genügend Spieler an Board", betonte Flick und übte sich mit Blick auf den vollen Terminkalender in Gelassenheit: "Wir wissen, dass wir in vier Wochen jetzt noch acht Spiele haben. Darauf sind wir eingestellt. Wir haben einen großen Kader. Es kommen jetzt auch wieder Spieler dazu, von daher glaube ich, dass wir das ganz gut wegstecken können."

Zumindest die Tabellenführung hat der Rekordmeister verteidigt, da auch RB Leipzig beim 1:1 in Frankfurt Punkte liegen ließ. Doch der BVB sitzt den Bayern nach dem eindrucksvollen 5:2 bei Hertha BSC jetzt wieder mit nur einem Punkt Abstand im Nacken - weitere Ausrutscher könnten also teuer werden.

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