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München - Ivan Perisic überzeugt in der Champions League mit starken Leistungen. Doch seine Zukunft beim FC Bayern ist unklar. Bei SPORT1 spricht ein Landsmann über ihn.

An seinen jüngsten Bewerbungsunterlagen kann es eigentlich nicht liegen, warum Ivan Perisic immer noch nicht weiß, wie es mit ihm beim FC Bayern weitergeht. Solch einen Arbeitnehmer wünscht sich jeder Chef. Einen, der nie aufsteckt und für das Team alles gibt.
 
Das zeigte Perisic in den zurückliegenden beiden Champions-League-Spielen. Der Kroate traf unlängst gegen den FC Chelsea (3:0) im Achtelfinal-Rückspiel in der Allianz Arena. Und beim historischen 8:2-Sieg gegen den FC Barcelona in Lissabon legte der 31-Jährige im Viertelfinale am vergangenen Samstag erneut nach. Effektivität: Note sehr gut.

In beiden Partien hatte Perisic maßgeblichen Anteil am Bayern-Sieg, leitete immer wieder gefährliche Angriffe über seine linke Seite ein und war auch in der Defensive stets wachsam.

Lob von Flick

"Mit seiner Physis und seinem Zug zum Tor ist er sehr wichtig für die Mannschaft. Das hat er gestern wieder gezeigt", lobte ihn Hansi Flick auf SPORT1-Nachfrage.

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Für den Cheftrainer des FCB ist Perisic derzeit auf der Außenbahn der Roten nicht wegzudenken. Philippe Coutinho und Kingsley Coman scharren zwar mit den Hufen, doch müssen sich in Geduld üben. Denn der Kroate wirkt im August 2020 topfit und spielt nah am Prädikat fehlerfrei.

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Dennoch steht hinter der Zukunft von Perisic beim FC Bayern weiter ein Fragezeichen - zum großen Unverständnis eines früheren Publikumslieblings des FC Bayern. Ivica Olic, der von 2009 bis 2012 für die Münchner auf Torejagd ging, kennt Perisic sehr gut. Von 2011 bis 2015 spielten beide zusammen in der kroatischen Nationalmannschaft.

Seit 2017 ist Olic Kroatiens Co-Trainer und erlebt auch dort einen Perisic, der stets mit Feuereifer bei der Sache ist. Schon vor einem Jahr, als der ehemalige Bayern-Trainer Niko Kovac (ab der neuen Spielzeit Trainer bei AS Monaco) Perisic nach München holte, war Olic bei SPORT1 voll des Lobes und nannte ihn die A-Lösung für die linke Außenbahn.

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"Ivan war der Wunschspieler von Niko"

Auch jetzt schwärmt Olic von seinem Landsmann. "Ivan war vor einem Jahr der Wunschspieler von Niko, weil er ihn von der Nationalmannschaft kannte und wusste, was Ivan kann", sagt er im Gespräch mit SPORT1.
 
Der 40-Jährige, der in der Bundesliga für den Hamburger SV, die Bayern und den VfL Wolfsburg aktiv war, hat die Saison von Perisic beim Rekordmeister genau beobachtet. "Er hat sich in den ersten Spielen super gezeigt und durchgesetzt und war in seiner besten Form seit langem, doch dann kam eine schwere Verletzung. Nach dreieinhalb Monaten musste Ivan sich wieder ran kämpfen, da hat ihm die Corona-Pause auch etwas geholfen."
 
Olic ergänzt: "Ich habe aber nie auch nur eine Sekunde an Ivan gezweifelt. Ich war vom ersten Tag an davon überzeugt, dass er sich bei Bayern durchsetzen wird. Er ist ein Spieler, der mich immer absolut überzeugt hat."

Wolfsburg, Mailand und Bayern als Perisics Stationen

Ein Blick auf die Statistik würde genügen. "Er spielte bei Wolfsburg, bei Inter Mailand und seit einem Jahr bei Bayern. Er hat für einen Flügelstürmer enorm viele Tore erzielt."

Beim Trainer habe Perisic jedenfalls gute Karten. "Man konnte zuletzt sehen, dass Flick große Stücke auf Ivan hält und ihn sehr schätzt, weil er ihn oft spielen ließ", meint Olic: "Ivan ist der Wunschspieler jedes Trainers. Er spielt unheimlich variabel, kann gut in der Defensive spielen, mit rechts und mit links schießen, ist kopfballstark, hat eine gute Schnelligkeit und kann auf dem Platz immer etwas Gefährliches machen."
 
Perisic sei für Olic "einer der effektivsten Spieler", die er kenne. "Nicht nur im Verein, sondern auch in der Nationalmannschaft. Auch da ist er unglaublich wichtig für uns. Und deshalb freue ich mich, dass er nach seiner Verletzung in den letzten Spielen der alten Saison wieder gezeigt hat, dass er ein super Spieler ist. Ivan kann für jede Mannschaft in Europa wichtig sein."

Ivica Olic (l.) und Ivan Perisic kennen sich aus der kroatischen Nationalmannschaft
Ivica Olic (l.) und Ivan Perisic kennen sich aus der kroatischen Nationalmannschaft © Imago

Perisic will bleiben

Nach SPORT1-Informationen will Perisic unbedingt beim FC Bayern bleiben, hat aber auch andere Anfragen. In München fühlt sich seine Familie pudelwohl. Nach der Champions-League-Endrunde in Lissabon will sein Management intensive Gespräche mit den Verantwortlichen bei Inter führen, aber auch mit den Bayern.

Um Perisics Wunsch erfüllen zu können, hofft sein Management darauf, dass Inter die Ablöse etwas herunter schraubt und er dadurch für die Bayern noch interessanter wird. Bei der "Nerazzurri" hat der kroatische Nationalspieler noch einen Vertrag bis 2022.

Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge sagte zuletzt in der Abendzeitung: "Bei Perisic muss ich sagen: Das ist ein Spieler, der mir gefällt. Er spielt vielleicht nicht immer spektakulär, aber er ist effektiv und erfüllt seine Aufgabe."

Keine einfache Situation

Und er macht keinen Druck, sondern bleibt ruhig. "Natürlich ist die Situation nicht einfach für ihn, weil er nicht weiß, ob er fest verpflichtet wird oder nicht", betont Olic.

"Da spielt bestimmt auch seine Verletzung eine große Rolle für die Skepsis der Bosse. Doch ich hoffe, dass Ivan in München bleibt und in der nächsten Saison ein wichtiger Teil der Mannschaft sein kann."

Und dann kommt dem sonst eher zurückhaltenden Olic eine Forderung über die Lippen. "Bayern muss ihn kaufen. Sollte man andere Pläne haben, dann ist es wichtig für Ivan, dass er frühzeitig planen kann. Ich kenne ihn schon lange, er ist ein Vollprofi und sehr klar im Kopf, so dass ihn die Unsicherheit nicht groß stört. Aber er hat gezeigt, was er kann. Ich mache mir keine Sorge um seine Zukunft. Wenn er Bayern verlässt, wird er auch in der neuen Saison bei einem Topverein spielen."

Mindestens eine Chance hat Perisic noch, um für sich Werbung zu machen. Am Mittwochabend geht es für Bayern gegen Olympique Lyon um den Einzug ins Finale der Königsklasse. (Champions League: Olympique Lyon - FC Bayern am Mittwoch ab 21 Uhr im LIVETICKER)

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