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SPORT1-Kolumnistin Julia Simic zieht nach der Vorrunde der Frauen-WM Bilanz und verrät einige private Seiten der deutschen Nationalspielerinnen.

Hallo Fußball-Fans,

die Vorrunde kann sich doch sehen lassen: drei Spiele, drei Siege, kein Gegentor. Absolut verdient stehen unsere Mädels als Gruppenerste im Achtelfinale und treffen auf Nigeria. Das ist auf jeden Fall eine machbare Aufgabe und das Beste daran ist, dass wir (noch) nicht auf Angstgegner USA treffen.

Die WM-Euphorie hält sich hierzulande allerdings noch in Grenzen. Aufgefallen ist mir das auch bei einem Quiz, das ich in den vergangenen Tagen während meiner Mädchen-Fußballcamps mit rund 100 Mädels in Bayern durchgeführt habe.

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Regelrecht erschrocken hat mich, dass die Nachwuchs-Kickerinnen kaum eine handvoll Nationalspielerinnen aus unserem aktuellen WM-Kader aufzählen können. Woran das liegt? Vielleicht ist es die fehlende TV-Präsenz und die dadurch fehlende Identifikationskraft. Vielleicht auch das fehlende Interesse.

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Wen aber fast jeder kannte, waren Lina Magull vom FC Bayern, Sara Däbritz, die im Sommer zu Paris Saint-Germain wechseln wird, und unsere Kapitänin Alexandra Popp vom VfL Wolfsburg. Woran liegt das wiederum?

An Lina wird ihre witzige Art und ihr Haar-Dutt geschätzt, der mittlerweile zu ihrem Markenzeichen geworden ist und über den es sogar Social-Media-Tutorials gibt. Auf den ersten Blick wirkt sie wie ein Quatschkopf, geht aber gleichzeitig sehr professionell mit ihrem Körper und ihrer Karriere um. Was kaum einer weiß: Die junge Lina hatte hin und wieder mit ihrem Gewicht zu kämpfen und absolvierte deshalb zusätzliche Laufeinheiten.

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Als eines Tages die damaligen U19-Nationaltrainerinnen eine ihrer Laufeinheiten beobachtet hatten, soll der Satz gefallen sein: 'Ach guck mal, da läuft das kleine, dicke Magullchen'. Das hat bei ihr für zusätzlichen Ansporn gesorgt und aus Magull eine der besten deutschen Spielerinnen reifen lassen.

Sara ist bei den Mädels vor allem durch ihre trickreiche Spielart sehr beliebt – sie baut immer wieder einen Hackentrick ein oder streichelt den Ball mit der Sohle und sorgt dadurch für besondere Momente. Was die wenigsten dabei wissen: In den Saisonpausen arbeitet sie mit einem Individual-Trainer zusammen, um ihre Tricks zu verfeinern.

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Und Alex? Sie ist die wichtigste Säule im Team und verfügt im Frauen-Fußball über das wohl weltweit beste Kopfballspiel. Aber auch neben dem Platz strotzt sie vor Energie. Mittlerweile ist sie ausgebildete Zootierpflegerin. In unserer gemeinsamen Zeit in Wolfsburg kam "Poppi" häufig direkt aus dem Zoo und in voller Montur zum Training, nachdem sie gerade stundenlang Gehege gesäubert und Affen oder Löwen gefüttert hat.

Die meisten anderen Spielerinnen haben in dieser Zeit die Füße hochgelegt oder einen Mittagsschlaf gehalten.

Neben diesen Dreien wird es im Achtelfinale auf weitere interessante Spielerinnen ankommen – wie Innenverteidigerin Marina Hegering von der SGS Essen. Von allen Nationalspielerinnen im Team hat sie mit die wenigsten Länderspiele (6). Der Grund: Sie war durch eine Fersenverletzung unglaubliche sechs Jahre außer Gefecht gesetzt. Eine Leidensgeschichte, die wahrscheinlich einzigartig ist im Profi-Sport und für den unglaublichen Kampfgeist von ihr spricht.

Neben den täglichen Reha-Einheiten hat sich Marina sogar selbst das Gitarre spielen beigebracht und eine kaufmännische Ausbildung absolviert. Neben ihrer Fußball-Karriere arbeitet sie 40 Stunden die Woche.

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Eine weitere kuriose Geschichte: Unsere Torhüterin Almuth Schult aus Wolfsburg versorgt die VfL-Mädels wöchentlich mit Eiern und frischer Milch vom Bauernhof ihrer Schwester. Auch sie hat ein Seuchenjahr hinter sich, weil sie sich im Wintertrainingslager die Masern einfing.

Ich habe es ja bereits in meiner ersten Kolumne bei SPORT1 angekündigt, dass unsere Fußballerinnen tolle Geschichten zu bieten haben. Hoffentlich schreiben sie ihre bislang tolle WM-Story weiter und ziehen ins Viertelfinale ein.

Julia Simic gilt als eine der bekanntesten deutschen Fußballerinnen. In der Frauen-Bundesliga lief die 30-Jährige insgesamt 186 Mal für Bayern München, Turbine Potsdam, den VfL Wolfsburg und zuletzt für den SC Freiburg auf (53 Tore). Mit den Wölfinnen wurde sie 2017 Deutscher Meister und gewann mit ihnen zweimal den DFB-Pokal. Ein weiteres Mal gelang ihr der Pokal-Coup mit den Bayern. Aufgrund schwerer Verletzungen absolvierte Simic für die deutsche Nationalmannschaft nur zwei Länderspiele. Für SPORT1 berichtet sie während der WM in Frankreich als Kolumnistin.

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