Deschamps kritisiert Dembele
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München - Aus Dortmund hat sich Ousmane Dembele einst weggestreikt. Nun bringt ihn der kuriose Wechsel von Malcom beim FC Barcelona in Bedrängnis.

Flughafen Rom. Montagabend. 22 Uhr. Etwas mehr als 50 Anhänger der AS Rom warten in voller Montur auf eine Maschine aus Bordeaux. Die landet schließlich auch. Aber von Neuzugang Malcom Filipe Silva de Oliveira fehlt jede Spur.

Schnell spricht sich herum, dass der Shootingstar aus der Ligue 1 trotz der Einigung seines Klubs Girondins Bordeaux mit der Roma nicht in die ewige Stadt kommen wird. Weder heute noch morgen noch sonst irgendwann.

Schuld daran soll ein Last-Minute-Angebot eines spanischen Topklubs sein, das Malcoms Pläne gehörig durcheinander gebracht hat. Was sich für die sehnsüchtig wartenden italienischen Fans zunächst nach einem schlechten Scherz anhört, wird schnell Wirklichkeit.

Keine 24 Stunden später posiert Malcom breit grinsend vor der Geschäftsstelle des FC Barcelona an der Avenida Arístides Maillo, küsst das Wappen der Blaugrana und spricht von einem "wahr gewordenen Traum". Ein Tiefschlag für jeden, der es mit der Roma hält. Und für Ousmane Dembele.

Direkter Konkurrent für Dembele

Mit dem 41-Millionen-Mann Malcom wird dem ehemaligen Dortmunder in der ohnehin schon luxuriös bestückten Barca-Offensive ein weiterer direkter Konkurrent vor die Nase gesetzt. Der 21 Jahre alte Brasilianer ist auf beiden Außenbahnen zu Hause, besticht in erster Linie durch seine Schnelligkeit und seine Technik. Dembele bringt diese Fähigkeiten zumindest auf dem Papier ebenfalls mit.

In Wahrheit wusste er seinen Trainer Ernesto Valverde bislang allerdings nie so wirklich davon zu überzeugen. In seiner Debüt-Saison kam der 105-Millionen-Mann fast nur von der Bank. Das lag zum Teil auch an mehreren Verletzungen, vor allem aber an seiner mangelnden Integration auf und neben dem Platz.

"Es war ein sehr schwieriges Jahr", räumte er anschließend ein. Seine Bilanz: vier Tore und neun Vorlagen in 24 Einsätzen. Zu wenig, um Pluspunkte bei den Verantwortlichen seines Arbeitgebers zu sammeln.

Malcom nur Barcas C-Lösung

Spätestens als sein großer Fürsprecher Robert Fernandez im Juni sein Amt als Sportdirektor an Eric Abidal abgeben musste, nahmen die Spekulationen um die Verpflichtung eines neuen Partners für Lionel Messi, Luis Suarez und Philippe Coutinho an Fahrt auf.

Abidals Wunschkandidat Antoine Griezmann sagte überraschend ab und entschied sich stattdessen für eine Vertragsverlängerung bei Atletico Madrid.

Anders war es bei Willian. Der brasilianische Nationalspieler wollte nach Barcelona wechseln, erhielt in drei Versuchen aber keine Freigabe vom FC Chelsea. Also fiel die Wahl auf Willians Landsmann Malcom. Eine C-Lösung, wenn man so will. 

WM verläuft für Dembele enttäuschend

Dembele dürfte dennoch kaum vor Selbstvertrauen strotzen, wenn er aus seinem Urlaub zurückkehrt. Zwar wurde er erst vor kurzem mit Frankreich Weltmeister, spielte bei dem Triumph in Russland aber keine tragende Rolle.

Er begann das Turnier in der Startelf der Equipe Tricolore, bis Trainer Didier Deschamps nach dem dürftigen Auftakt gegen Australien (2:1) sein System umbaute und ihn für einen klassischen Stoßstürmer (Olivier Giroud) opferte. 

Dembele, so hieß es in den französischen Medien, habe Deschamps zu wenig nach hinten gearbeitet. Ein Vorwurf, mit dem er schon häufiger - auch in Dortmund - konfrontiert wurde. Im WM-Finale gegen Kroatien (4:2) schmorte Dembele sogar 90 Minuten lang auf der Bank.

Abschied oder letzte Chance?

Dieses Schicksal dürfte ihm nun auch wieder regelmäßig in Barcelona drohen. Wie der spanische Radiosender Cadena Cope berichtet, sieht Dembele den Kauf von Malcom als Misstrauensvotum gegen ihn.

Umso kurioser, dass ausgerechnet Dembele der verrückte Wechsel von Malcom zum Nachteil gereichen dürfte. Immerhin hatte sich Dembele einst mit mächtigem Wirbel aus Dortmund weggestreikt. Nun soll er sogar über einen Abschied von Barca nachdenken.

Paris Saint-Germain gilt als sein bevorzugtes Ziel. Dort arbeitet mittlerweile bekanntlich sein früherer Förderer beim BVB, Thomas Tuchel, als Trainer. Für die Barca-Bosse kommt ein Verkauf des Linksfußes dem Vernehmen nach aber nicht in Frage. Eine letzte Chance soll er noch bekommen. Stand jetzt. 

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