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München - Stefan Pappert ist der Star-Koch in Wembley und ist mittendrin in der Fußball-High-Society von London. Bei SPORT1 spricht er über Mesut Özil, Pep Guardiola und Co.

Stefan Pappert kann sich glücklich schätzen. Der Koch verwöhnt die Creme de la Creme in der Fußballszene und im Showbusiness.

Er verköstigt nicht nur Fußballteams wie den FC Arsenal, Manchester City oder Tottenham Hotspur, sondern kennt auch Pep Guardiola, Mesut Özil, Pierre Emerick Aubameyang persönlich.

Auch für die Superstars des Musikbusiness - wie Adele, Bon Jovi und Robbie Williams - hat er schon gekocht. Und selbst die Queen bevorzugt das Essen von Pappert. Kein Wunder, er liebt seinen Job. Und alle lieben ihn für seine lockere, offene und umgängliche Art - und natürlich für seine Kochkünste. Papperts Plus: Er kann die Menschen im Nu vereinnahmen. Aus einem Smalltalk wird bei ihm schnell mal ein interessantes Gespräch.

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In Fulda machte er die Ausbildung zum Heilerziehungspfleger, doch das wurde Pappert 2003 zu langweilig. Er wollte raus in die große weite Welt und es gelang ihm auf einer Work-and-Travel-Tour als Bestatter in Australien, Reiseführer in Neuseeland oder Lehrer in Afrika zu jobben.

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Mit seinen Kochkünsten hat dann alles 2005 in München angefangen. Pappert kochte auf einem Alternativ-Festival im Künstler Zelt und gleichzeitig auf dem Münchner Oktoberfest.

"2015 bekam ich von meiner Münchener Haus-Brauerei, das Angebot im Rahmen einer Umstrukturierung die deutschen Läden in London auf Vordermann zu bringen, das war natürlich sehr verlockend", sagt der 42-Jährige zu SPORT1. Von da an begann für ihn die Reise der Superlative.

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Erste Begegnung mit Guardiola

Eigentlich wollte der Hesse nach drei Wochen London wieder zurück nach München, doch dann schlug 2017 seine große Stunde, als der FC Bayern mit Starkoch Alfons Schuhbeck in London zum Champions-League-Spiel gegen Arsenal zu Gast war.

Und wie der Zufall es wollte, saß Pappert an dem Abend mit dem Bayern Tross im Landmark Hotel, einem der First Class-Häuser der Stadt und fing dort einige Tage später als Sous Chef fürs Bankett an zu kochen. Ob Mourinho oder Guardiola, das Landmark Hotel als Vertragshotel der FA hatte alle Teams der Premier League zu Gast. Während des FA Cup Finals 2017 bekam er von Pep Guardiola, der 2016 von München zu ManCity wechselte, eine Einladung, die alles verändern sollte.

"Pep, der mich noch von München her kannte, fragte mich damals freudestrahlend 'Was machst du denn hier?', dann lud er mich zu dem FA-Cup-Finale ins Wembley Stadion ein", erinnert sich Pappert. Und plötzlich war er mittendrin in der Fußball-High-Society von London.

Start in Wembley

Im Stadion kam der dortige Küchenchef auf Papperts Tisch zu und nach einem kurzen Plausch zeigte er ihm seinen Arbeitsplatz, die Wembley Küche. "Wenn du mal Lust auf einen richtig guten Job hast, melde dich bei mir." Gesagt getan. Drei Monate später wurde er Küchenchef von Tottenham und ich hatte die Chance sein Nachfolger zu werden", erzählt Pappert.

"Die FA hat den neuen Küchenchef aus den in Wembley verbliebenen vier Sous Chefs gesucht und wir mussten alle etwas vorkochen", erinnert er sich. "Ich habe meine bayrischen Fleischpflanzerl mit Sauce und Rucola in der Semmel anstelle von Burgern rausgehauen und bekam den Job."

Ab dem Moment hatte er die gesamte Premier League, das Englische Fußball-Oberhaus und die NFL zu Gast. Startrainer wie Jose Mourinho oder Guardiola wechselten sich regelmäßig ab. "Plötzlich stand ein Deutscher an der Spitze von Wembley, das war schon Wahnsinn", meint Pappert. Wenig später kochte er sogar auf Vermittlung von Prinz William in Schloss Windsor. Seine schlichte Kochkunst ist sein Erfolgsrezept.

"Das, was ich in London erlebe und wen ich inzwischen alles kennen gelernt habe, hätte ich in München so nie geschafft", glaubt Pappert, setzt sein sympathisches XXL-Grinsen auf und zeigt SPORT1 sein kleines Reich, hier arbeitet er Tür an Tür mit dem Team um Mesut Özil.

Er erinnert sich an einen besonderen Abend. "Die Aftershowparty nach dem Gewinn des Carabao-Cups war bei mir im Nationalmannschafts-Restaurant der Three Lions. Dann bekam ich vorher von den Jungs schon Whatsapp-Nachrichten, ob ich dies und jenes besorgen könne."

"Pep mag kein Stadion-Bier"

Und weiter: "Pep mag zum Beispiel nicht unser Stadionbier, er steht mehr auf Estrella. Und seine Frau Christina ist ein großer Steak-Fan, kommt immer als erstes in die Küche und fragt, wo ich bin."

Im Lockdown sind die Zeiten natürlich härter. "Da stehen manche Spieler vor dem Problem, was sie essen sollen. Mich rufen ab und an die deutschsprachigen Premier-League-Spieler an und fragen, ob ich ihnen original schwäbische Maultaschen besorgen könne. Dann habe ich ruck zuck den Stadionsprecher des VfB angerufen, der das schließlich organisiert hat."

Papperts heutige Wohnzimmer sind Wembley und das Emirates Stadion des FC Arsenal. Kontakte nach München hat er weiterhin, wenn auch etwas abgeschwächt.

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Charity-Event mit Özil

Auch zu Özil hat er einen guten Draht, es besteht eine freundschaftliche Beziehung. Zuletzt organisierten die beiden ein Charity-Event für Kinder. Özil ist der Meinung, dass gesunde vollwertige Mahlzeiten für die Kleinen eine Selbstverständlichkeit sein sollten. Also organisierte er die Verteilung von 1400 Essen an Schulen mit ansässigen Fußballvereinen im Norden von London. Er schloss sich mit Pappert zusammen, um in Armut lebenden Familien Obdachlosenheime und Wohltätigkeitsorganisationen, die Flüchtlinge unterstützen, in der Woche der Herbstferien - die Englische Regierung wollte sich die Schulessen nicht leisten - mit gesunden Mahlzeiten zu versorgen.

"Wir wollen etwas zusammen erreichen und sind dadurch sicher befreundet, wir supporten uns gegenseitig", berichtet Pappert. "Als wir zuletzt diese Charity-Aktion gemacht haben, war das ein Anruf von ihm und innerhalb zwei Stunden hatte er ein ganzes Team bereit, so dass wir 6000 Essen in drei Tagen machen konnten. Mesut möchte den Leuten eine vollwertige gesunde Mahlzeit bieten, damit sie satt werden."

Pappert spricht gerne über Özil und erklärt, dass dieser nicht der verschlossene Profi sei, für den ihn viele halten. “Bei den ganzen sozialen Projekten mit all den Ideen ist er der Initiator, ich gebe ihm dabei gerne Ratschläge."

Auch bei den Koch-Charities vor Ort sei Özil ganz normal gewesen. "Er ist weder arrogant, noch hochnäsig", findet Pappert, "und er hört den Leuten zu. Das Team um ihn funktioniert wunderbar."

"Pep verfällt oft in sein Bayrisch-Deutsch zurück"

Guardiola sei immer lustig. "Pep verfällt oft in sein Bayrisch-Deutsch zurück", verrät Pappert. "Das letzte Mal schrieb er mir, ob ich Brez'n besorgen könne. Er hat ja immer Würstchen beim Uli Hoeneß (Ex-Bayern-Präsident, d. Red.) bestellt. Pep versucht seine lieb gewonnene bayerische Kultur in England weiterzuführen."

Die Queen isst am liebsten "eine Laugensemmel mit Krautsalat und drei Nürnberger Rostbratwürstchen", verrät der Koch.

Pappert ist glücklich, wie alles gekommen ist. "Hier ist etwas entstanden. Und die kulinarische Sehnsucht nach Bayern ist im Lockdown bei Pep, Mesut und den Arsenal-Spielern noch stärker worden. Wenn Pep in Wembley ist, dann habe ich alles für ihn da, was sein Herz begehrt inklusive der Nürnberger vom Uli. Ich liebe es, wenn Pep bei mir im Stadion ist, das ist ein ganz herzlicher Mensch."

Özils Mannschaftskollege bei den Gunners, Pierre-Emerick Aubameyang, isst auch im Emirates Stadion, "von der Basis her sind beide grundgute Typen", weiß Pappert. "Auba hat sehr oft den behinderten Bruder von Lewis Hamilton mit in der Box, er steht auf Aubas Bling-Bling-Lamborghini." Vielleicht verwöhnt Pappert ja als nächsten Timo Werner vom FC Chelsea mit schwäbischen Maultaschen. Egal, wer vorbeikommt. Eines steht für Pappert jedenfalls fest: "Die besten Partys finden in der Küche statt."

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