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München - Shield-Gründungsmitglied Dean Ambrose hat WWE nach WrestleMania 35 verlassen und kämpft nun für den neuen Rivalen AEW. Das sind die Hintergründe.

Seine Fans hatten noch bis zum Schluss gehofft, doch er hat es durchgezogen.

Der Topstar und frühere WWE-Champion Dean Ambrose hat seinen Vertrag mit der Liga auslaufen lassen und ist nun sein eigener Herr. Am 1. Mai verkündete er in einem spektakulären Social-Media-Video verkündet, dass er nun wieder Jon Moxley heißt. Wenige Wochen später feierte er sein Überraschungs-Debüt für die neue Liga AEW, bei der er einen mehrjährigen Vertrag unterschrieben hat.

Im Januar, nach dem Royal Rumble 2019, war der Abgang durchgesickert: Einen entsprechenden Bericht des Pro Wrestling Torch hatte WWE damals auf ihrer Homepage bestätigt, ihm Glück gewünscht und gehofft, dass er "eines Tages zurückkehrt".

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Der Grund für Ambroses Abgang: Er war unzufrieden über die Ausrichtung seines Charakters, auch die Aussicht auf eine Gehaltserhöhung hat ihn nicht umstimmen können. Moxley bestätigte entsprechende Berichte in einer großen und bemerkenswerten Abrechnung mit der Kreativabteilung seines früheren Arbeitgebers.

Verlust trifft WWE hart

Moxleys Abgang war für WWE der wohl bislang schmerzhafteste Schlag im noch jungen Konkurrenzkampf mit dem neuen Mitbewerber.

Anders als der 48 Jahre alte Chris Jericho ist Ambrose mit 33 im besten Wrestler-Alter, anders als Kenny Omega wäre er nicht nur ein Gewinn für AEW, sondern ist auch ein unmittelbarer Verlust für WWE.

Und die für die Liga von Vince McMahon vielleicht bitterste Pille: Ambrose war Gründungsmitglied der erfolgreichen Gruppierung The Shield mit Roman Reigns und Seth Rollins. Ohne Ambrose gibt es keine Möglichkeit zur Reunion des Original-Shield mehr, eine sprudelnde Merchandise-Quelle versiegt. Vor Ambroses Abschied gab es noch mehrere kurzzeitige Reunions, sein letztes WWE-Match bestritt Ambrose zusammen mit Reigns und Rollins bei "The Shield's Last Chapter" am 21. April 2019.

Kongenialer Partner von Roman Reigns und Seth Rollins

Der in Cincinnati geborene Ambrose (bürgerlich: Jonathan David Good) unterschrieb 2011 bei WWE, vorher war er in der Independent-Szene als Moxley bekannt.

Im WWE-Hauptkader kam er 2012 mit The Shield groß raus, 2016 gewann er das Money-in-the-Bank-Leitermatch und wurde danach auch zum ersten und einzigen Mal WWE-Champion. Im Jahr 2018 warfen ihn eine Armverletzung und eine lebensgefährliche Infektion zurück, im Sommer kam er zurück und bekam einen neuen Charakter als Bösewicht: Er wandte sich am Tag, an dem sein Shield-Partner Roman Reigns seine Leukämie-Erkrankung bekannt gab, gegen Rollins und attackierte ihn.

Dass Ambrose (verheiratet mit WWE-Kommentatorin Renee Young) latent unzufrieden bei WWE war, war in der Szene kein Geheimnis, nach seinem Aus legte er es auch für die Fans offen: Nach seinen Angaben war bereits im Juli 2018 der Gedanke gereift, WWE zu verlassen. Danach seien noch zwei Schlüsselerlebnisse passiert, die diese Haltung gefestigt hätten.

Zum einen nannte Moxley eine Ausgabe der TV-Show Monday Night RAW im November 2018 in Los Angeles. Es war die, bei der ihm in den Mund gelegt wurde, dass der an Leukämie erkrankte Reigns sich "beim Mann da oben verantworten" müsse - sowie auch ähnlich fragwürdige Anspielungen auf die tödlichen Waldbrände in Nordkalifornien.

Moxley bezeichnete es als Fehler, sich von Vince McMahon zu den Kommentaren über Reigns überredet haben zu lassen: "In dem Moment, in dem die Worte meinen Mund verlassen hatten, konnte ich nicht glauben, dass ich sie gesagt hatte."

Seltsames RAW-Segment als Schlüsselmoment

Endgültig hätte er dann in der Woche darauf innerlich gekündigt, als für ihn das Segment geschrieben wurde, in dem er sich von einem Arzt mehrere Impfungen geben ließ - mit der Begründung, dass er sich keine Krankheiten von den Fans holen wollte.

Bei der Planung dieses Segments hätte sich zum x-ten Mal ein fundamentaler Meinungsunterschied zwischen ihm und McMahon gezeigt: Moxley empfand es als "albernen Scheiß", McMahon dagegen hätte es ihm als gutes, "toll geschriebenes" Material gepriesen, das ihm in seiner Schurkenrolle jede Menge "Heat" (produktiven Fan-Unmut) bescheren würde.

Moxley enthüllte außerdem, dass in diesem Segment ein weiterer, noch schlimmerer Kommentar über Reigns' Erkrankung angedacht gewesen sei. Er hätte sich - mit McMahons Segen - geweigert, ihn auszusprechen.

AEW - eine glückliche Fügung

Moxley versicherte, dass er unter allen Umständen gegangen wäre, aber die neue Karriere-Option AEW war aus Ambroses Sicht eine glückliche Fügung: Sein früherer WWE-Kollege Rhodes hat nach seinem Abgang 2016 ähnliche Kritik formuliert.

In seiner neuen Rolle als ausführender Vizepräsident von AEW hat Rhodes schon angekündigt, dass er den Einfluss externer Drehbuchautoren in seiner Liga auf ein Minimum reduzieren und es den Wrestlern selbst überlassen will, ihre Auftritte zu gestalten.

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