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München - "Ich will die Attitude-Ära töten": Mit einem hochspannenden Video-Segment skizziert AEW-Gründer Cody Rhodes was seine Liga besser machen will als WWE.

Die Debütshow des neuen WWE-Rivalen am 25. Mai rückt näher und schon jetzt werden jede Menge Fan-Hoffnungen auf den Start von All-Elite Wrestling (AEW) projiziert.

Die eine oder andere dieser Hoffnungen könnte enttäuscht werden - denn AEW will gar nicht alle von ihnen erfüllen.

Unter ihnen: der oft geäußerte Wunsch, dass AEW dazu beitragen soll, dass das Wrestling wieder so werden soll wie in der mythischen "Attitude Era" von WWE.

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Cody Rhodes, Mitgründer von AEW, will die erfolgreiche Boomperiode Ende der neunziger, Anfang der nuller Jahre offensichtlich keinesfalls wiederbeleben. Im Gegenteil: "Ich will die Attitude-Ära töten", sagt er in einem hochspannenden und bissigen Promo-Video, das AEW am Sonntag veröffentlicht hat.

Cody Rhodes mit giftiger Kampfansage

Vordergründig geht es darum um die Bewerbung von Codys Match gegen seinen frisch von WWE losgeeisten älteren Bruder Dustin bei "Double or Nothing" in einem Monat in Las Vegas.

Tatsächlich steckt darin viel mehr: Cody, der WWE 2016 verlassen hatte, hält darin eine hintersinnig-giftige Ansprache, die als programmatisches Manifest seines Herzensprojekts zu lesen ist. Als Verdeutlichung, wofür die Liga stehen will und wovon sie sich abgrenzt.

Und so einiges, was der "American Nightmare" auf diesem Weg transportiert, lässt aufhorchen - unter anderem auch eine Erwähnung des eben erst durch ein skurriles "Comeback" in die Schlagzeilen gekommenen CM Punk.

AEW-Gründer will Attitude-Ära begraben

Der 33 Jahre Cody streicht heraus, dass sein Kampf gegen den 17 Jahre älteren Bruder ein Duell der Generationen ist - und umreißt das symbolische Ziel, mit einem Sieg über den ehemaligen Goldust auch die Attitude-Ära hinter sich lassen zu wollen, von der dieser ein Teil war.

Diese Zeit wird von vielen Fans bis heute in Ehren gehalten, sie stand für einen Bruch mit als überholt geltenden Traditionen, für kontroverse, öfters nicht jugendfreie Unterhaltung, vor allem auch für enorm erfolgreiche Stars wie Stone Cold Steve Austin und The Rock.

Cody allerdings stellt heraus, dass damals auch nicht alles Gold war, was glänzte - und dass er nicht für nostalgische Verklärung der alten Zeiten stehen will, sondern für Weiterentwicklung.

CM Punk größer als The Rock?

"Ihr habt uns den Weg geebnet, aber ihr habt das Tempolimit auf 35 Meilen gesetzt, denn ihr hattet Angst, dass einer von uns den Fuß aufs Gaspedal setzt", spricht Cody die Stars von damals an.

Unter anderem stellte Rhodes die rhetorische Frage, ob die Kämpfe von "irgendeinem Piss-Bodybuilder (pissant bodybuilder), der jedes Match zu einem No DQ Match gemacht hat" den vielgelobten Fights zwischen AEW-Topstar Kenny Omega und Kazuchika Okada in Japan das Wasser reichen könne - eine offensichtliche Anspielung auf den früheren Attitude-Star und heutigen WWE-Vorstand Triple H, der AEW bei der Hall-of-Fame-Zeremonie von WWE als "pissant company" bezeichnet hatte.

Eine hämische Erwähnung gab es auch für die "Bra-&-Panties-Spektakel", mit denen WWE ihre weiblichen Wrestler einst als Fleischbeschau inszenierte (wovon sie inzwischen aber auch selbst abgekommen ist).

Und auch Dwayne Johnson alias The Rock bekommt sein Fett weg: "Selbst Dwayne, so elektrisierend er war mit seinen Reimen und seiner erhobenen Augenbraue: War es wirklich besser als das, was Punk gesagt hat, als er auf der Bühne saß?" Die Implikation: Die legendäre Pipe-Bomb-Promo von CM Punk sei aus heutiger Sicht größer als die unterhaltsamen Segmente mit The Rock.

Rhodes beschließt seine Ausführungen mit einem Vergleich seines Bruders und dessen, wofür er stehe, mit einem sterbenden Tier – dem er aus Mitleid den Gnadenschuss geben werde.

Wissenswertes zum Thema Wrestling

Versprechen an enttäuschte WWE-Fans

Die Ansagen von Rhodes sind mit einer gewissen Vorsicht zu genießen, er spricht in seiner Show-Rolle, nicht alles ist wortwörtlich zu nehmen.

Die Richtung, in die seine Meta-Botschaft weist, ist jedoch eindeutig: Sie spiegelt viele Diskussionen über die Entwicklung des Wrestlings in den vergangenen zwei Jahrzehnten wider - und viel Kritik, dass WWE die Zeichen der Zeit nicht richtig erkannt hätte.

Das subtil gegebene Versprechen von Rhodes an die enttäuschten WWE-Fans lautet: AEW hat es.

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