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München - Bei WWE RAW wird Mustafa Ali als Mastermind der Schlägercrew Retribution offenbart - was mit Blick auf seine persönliche Geschichte eine besondere Note hat.

Ein desillusionierter Polizist wirft seinen Job hin und wird Anführer einer bösen Prügel-Gang: Was klingt wie das Drehbuch eines mittelmäßigen Actionfilms ist im Fall von Mustafa Ali zumindest zur Hälfte eine wahre Geschichte.

Der aufstrebende WWE-Wrestler, den die Liga bei der TV-Show Monday Night RAW soeben als Anführer der zuletzt groß inszenierten Gruppierung Retribution enthüllt hat, hat einen persönlichen Hintergrund, der ihn von der Masse abhebt. Und der seiner neuen Rolle als böser Strippenzieher eine durchaus pikante Note gibt.

Mustafa Ali warf Job als Polizist hin

Die Geschichte von Mustafa Ali, geboren als Adeel Alam am 28. März 1986 in Bolingbrook, einem Vorort von Chicago, ist nicht nur die Geschichte eines Mannes, der sich seinen Traum erfüllt hat, als Showkämpfer auf den Spuren seines Idols Bret "The Hitman" Hart zu wandeln.

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Alam, Sohn eines pakistanischen Vaters und einer indischen Mutter, hatte noch ein anderes Lebensziel: Bevor das Wrestling zu seinem Hauptberuf geworden war, arbeitete er als Polizist - nach eigenen Angaben getrieben von der idealistischen Vorstellung, einen kleinen Beitrag zur Verbesserung der angespannten gesellschaftlichen Situation in seiner Heimat zu leisten.

Es endete mit einer bösen Enttäuschung.

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Vom Cop zum Systemkritiker

"Ich bin in den Polizeidienst eingetreten, weil ich wirklich geglaubt habe, dass der Beruf im Kern ein edler ist", erzählte Ali im Sommer Sports Illustrated: "To protect and to serve, dein Leben der Nothilfe für Unschuldige zu widmen. Was kann nobler sein?"

Dass die Alltagsrealität der Polizei komplexer ist, war Ali klar, aber gerade auch deshalb wollte er den Job machen: "Mir waren die Probleme, die die Polizei mit der Gesellschaft hat, wohlbekannt, mir war klar, dass Veränderung nötig ist. Ich dachte, dass ich Veränderung bewirken kann, von innen."

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Nach einigen Jahren jedoch gab Ali diesen Gedanken und seinen Beruf auf, völlig desillusioniert: "Das System ist nicht dazu da, Menschen zu helfen. Es ist dazu da, Menschen zu jagen. Die ersten Polizeistationen, die es in diesem Land gab, waren dazu da, entflohene Sklaven wieder einzufangen. Und das System ist immer noch so angelegt."

Rassismus und Polizeigewalt: Für Ali liegt der Fehler im System

Rassistische Strukturen, Polizeigewalt, der Tod von George Floyd und anderer afroamerikanischer Frauen und Männer, die die Black-Lives-Matter-Bewegung ausgelöst haben: Nichts davon überraschte Ali im Licht seiner eigenen Erfahrungen.

Der Systemfehler sein ein grundlegender: "Das Justizsystem profitiert vom Verhaften schwarzer Menschen. Schauen Sie sich die Industrie der privaten Gefängnisse an. Sie verdient jedes Jahr Millionen damit, dass schwarze Menschen verhaftet und eingesperrt werden." Die US-amerikanische Polizei sei Teil dieses Systems, das der Grund dafür sei, "dass jeden Tag schwarze Männer und Frauen sterben".

Nur eine grundlegende Polizei- und Justizreform, die das wirtschaftliche System der Gefängnisindustrie trockenlege, könne die Ungerechtigkeit beenden.

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WWE mit Feindbild Donald Trump verbunden

Es ist eine ironische Konstellation, dass WWE einen solchen Streiter für Polizeireform und Gerechtigkeit nun zum Anführer eines Schurkenbündnisses macht - gerade wenn man die Unternehmensstruktur der Liga bedenkt: Ihr ewiger Boss Vince McMahon ist durch eine langjährige Geschäftsfreundschaft und politische Sympathie mit US-Präsident Donald Trump verbunden, der durch sein politisches Agieren zum großen Feindbild der Black-Lives-Matter-Bewegung geworden ist.

Bemerkenswert ist außerdem: WWE hat die Story um Retribution auch schon unterschwellig mit dem Protest gegen Polizeigewalt in Verbindung gebracht. "Sie scheinen die aktuellen Ereignisse als Vorwand für ihre Zerstörungswut zu nehmen", sagte WWE-Kommentator Michael Cole bei einer SmackDown-Ausgabe über die maskierte Schläger-Gruppierung.

Dass ausgerechnet Ali sich nun darauf eingelassen hat, sich als Mastermind von Retribution darstellen zu lassen, ist da spannend - zumal er auch seine WWE-Karriere zuletzt als Teil seiner persönlichen gesellschaftlichen Mission dargestellt hat.

Ali will fragwürdige Klischees im Wrestling durchbrechen

"WWE ist in erster Linie Unterhaltung, aber ich glaube wir haben eine so große Plattform, dass wir auch eine Art pädagogische Verantwortung haben", sagte der zweifache Familienvater: "Der Schlüssel ist, Menschen zum Nachdenken zu bewegen, aus ihren gedanklichen Routinen zu bringen, dafür sollten wir alles tun."

Vor allem das Durchbrechen von Stereotypen, die im Wrestling und gerade auch bei WWE früher Standard waren, seien ihm ein Anliegen: "Du bist schwarz, also bist du ein Gangster. Du kommst aus dem Mittleren Osten, also bist du ein Terrorist. In diese Schubladen wollen sie uns zwängen, aber ich weigere mich, in dieser Schublade zu leben."

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Schon allein die Wahl seines Namens sei "eine Form von Protest", er wolle demonstrieren, dass jemand, der Mustafa Ali heiße und Muslim sei, keinen Klischees entsprechen müsse und auch ein Publikumsliebling sein könne. Bei WWE war das lange nicht selbstverständlich, man denke etwa zurück an das Fiasko um die Figur Muhammad Hassan.

Chance auf Karrieresprung bei RAW

Ausnahme-Athlet Ali - zu dessen Vorbildern auch Rey Mysterio, Eddie Guerrero, Chris Jericho, die Hardy Boyz und das tragisch verunglückte Japan-Idol Hayabusa zählen - hat sich nicht einen anti-amerikanischen Klischee-Charakter pressen lassen.

Er verdiente sich vor allem mit seinen oft außerordentlichen Ringleistungen erst einen WWE-Vertrag und dann seinen Aufstieg aus der in der internen Hierarchie niedrig angesetzten Cruiserweight-Show 205 Live in die Hauptsendungen.

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Als Retribution-Anführer bekommt Ali - um den es zuletzt auch nach einem Wechsel von SmackDown zu RAW im Sommer eher still war - nun eine große Karriere-Chance. Man darf aber davon ausgehen, dass er sich auch in seiner neuen Rolle nicht zu einem platten Charakter verformen lassen will: "Menschen aus ihrer Bequemlichkeit zu reißen ist meine Art von Protest, mein Weg, Bigotterie zu bekämpfen. Und das werde ich weiter tun, mit Stolz."

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