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Darts-WM: Gian van Veen gewinnt irres Halbfinal-Spektakel

Van Veen gewinnt irres Halbfinale

Gian van Veen und Gary Anderson liefern sich ein spektakuläres WM-Halbfinale, an Highlights kaum zu überbieten. Die Kommentatoren sind vollends begeistert.
Der fünfte Satz zwischen Gary Anderson und Gian van Veen ist nahe an der Perfektion. Beide checken den Big Fish und spielen weit über 100 Punkte im Schnitt.
Gian van Veen und Gary Anderson liefern sich ein spektakuläres WM-Halbfinale, an Highlights kaum zu überbieten. Die Kommentatoren sind vollends begeistert.

Was für ein unglaubliches Match! Gian van Veen ist Luke Littler bei der Darts-WM 2026 ins Finale gefolgt. Gegen den zweimaligen Weltmeister Gary Anderson gewann der Überflieger aus den Niederlanden mit 6:3 in Sätzen. (Das Finale der Darts-WM am Samstag LIVE auf SPORT1, Countdown ab 19 Uhr)

In der ersten Runde feierte van Veen gegen Cristo Reyes noch seinen ersten WM-Erfolg jemals, nun fehlt dem Junioren-Weltmeister nur noch ein Sieg bis zum Titel. Durch den Viertelfinal-Coup gegen Luke Humphries stand bereits fest, dass van Veen am Montag zur neuen niederländischen Nummer eins aufsteigt. Im Live-Ranking der PDC Order of Merit rückt er sogar bis auf Rang drei vor und zieht damit an Landsmann Michael van Gerwen vorbei.

Spektakulärer Fight zwischen van Veen und Anderson

Anderson erwischte den besseren Start und holte sich den ersten Satz (3:1). Van Veen schlug zurück und sicherte sich mit einem 117er Highfinish (Triple-20, Single-17, Doppel-20) den zweiten Satz (3:1).

„Es ist ein Spiel auf allerhöchstem Niveau“, fiel die Zwischenbilanz von SPORT1-Experte Robert Marijanovic aus. Über die ersten beiden Sätze betrachtet spielten beide Akteure mehr als 100 Punkten im Average.

Die Sätze drei und vier gewann der nervenstarke van Veen im Decider (beide 3:2). „Gary braucht jetzt etwas ganz Besonderes, um hier Anschluss zu halten“, merkte SPORT1-Kommentator Basti Schwele an. „Er muss gegen den Anwurf diesen Satz holen“, fügte Marijanovic hinzu.

Big-Fish-Festival bei der Darts-WM

Anderson spielte im dritten Satz zunächst groß auf, ging mit 2:0 in Führung und checkte im zweiten Leg den Big Fish - das mit 170 Punkten größtmögliche Finish im Darts. Van Veen revanchierte sich umgehend und nahm im vierten Leg ebenfalls den Big Fish raus, was Anderson mit einem Lächeln hinnahm. Es waren bereits der 15. und 16. Big Fish bei dieser WM - was den neuen Rekord weiter ausbaut. Van Veen gewann den Satz schließlich im Decider (3:2).

Kurios: Anderson spielte im fünften Satz 117,44 Punkte im Average und verfehlte nicht einen Dart auf die Doppel (2/2), verlor den Durchgang aber dennoch. „Schaut mal auf die Zahlen. Das ist eines der besten WM-Halbfinals aller Zeiten. Das ist kein Darts mehr, das ist Kunst“, war Marijanovic begeistert. „Ein Satz für die Götter“, sagte Sky-Kommentator Wayne Mardle: „Das ist unglaublich. Anderson hat 117 Punkte gespielt und es war nicht gut genug.“

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Der sechste Satz ging an Anderson (3:1). Der Schotte checkte 81 Punkte über Single-19, Single-12 und Bullseye zum Satzgewinn, was von den bestens aufgelegten Fans im Ally Pally lautstark mit „Oh Gary, Gary! Gary, Gary, Gary Anderson“-Sprechchören begleitet wurde.

„Ein denkwürdiger Abend“ im Ally Pally

Van Veen verpasste im siebten Durchgang einige Satzdarts, was Anderson bestrafte und den Set im Decider gewann (3:2). In der Satzpause wurde im Ally Pally von den Fans dann der Klassiker „Angels“ von Robbie Williams angestimmt. „Ich bin echt beeindruckt, von dem, was sich da abspielt. Auch die Fans da draußen. Ein denkwürdiger Abend. Dieses Spiel wird bei mir im Kopf bleiben“, sagte Schwele.

Der achte Satz war nicht weniger umkämpft. Van Veen führte schon mit 2:0 in Legs, vergab wieder Satzdarts und beschwerte sich über Pfiffe aus dem Publikum.

„Alle haben es bemerkt, die Zuschauer haben ihn angefeuert und mich ausgebuht. Bei jedem Finish, bei jedem Dart auf das Doppel haben sie gepfiffen und gebuht“, erklärte van Veen im Interview bei SPORT1: „Als Gary-Anderson-Fan kann ich das verstehen. Aber in diesem Moment war ich etwas frustriert.“

Pfiffe gegen van Veen

Van Veen machte deutlich: „Wenn es 4:4 (in Sätzen, Anm. d. Red.) gestanden hätte, hätte mich das nicht mehr losgelassen." Aber der 23-Jährige behielt im Decider die Nerven und checkte auf der Doppel-20 zur 5:3-Satzführung.

„Eine WM der Superlative. Dieses Halbfinale ist der sportliche Grund für die Superlative“, war Schwele von dem Schlagabtausch begeistert. Der neunte Satz war nicht weniger spannend und ging ebenfalls in den Decider - mit dem besseren Ende für van Veen. Der Niederländer verwandelte seinen ersten Matchdart auf der Doppel-16.

„Ich glaube, Gian van Veen kann noch nicht realisieren, was hier gerade passiert ist“, sagte Marijanovic. Wenig später brüllte „The Giant“ auf der Bühne die Freude aus sich heraus.

Letztlich spielte van Veen 102,99 Punkte im Drei-Dart-Average und traf 55 Prozent seiner Würfe auf die Doppel. Bei Anderson waren es 102,91 Punkte im Average und eine Doppelquote von 45,5 Prozent. „Ein phänomenales Spiel“, resümierte SPORT1-Experte Max Hopp.

Darts-WM: Bahn frei für die nächste Generation

Und so kämpft van Veen am Samstag gegen Littler im jüngsten WM-Finale der Geschichte um seinen ersten WM-Titel. Drei der letzten vier Duelle zwischen den beiden Youngstern konnte van Veen für sich entscheiden. Das letzte Duell beim World Grand Prix verlor er allerdings (0:2).

„Als ich angefangen habe, habe ich nicht mal von einer WM geträumt. Schon gar nicht vom Erreichen eines Finals”, sagte van Veen auf der Pressekonferenz. „Ich bin sehr selbstbewusst. Ich fühle mich auf der Bühne echt gut, gerade in diesem Format. Aber ich weiß, zu was Luke Littler im Stande ist. Ich muss mein A-Game bringen, sonst wird‘s ein schwieriges Spiel. Er wird mich von Satz 1 an unter Druck setzen.“

Anderson hingegen musste sich in seinem achten WM-Halbfinale der nächsten Generation geschlagen geben. Der „Flying Scotsman“ stand zwischen 2015 und 2017 dreimal in Folge im WM-Finale. Ein gemeinsamer Rekord mit Legende Phil Taylor, den Littler nun einstellte.