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Eishockey-WM: Draisaitl? "Da ist auch Gefahr"

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Eishockey-WM: Draisaitl? "Da ist auch Gefahr"

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Draisaitl? „Da ist auch Gefahr“

Geht es nach Silber-Medaillengewinner Dennis Endras, ist ein fehlender Leon Draisaitl kein Problem für die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft. Im SPORT1-Interview hebt der Stärken und Schwächen des Teams von Bundestrainer Harold Kreis hervor.
Vizeweltmeister Deutschland geht bei der Eishockey-Weltmeisterschaft in Tschechien wieder auf Gold-Mission.
Benjamin Bauer
Benjamin Bauer
Geht es nach Silber-Medaillengewinner Dennis Endras, ist ein fehlender Leon Draisaitl kein Problem für die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft. Im SPORT1-Interview hebt der Stärken und Schwächen des Teams von Bundestrainer Harold Kreis hervor.

Mit der deutschen Eishockey-Nationalmannschaft hat Dennis Endras viele Schlachten geschlagen: 2018 gewann der frühere DEB-Keeper die Silber-Medaille bei den Olympischen Spielen in Pyeongchang. Fünf Jahre später wurde er mit dem Team von Bundestrainer Harold Kreis WM-Zweiter hinter Kanada.

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Der 38-Jährige, der den Großteil seiner Karriere bei den Adler Mannheim in der DEL verbrachte, zuletzt aber bei den Augsburger Panthern spielte, beendete nach der zurückliegenden Saison offiziell seine Karriere und wird künftig als Torwarttrainer bei den Panthern arbeiten.

Nun blickt Endras im exklusiven SPORT1-Interview auf die anstehende Eishockey-WM in Tschechien. Obwohl er die Deutschen nicht als Favoriten sieht, ist er sich dennoch sicher: Auch ohne Top-Star Leon Draisaitl wird es ein gutes Turnier.

DEB-Team? „Ein schmaler Grat“

SPORT1: Das Karriereende ist noch recht frisch. Wie geht es Ihnen ohne Profi-Alltag?

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Dennis Endras: Ganz gut, aber es ja auch noch nicht so lang her. Ich genieße es, dass ich den Druck der Vorbereitung nicht mehr habe wie als aktiver Spieler.

SPORT1: Vermissen Sie schon etwas?

Endras: Noch nicht. Aber wenn die Jungs dann eintrudeln und wenn es dann losgeht und ich in die Trainerkabine gehe und nicht in die Umkleidekabine, dann schauen wir mal, wie es in mir aussieht.

SPORT1: Wie verfolgen Sie die WM?

Endras: Ich versuche so viele Spiele wie möglich zu sehen, auch von anderen Nationen. Aber natürlich hoffe ich als Erstes auf einen guten Start unserer Jungs.

SPORT1: Was erwarten Sie vom DEB-Team?

Endras: Es ist immer ein schmaler Grat, egal ob du dann ins Finale kommst oder nicht. Du musst deine Hausaufgaben machen und die Vorrunde überstehen. Und dann ist in einem Spiel immer alles möglich. Die Vorrunde ist immer knackig und jedes Tor entscheidet. Aber die Jungs sind sehr gut aufgestellt und ich traue ihnen viel zu.

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Kreis? „Ein Mensch, mit dem man gerne zusammenarbeitet“

SPORT1: Wo liegen die Stärken und Schwächen im deutschen Team?

Endras: Schwächen will ich gar nicht nennen. Ich glaube, es ist eine sehr kompakte Mannschaft, aber der Sturm könnte unsere Paradedisziplin werden. Im Tor sind wir auch gut und hinten haben wir einige erfahrene Spieler. Der Mix stimmt und Harold Kreis hat ein gutes Händchen bewiesen.

SPORT1: Was zeichnet Kreis aus?

Endras: Er ist für die Jungs da und ein umgänglicher Typ. Das ist genau das Richtige für die Nationalmannschaft, bei der man sich ja immer für ein paar Wochen trifft. Er versteht es, die Jungs bei der Stange zu halten, die Sache mit Spaß und Freude anzugehen – aber auch ganz klare Ziele zu setzen. Er ist ein Mensch, mit dem man gern zusammenarbeitet.

Der ehemalige Eishockeyspieler Dennis Endras ist nun Trainer
Der ehemalige Eishockeyspieler Dennis Endras ist nun Trainer

SPORT1: Wer sind für Sie die Favoriten auf den Titel?

Endras: Es sind die üblichen Verdächtigen. Mit Finnland ist immer zu rechnen, dazu die USA und Schweden.

SPORT1: Ist ein deutscher WM-Titel utopisch oder doch realistisch?

Endras: Ich will gar so viel auf dem vergangenen Jahr herumreiten. Das war eine unglaubliche Reise. Vom Titel zu sprechen immer ist gefährlich. Und die Jungs haben den Titel gar nicht so im Kopf, auch wenn sie natürlich Weltmeister werden wollen. Erst kommt Spiel eins, dann Spiel zwei und dann so weiter … Dann ist in einem Turnier alles möglich. Wenn man zu weit nach vorn blickt, kann das schnell nach hinten losgehen.

SPORT1: Also muss man sich in einen Rausch spielen?

Endras: Ja, das muss man einfach. Dafür spricht auch der Kader. Das sind alles Jungs, die da Bock draufhaben, die es verstehen, eine Mannschaft zusammenzuhalten und mitzuziehen. Das ist das alles Entscheidende.

NHL-Stars: „Der Gegner ist gewarnt“

SPORT1: Haben Sie Kontakt zu den Spielern? Schicken Sie mal eine Whatsapp rüber?

Endras: Da prasselt genug auf die Jungs ein, die sollen erst mal in Ruhe spielen. Aber wenn irgendwas Besonderes passiert, werde ich schon mal die ein oder andere Whatsapp schicken.

SPORT1: Wie wichtig sind die NHL-Spieler für das DEB-Team?

Endras: Es ist schön, wenn die Jungs kommen, das zeigt auch eine gewisse Bereitschaft, für Deutschland zu spielen. Es ist auch gut für die jüngeren Spieler. Da können Sie sehen, wie man arbeitet, um das zu schaffen, was man sich vielleicht vornimmt. Und auch der Gegner ist gewarnt, wenn er sieht, dass die NHL-Jungs auflaufen. Außerdem gibt es auch Selbstvertrauen, wenn die NHL-Jungs mitspielen.

SPORT1: Ist es ein Nachteil, wenn die Spieler, wie jetzt Lukas Reichel, nachreisen und schnell integriert werden müssen?

Endras: Nein, die Jungs sind alle lange dabei und umgängliche Typen. Es herrscht eher Freude, dass er kommt. Er ist ein super Eishockeyspieler und wird helfen. In den zwei Wochen WM ist man um jede Hilfe froh. Bei der deutschen Nationalmannschaft fühlt man sich sofort wohl, das ist der kleine Schlüssel zum Erfolg. Bei kleineren Nationen muss es über den Zusammenhalt gehen.

Leon Draisaitl fehlt dem DEB-Team vorerst
Leon Draisaitl

SPORT1: Wie gut täte ein Leon Draisaitl dem DEB-Team?

Endras: Sehr gut, darüber brauchen wir nicht zu reden. Leon ist einer der besten Spieler der Welt. Wenn wir den haben könnten, wäre das natürlich super. Genau wie Moritz Seider und Tim Stützle. Die können in jedem Spiel den Unterschied ausmachen.

SPORT1: Eine Teilnahme von Draisaitl würde auch den Fokus auf ihn lenken. Wäre das gut oder eher schlecht?

Endras: Wenn ein Draisaitl auf dem Eis steht, verlassen sich die eigenen Spieler vielleicht auch zu sehr auf Leon. Das ist auch die Gefahr. Wenn einer wie Draisaitl nicht dabei ist, müssen die anderen noch enger zusammenrücken. Das kann auch positiv sein.

Draisaitl? „Auch ohne ihn gibt es Wege“

SPORT1: Die Abwesenheit von Draisaitl ist also nicht unbedingt negativ zu werten?

Endras: Klar wäre es super, wenn er dabei wäre. Aber auch ohne ihn gibt es Wege, dass die deutsche Mannschaft ihre Spiele mit dem Zusammenhalt gewinnen kann. Gerade im Sturm haben wir einige Spieler, die die Rolle einnehmen und erfolgreich umsetzen können.

SPORT1: Wenn sehen Sie im Tor vorn? Philipp Grubauer oder Mathias Niederberger?

Endras: Es sind so viele Spiele in kurzer Zeit, dass ich glaube, beide werden spielen. Ob der Dritte noch eine Chance bekommt, kommt auf den Turnierverlauf an. Grubauer und Niederberger werden sich zwar nicht abwechseln, aber beide werden spielen. Am Ende muss Kreis entscheiden, wer die Nase vorn hat.