Seit Donnerstagabend ist es offiziell: In der Partie gegen Saint-Gilloise in eineinhalb Wochen muss der FC Bayern auf die Unterstützung aus der Südkurve verzichten.
FC Bayern: Drahtseilakt für Dreesen
Drahtseilakt für Dreesen
Die UEFA verhängte diese Strafe aufgrund der Pyro-Aktion im Spiel gegen Sporting Lissabon.
Da der Verein aber eine Sperrung der Blöcke 111 bis 114 in der Allianz Arena nicht gewährleisten kann, entschieden sich die Münchner, gleich die gesamte Kurve zu schließen – also auch die Sektoren 109 bis 110 sowie 115 bis 117. Die Folge: Fast 10.000 Fans kommen nicht ins Stadion.
Drahtseiltakt der Bosse
Für die Bayern-Bosse ist es ein Drahtseilakt im Kampf um den Verein: Man ist gezwungen, auch jene Fans zu bestrafen, die an der Pyro-Aktion eigentlich nicht beteiligt waren.
Auch weil die führenden Köpfe der Südkurve nach den Worten von CEO Jan-Christian Dreesen eigentlich eine Lösung für das Problem des Einlasses angekündigt hatten. Doch bereits kurz nach Jahresbeginn erklärte der Vorstandsvorsitzende: „Da glaube ich aber nicht so richtig dran.“
Dreesen im Fokus
Es ist vor allem Dreesen, der im Dauer-Kampf zwischen aktiver Fanszene und Verein in den Mittelpunkt rückt. Eigentlich pflegt der 58-Jährige einen engen Draht zu den Ultras, den er bereits zu seiner Zeit als Finanzvorstand gelegt hat.
Entsprechend gerne und erfolgreich präsentiert er sich als Kämpfer für Fan-Rechte. Am besten zu beobachten war das Anfang November 2025 in Paris, als die Anhänger unter den Maßnahmen der französischen Polizei zu leiden hatten und der CEO auf Konfrontationskurs mit den örtlichen Behörden ging.
Durch die aktuelle Situation ist aber etwas ins Rutschen geraten. Dreesen ist sauer. „Ich würde sehr daran appellieren, dass diejenigen, die da regelmäßig Pyro machen, vielleicht mal für sich realisieren, dass sie dem Verein damit schaden“, sagte Dreesen jüngst.
Der Großteil der Fans im Stadion toleriere und akzeptiere Pyro ohnehin nicht. Manche Fans sehen das als Versuch des CEO, die Fanszene zu spalten: Aktive Fans auf der einen Seite, „normale“ Anhänger auf der anderen.
Ultras verstehen sich als Elite
In der Tat ist die Kritik von anderen Arena-Blöcken an der Südkurve massiv – sie dringt allerdings nicht durch und dürfte den Ultras herzlich egal sein. Schließlich verstehen sie sich – vielleicht gar nicht zu Unrecht – als Elite unter den Fans. Sie sind es, die mit Choreos, einer Stiftung und vielem mehr den Ruhm und den guten Ruf des FC Bayern mitbegründen.
Und die Südkurve ist mächtig. Katar-Sponsoring, Boateng-Rückkehr, Ruanda-Deal: Es sind nur drei Punkte, in denen die Fans Erfolge verzeichnen konnten. Zudem ist die neue Hymne „Immer vorwärts FC Bayern“ ein Geschenk der Südkurve an den Verein zum 125. Geburtstag. Eine Aktion, in deren Glanz sich die Bosse gerne sonnen.
Ambivalentes Verhältnis zu den Fans
Entsprechend ambivalent ist seit jeher das Verhältnis der Verantwortlichen zu den Fans. Zwar schießt Klub-Patron Uli Hoeneß regelmäßig gegen die Macht der Ultras, zu den Feierlichkeiten der Fans taucht der Ehrenpräsident aber immer wieder gerne im Löwenbräukeller auf – so zum Beispiel zum 120. Vereinsjubiläum im Jahr 2020 und vor knapp einem Jahr zum 125.
Geht in diesen Tagen also etwas zwischen Südkurve und Führungsriege kaputt? Damit ist aktuell nicht zu rechnen. Zwar geht Dreesen öffentlich deutlich auf Distanz, doch er ist – wie der ganze Verein – auf die Fans angewiesen.
Gut möglich also, dass es bald zu einer Art „Friedensgipfel“ kommt. Traditionell sind gerade Auswärtsreisen in der Champions League dafür eine gute Gelegenheit – zum Beispiel Ende Januar in Eindhoven.