Als Maximilian Beier zu Saisonbeginn und erneut im September die Begriffe Titel und Meisterschaft in den Mund nahm, ging beim BVB ein spürbares Zucken durch die Reihen. Öffentlich wurde das eher belächelt. Niko Kovac unterstellte ihm damals sogar augenzwinkernd Trunkenheit und kündigte an, ihm das auszutreiben.
BVB: Schlotterbecks Gier steckt alle an
Schlotterbecks Gier steckt alle an
Ganz anders die Reaktionen, als Schlotterbeck vor knapp drei Wochen ähnliche Ambitionen formulierte. Die Rückmeldungen reichten von vermessen bis berechtigt ehrgeizig – doch intern traf der Innenverteidiger einen Nerv.
Schlotterbeck trifft einen Nerv
Nach dem mühevollen 3:2 gegen Heidenheim sagte Schlotterbeck: „Man muss auch mal den Anspruch haben als BVB, auch mal den Fans zu sagen, wir wollen Meister werden.“
Zuvor war Dortmund in der UEFA Champions League gegen Inter Mailand (0:2) und Premier-League-Kellerkind Tottenham Hotspur (0:2) unsanft auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt worden. Kampfansagen Richtung Ligaprimus FC Bayern München wirkten da fast schon realitätsfern. Und doch entfalteten die Worte Wirkung.
Nach außen will das keiner der Verantwortlichen offen zugeben. Kovac predigt weiter gebetsmühlenartig Zurückhaltung, spricht vom Blick in den Rückspiegel und davon, erst einmal das Minimalziel Champions-League-Qualifikation abzusichern.
Spannung im Titelkampf? BVB schielt nach München
Doch intern hat Schlotterbeck etwas ausgelöst. Er hat seinen Mitspielern vor Augen geführt, dass in dieser Saison noch alles möglich ist – nicht zuletzt, weil auch er selbst den Anspruch hat, Titel zu gewinnen, und sich deshalb mit seiner Vertragsentscheidung Zeit lässt.
Im Klub reift die Überzeugung, dass tatsächlich noch etwas zu holen ist. Auch weil die Bayern ihre Siege längst nicht mehr so souverän und selbstverständlich einfahren wie noch vor Weihnachten. Der BVB wiederum steht in dieser Spielzeit nicht unbedingt für fußballerische Feinkost – liefert aber Ergebnisse.
In den jüngsten Partien gegen Mainz (4:0) und Atalanta Bergamo (2:0) dominierten die Dortmunder erstmals über die komplette Spielzeit und ließen keinen Zweifel am Heimsieg – trotz erheblicher Verletzungssorgen in der Defensive.
BVB lässt sich von Schlotterbecks Gier anstecken
Schlotterbecks Wortwahl war riskant. Denn die Gefahr, nicht abzuliefern und öffentlich erlegt zu werden, war groß. Doch das Gegenteil ist eingetreten. Die Mannschaft lässt sich von seiner Gier anstecken, stempelt die Meisterschaft trotz des Rückstands auf die Bayern nicht länger als Utopie ab.
Zur Wahrheit gehört allerdings auch, dass es der Spielplan zuletzt gut mit dem BVB meinte. In den kommenden acht Bundesliga-Partien warten sämtliche Teams aus den Top Sechs. Den Auftakt der Hammer-Wochen bildet das Spiel am Samstag bei RB Leipzig, eine Woche später folgt das direkte Duell mit den Bayern. Punkte zu verschenken ist verboten.
Doch eines zeigt sich schon jetzt: Der BVB lässt sich vom Anspruch seines DFB-Stars anstecken. Die Zeit des Understatements scheint – dank Schlotterbeck – vorbei.