Er macht Dinge mit dem Ball, die beim Hamburger SV schon lange niemand mehr konnte. Fábio Vieira ist der Mann für die besonderen Momente. Mit seinen schnellen Füßen streicht er über den Ball, lässt Gegenspieler aussteigen, schlägt exakte Pässe. Und das Wichtigste: Er ist effektiv!
Bundesliga: "In gewisser Weise einzigartig" - HSV-Leispieler Vieria als Mann für besondere Momente
„In gewisser Weise einzigartig“
In den vergangenen fünf Spielen gelangen dem Portugiesen drei Tore und eine Vorlage. Mit acht Torbeteiligungen (vier Tore, vier Vorlagen) ist er der Topscorer der Mannschaft. „Fábio ist ein Spieler, der ganz, ganz viele Qualitäten hat, die uns als HSV und Mannschaft helfen“, sagte Merlin Polzin auf Nachfrage von SPORT1.
„Unsere Aufgabe ist es, ihn bestmöglich einzusetzen. Und er hat den Auftrag, sich in die Räume zu bringen, wo er mit dem Ball Dinge kreiert.“ Dies hätte er am Sonntag beim zwischenzeitlichen 1:0 gegen RB Leipzig „hervorragend gemacht. Er hat das eingeleitet und war dann mit dem Pass im Rückraum in der Position, die wir für Angriffe vorgesehen haben.“
Vieira trifft gerne „aus dem Rückraum“
Tatsächlich war diese Szene bemerkenswert: Der 25-Jährige fing einen Fehlpass in der eigenen Hälfte ab, machte das Spiel mit einem tiefen Ball auf Ransford Königsdörffer schnell und eilte nach vorne in den Strafraum. Rechtsverteidiger William Mikelbrencis spielte von der Grundlinie zurück zu Vieira, der eiskalt traf.
„Er muss gegen den Ball ein gewisses Level zeigen, damit wir auch die Qualitäten von ihm mit dem Ball sehen“, fasste Polzin zusammen. Tore aus dem Rückraum sind eine kleine Spezialität von ihm. Ende November brachte er das Volksparkstadion gefühlt zum Beben, als er in Unterzahl den Siegtreffer zum 2:1 gegen den VfB Stuttgart erzielte – in der Nachspielzeit.
Großes Lob von Poulsen
Kapitän Yussuf Poulsen schwärmte im Hamburger Abendblatt: „Ich habe noch nie mit jemandem wie ihm zusammengespielt. Sein Flow mit dem Ball ist ganz anders als das, was ich vorher kannte. Fábio ist in gewisser Weise einzigartig.“
Eine bemerkenswerte Aussage von jemandem, der in Leipzig mit Ausnahmespielern wie Xavi Simons (jetzt Tottenham Hotspur), Dani Olmo (FC Barcelona) oder Christopher Nkunku (AC Mailand) die Kabine teilte.
Die technischen Fähigkeiten von Vieira und der starke linke Fuß erinnern in Hamburg an die erfolgreiche Ära von Rafael van der Vaart. Der Niederländer kam 2005 im Alter von 22 Jahren zum HSV und hatte großen Anteil daran, dass die Norddeutschen teilweise um die Deutsche Meisterschaft spielten. Es war immer klar, dass van der Vaart eines Tages zu einem großen Verein wechseln würde – dies geschah mit dem Wechsel im Jahre 2008 zu Real Madrid.
49 Pflichtspiele für Arsenal - Messi getunnelt
Vieira war bereits bei einem großen Verein. Im Sommer 2022 wechselte er für eine Ablöse von 35 Millionen Euro vom FC Porto zum FC Arsenal nach London. 49 Pflichtspiele absolvierte er für den englischen Topverein. Eine Leistenoperation im Dezember 2023 brachte ihn aus dem Rhythmus.
Es folgte eine Ausleihe zurück zum FC Porto, mit dem er bei der Klub-WM für ein Highlight sorgte: Bei einem Dribbling tunnelte er sein Jugendidol Lionel Messi.
Doch Vieira hat auch eine andere Seite. Bei seinem dritten Bundesliga-Einsatz kassierte er eine Rote Karte bei Union Berlin, kam nach zwei Spielen Sperre wieder zurück – und sah im übernächsten Spiel in Köln die Gelb-Rote Karte. Zwei Platzverweise in den ersten fünf Einsätzen: ein Bundesliga-Rekord, den niemand haben möchte.
„Er hat durch die Roten Karten ein bisschen gebraucht, um da zu sein“, weiß Polzin.
Der Start war holprig
Vieira gibt zu, gewisse Anpassungsprobleme gehabt zu haben. „Neue Sprache, neue Liga, neue Mannschaft, neue Stadt, neues Land – da ist es normal, dass der Start ein wenig holprig ist“, legte er im Hamburger Abendblatt offen. „Man muss sich erst einmal adaptieren, sich mit seinen neuen Kollegen zusammenfinden.“
Vieira ist nicht frei von Fehlern – auch fußballerisch. Zurück zum Spiel gegen RB Leipzig: Das Gegentor zum 1:2 wurde durch einen Fehlpass von ihm eingeleitet. Und dennoch dürfte er auch am Mittwochabend (20.30 Uhr im LIVETICKER) ein Schlüsselfaktor sein, wenn das Nachholspiel gegen Bayer Leverkusen ansteht.
HSV hofft auf ein „Commitment“ von Vieira
Wie die Zukunft von Vieira aussieht, ist offen. Die Leihe endet nach der Saison. Sein Vertrag beim FC Arsenal läuft noch bis zum Sommer 2027. Er hat eine Ausstiegsklausel im Vertrag, die bei rund 20 Millionen Euro liegt. Würde der HSV diese Option ziehen, würde er zum teuersten Spieler der Vereinsgeschichte werden.
Sportdirektor Claus Costa bezeichnete Vieira im SPORT1 Doppelpass als einen „außergewöhnlichen Fußballer“, sagte aber auch: „Dass wir im Sommer 20 Millionen für einen Spieler zahlen, ist sehr unwahrscheinlich.“ Es bräuchte ein „klares Commitment“ von Vieira, um mit Arsenal über die Ablöse verhandeln zu können.
Dann könnte er auch über den Sommer hinaus für besondere Momente sorgen.