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Bundesliga: Wie viel Ego verträgt die Eintracht?

Wie viel Ego verträgt die Eintracht?

Albert Riera sorgt mit seinem Auftreten als Trainer von Eintracht Frankfurt für Aufsehen. Sein ehemaliger Coach Bernd Krauss spricht bei SPORT1 über einen Typen, an dem sich die Geister scheiden.
Am 5. Spieltag der Fußball-Bundesliga gab es ein 4:6-Torspektakel zwischen Borussia Mönchengladbach und der Eintracht aus Frankfurt. Nun treffen die beiden Mannschaften erneut aufeinander, und Eintracht-Cheftrainer Albert Riera macht deutlich, wie er die Partie mit seiner Mannschaft angehen will.
Albert Riera sorgt mit seinem Auftreten als Trainer von Eintracht Frankfurt für Aufsehen. Sein ehemaliger Coach Bernd Krauss spricht bei SPORT1 über einen Typen, an dem sich die Geister scheiden.

Mit Albert Riera hat Eintracht Frankfurt einen Trainer verpflichtet, der vom ersten Tag an polarisiert. Der 43-Jährige ist präsent, selbstbewusst, manchmal provokant – und ein Typ, über den sich viele schnell eine Meinung bilden.

Ein differenzierter Blick auf den Spanier kommt von Bernd Krauss, der 1995 mit Borussia Mönchengladbach Pokalsieger wurde, Riera einst in der Saison 2001/2002 beim RCD Mallorca trainierte und nun exklusiv bei SPORT1 über ihn spricht. Krauss erinnert sich an einen ganz anderen Riera: 19 Jahre jung, talentiert, mit starkem linken Fuß, aber eher zurückhaltend.

Das sagt der frühere Trainer von Riera

„Er war ein ruhiger Typ, der lernen wollte“, sagt Krauss. Polarisiert habe Riera damals nicht – zumindest nicht mehr als andere junge Spieler, die sich in einem Umfeld mit vielen etablierten Namen erst behaupten mussten.

Dass Riera heute als Trainer deutlich dominanter auftrete, erklärt Krauss mit dessen Entwicklung und Erfahrungen. Gleichzeitig mahnt er zur Zurückhaltung: „Riera sollte nicht im Mittelpunkt stehen, sondern die Mannschaft. Er polarisiert und zeigt sich sehr selbstbewusst. Aber der Erfolg gibt ihm recht. Zwei Heimsiege zu null geben ihm recht. Dann darf man auch mal etwas offensiver auftreten, was das Auftreten in der Öffentlichkeit angeht. Riera darf es nur nicht übertreiben.“

Für Krauss steht im Fußball immer die Mannschaft im Mittelpunkt, nicht der Trainer. Ein zu starkes Auftreten könne sich abnutzen und bei Spielern Ablehnung hervorrufen. „Wenn die Mannschaft gut ist, ist auch der Trainer gut“, lautet seine klare Haltung.

Scharfe Kritik von Harnik und Kruse

Zuletzt entbrannte jedoch rund um den Spanier ein öffentlicher Streit, der weit über sportliche Fragen hinausging. Auslöser war scharfe Kritik ehemaliger Bundesliga-Profis.

Besonders deutlich wurde Martin Harnik, der Riera öffentlich jeglichen Erfolg absprach und dessen Auftreten als überheblich und ungut bezeichnete. Max Kruse äußerte sich zurückhaltender, sprach aber ebenfalls von „zu viel Show“ und davon, dass er als Spieler Probleme mit einem solchen Trainer hätte.

Riera selbst blieb demonstrativ gelassen. Vor dem Bundesliga-Spiel gegen den FC Bayern München reagierte er mit spöttischem Unterton: Er sei nicht da, um andere zu kritisieren, sagte der Spanier, sondern wisse, dass öffentliche Personen immer polarisieren.

Sportvorstand Markus Krösche schlug zunächst diplomatische Töne an, ließ dann aber deutlich erkennen, dass ihn vor allem die Schadenfreude der Kritiker irritierte. Wer es witzig finde, wenn jemand scheitere, bewege sich auf einem fragwürdigen Niveau, so Krösche.

Ist Rieras Auftreten ein kalkuliertes Stilmittel?

Inzwischen hat Harnik Teile seiner Wortwahl relativiert und eingeräumt, im Ton überzogen zu haben – in der Sache selbst bleibe er jedoch kritisch. Der öffentliche Wirbel um Riera ist damit zwar etwas abgeflaut, aber nicht beendet. Denn die Frage bleibt: Ist Rieras Auftreten ein kalkuliertes Stilmittel – oder eine Belastung?

Rieras Start in Frankfurt verlief sportlich zufriedenstellend: Einem 1:1 bei Union Berlin folgte zuhause ein 3:0 gegen Borussia Mönchengladbach, ehe es in München mit einem 2:3 die erste Niederlage setzte. Am vergangenen Sonntag gewann die Eintracht ihr Heimspiel gegen den SC Freiburg mit 2:0. Ob seine Art langfristig trägt, wird sich zeigen.

Sicher ist nur: Mit Albert Riera hat Eintracht Frankfurt einen Trainer, der nicht nur an der Seitenlinie, sondern auch in der öffentlichen Debatte Akzente setzt.