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Champions League: Der BVB wurde zu gut gemacht - SPORT1-Kommentar

Willkommen in der Realität, BVB!

Der BVB erlebt gegen Tottenham einen Abend zum Vergessen. Das Spiel ist eine Standortbestimmung und wirft eine unbequeme Frage auf: Ist der BVB vielleicht gar nicht besser?
Nach der Niederlage bei Tottenham Hotspur spricht Borussia Dortmunds Sportdirektor Sebastian Kehl die Mängel klar an.
Der BVB erlebt gegen Tottenham einen Abend zum Vergessen. Das Spiel ist eine Standortbestimmung und wirft eine unbequeme Frage auf: Ist der BVB vielleicht gar nicht besser?

Es war ein Totalausfall auf allen Ebenen! Kein Einsatz, kein Wille, keine Zweikampfführung. Nichts von dem, was es auf diesem Niveau braucht. So reicht es nicht auf europäischer Ebene, so reicht es nirgendwo und gegen keinen Gegner.

Einen derartigen Leistungsrückschritt beim 0:2 in der Champions League bei den Tottenham Hotspurs zu diesem Zeitpunkt der Saison hinzulegen – da schrillen nicht nur Alarmglocken, da läuten alle Sirenen gleichzeitig.

BVB-Pleite als gnadenlose Standortbestimmung

Gegen eine kriselnde und „nicht superstarke Tottenham-Mannschaft“, wie BVB-Trainer Niko Kovac sich eingestehen musste, so aufzutreten, ist inakzeptabel. Punkt.

Doch diese Pleite war mehr als bitter und enttäuschend. Sie war eine gnadenlose Standortbestimmung. Willkommen in der Realität, BVB.

Eine logische Folge der vergangenen Wochen

Diese Leistung fällt nicht vom Himmel. Sie ist fast schon das logische Resultat der vergangenen Wochen. Eigentlich ging es nur noch um die Frage: Wann passiert es?

Dass es derartig heftig und ernüchternd werden würde, hatte sich dennoch niemand ausgemalt. Doch diesmal half kein Ausweichen, kein Relativieren. Weder Ergebnis noch äußere Umstände taugen als Schutzschild.

Nicht einmal die diskussionswürdige Rote Karte von Svensson wurde aufs Tablett gelegt – zu peinlich wäre diese Art der Argumentation gewesen.

Ist der BVB vielleicht gar nicht besser?

Die Zeit der Schönrederei ist vorbei. Umso befremdlicher wirkte die Push-Nachricht über die BVB-App: „Dezimierte Dortmunder erst im zweiten Durchgang dominant“ – ein Scherz? Wer dieses Spiel gesehen hat, weiß: In Dortmund herrscht aktuell Stillstand statt Fortschritt.

Vielleicht liegt das Problem aber tiefer. Vielleicht ist die eigene Anspruchshaltung komplett daneben.

Der BVB ist womöglich nicht so gut, wie er in den vergangenen Wochen gemacht wurde. Ja, der Punkteschnitt ist vorzeigbar. Ja, auch die Champions-League-Ausbeute war bislang ordentlich. Das Pokal-Aus gegen Leverkusen – geschenkt.

Das Resultat schlechter und schwankender Leistungen

Vom hohen Konkurrenzkampf war immer die Rede. In Wahrheit rührt dieser eher daher, dass sich kaum ein Spieler nachhaltig in Position bringt. Es ist weniger gesunder Wettbewerb als vielmehr ein Resultat schlechter und extrem schwankender Leistungen. Ob Beier oder Adeyemi spielt, ob Svensson oder Couto, ob Chukwuemeka oder Brandt – Beispiele gibt es genug – es macht derzeit kaum einen Unterschied.

Niko Kovac brachte es selbst auf den Punkt: „Damit gewinnt man auf diesem Niveau eigentlich gar nichts.“ Das gilt allerdings nicht nur für dieses Niveau.

Es besteht die reale Gefahr, dass der BVB in kürzester Zeit seinen kompletten Kredit verspielt. Die beste Nachricht ist: Nach diesem Auftritt muss dieses Risiko in Dortmund allen schonungslos klar geworden sein.