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Köln-Fan berichtet: So erlebte ich das wahnsinnige Chaos in Nizza

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Köln-Fan berichtet: So erlebte ich das wahnsinnige Chaos in Nizza

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So schlimm war‘s wirklich in Nizza

So schlimm war‘s wirklich in Nizza

Der Conference-League-Auftakt des 1. FC Köln in Nizza ist von brutalen Fan-Krawallen überschattet worden. Ein Köln-Fan verrät SPORT1, wie er das Chaos erlebt hat.
In Nizza kommt es vor dem Conference-League-Spiel des 1. FC Köln zu schlimmen Szenen. Es ist nicht das erste Mal, das Köln-Fans sich international daneben benehmen.
. SPORT1
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von SPORT1

Was ein rauschendes Fußball-Fest an Cote d‘Azur werden sollte, endete in einem totalen Chaos!

Vor dem Spiel zwischen OGC Nizza und dem 1. FC Köln in der Gruppenphase der Conference League kam es zu schweren Krawallen. Rund 40 Minuten vor Anpfiff gerieten beide Fan-Lager im Stadion „Allianz Riviera“ aneinander.

Die vorläufige Bilanz der französischen Polizei: 32 Verletzte, vier davon mussten im Krankenhaus behandelt werden. Die Identifizierung der Täter sei im Gange, die UEFA hat ein Verfahren gegen Köln und Nizza eröffnet, es drohen Strafen. (BERICHT: Polizei schaltet Hinweisportal und bittet um Videos)

Ein Kölner Fan, der seit 20 Jahren eine Dauerkarte für seinen Effzeh hat, war über einen Kumpel an zwei Tickets gekommen, mit dem Zug nach Nizza gefahren und hatte sich riesig auf das Europa-Abenteuer des FC gefreut. (NEWS: Keeper rettet Köln nach Fan-Eklat)

Doch aus Spaß wurde bitterer Ernst, wie der FC-Anhänger SPORT1 anvertraut hat: „Das Übersteigen der Zäune durch die vermummten Personen kam für den Großteil der Fans total überraschend.“

So chaotisch und turbulent ging es in Nizza zu

50 bis 100 Vermummte stürmten aus dem Gäste-Bereich in Richtung der Heim-Fans, wo es zu wilden Schlägereien kam, was der Köln-Fan bestätigen kann: „Zu diesem Zeitpunkt befanden sich noch keine Zuschauer auf der Haupttribüne, sodass man den Weg der Vermummten bis zur Nizza-Kurve komplett beobachten konnte“. (NEWS: Erste Folgen nach Fan-Ausschreitungen)

Darunter sollen offenbar auch in Rot gekleidete Hooligans aus Paris gewesen sein, berichten diverse Medien. „Zu welchem Personenkreis (Pariser oder Kölner) diese gehörten, war aus der Ferne, auch aufgrund der roten Kleidung, nicht zu erkennen“, berichtete der langjährige Köln-Fan dazu.

Er hoffe aber, dass die Täter „durch Fotos und Videos aus den sozialen Medien“ entlarvt werden, und dass „einige der Personen aufgrund ihrer Tattoos oder ähnlichem erkannt werden“. Ermittlungen laufen bereits, die Kölner Polizei hat ein Hinweisportal geschaltet.

In letzter Zeit häufen sich die Fan-Randale bei Fußballspielen. Auch deutsche Teams wie Borussia Dortmund und FC Köln stecken mittendrin.
05:30
2nach10: Fan-Randale im Profifußball häuft sich auch bei deutschen Mannschaften

Wie chaotisch und turbulent es im Stadion „Allianz Riviera“ zuging, zeigt der Gegenangriff der OGC-Fans.

„Als die Ausschreitungen durch den Einsatz von Pfefferspray aufgelöst wurden, sah man einige Nizza-Anhänger auf der unteren Gegengerade in Richtung Köln-Tribüne zulaufen“, so der FC-Fan: „Die Polizei, die erst spät auf der einen Tribünenseite erschien, wurde nun auf der anderen Seite benötigt.“ („Nackte Gewalt“ schockt Baumgart: „Ich habe den jungen Mann da runterstürzen sehen“)

FC-Geschäftsführer Christian Keller betonte am Freitag, dass die Gewalttäter „nicht die aktive Fan-Szene“ repräsentierten. Es handele sich um 50 bis 70 Personen, „das waren Hooligans und ein paar Leute, die sich durch Vorkommnisse vor dem Spiel haben anstacheln lassen, was auch total falsch ist“.

Ausschreitungen in Nizza: „Ich war ich geschockt“

Keller lobte in diesem Zusammenhang die Zivilcourage anderer FC-Fans, die sich im Stadion gegen Gewalt positionierten. (NEWS: Favre sieht Schuld bei Köln-Fans)

Nichtsdestotrotz ging die Angst um, wie der Kölner Dauerkarten-Besitzer eingesteht: „Wie der Großteil der anderen Fans war ich geschockt, solche Szenen beobachten zu müssen. Mit dem versuchten Gegenangriff der Nizza-Anhänger kam natürlich auch die Sorge auf, dass diese in den Block der Auswärtsfans gelangen.“

Wie auch Köln-Boss bemängelt der Fußball-Fan die Sicherheitsmaßnahmen: „Beim Einlass ins Stadion musste kein Ticket vorgezeigt werden und die Durchsuchungen waren sehr oberflächlich.“ SPORT1 wurde dies auch aus mehreren Quellen bestätigt.

„Im kompletten Gästebereich keine Ordner“

Darüber hinaus „befanden sich im kompletten Gästebereich keine Ordner, da es eine freie Platzwahl über alle Kölner Blöcke gab“.

Dabei wäre der Polizei-Aufwand gar nicht hoch gewesen, wie der FC-Fan sagt: „Im Nachhinein hätte es wahrscheinlich ausgereicht, entlang der beiden Seiten des Gästebereichs, auf der Haupt- und Gegentribüne, einige Polizisten zu platzieren.“

Dann hätten die schlimmen Ausschreitungen verhindert werden können, doch OGC Nizza ging im Vorfeld auch nicht auf die Kölner Empfehlungen, „ein deutlich höheres Polizeiaufkommen“ und auch „eine bessere Fan-Trennung“, ein.

Dabei hatten Keller und Co. eindringlich gewarnt: „Es war bekannt, dass wahrscheinlich Mitglieder der verbotenen Gruppierung von Paris Saint-Germain kommen, darauf haben wir hingewiesen und Vorschläge gemacht. Diese wurden aber größtenteils nicht angenommen.“

Und so wurde aus einem Fußball-Fest ein totales Fiasko.