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Salami-Taktik bei Nominierung von DFB-Kader für EM: Was steckt dahinter?

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Salami-Taktik bei Nominierung von DFB-Kader für EM: Was steckt dahinter?

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Was steckt hinter der Salami-Taktik?

Der Deutsche Fußball-Bund rückt bei der Verkündung des EM-Kaders von alten Gewohnheiten ab. Das hat Gründe.
Nach der Nominierung von BVB-Star Nico Schlotterbeck für die EM gibt der DFB nun einen weiteren Spieler bekannt - durch eine höchst rüstige Seniorin.
Stefan Kumberger
Stefan Kumberger

Es war ein bemerkenswerter Vorgang: Am Sonntagabend verkündete Chefsprecher Jens Riewa in der Tagesschau, dass Nico Schlotterbeck von Bundestrainer Julian Nagelsmann für die anstehende Europameisterschaft nominiert werde.

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Ungewöhnlich daran: Die altehrwürdige Nachrichtensendung der ARD beschränkt sich bei der Sportberichterstattung üblicherweise auf die Vermeldung von Ergebnissen und Spielberichten. Vorab-Informationen über Kader-Nominierungen verkünden normalerweise andere Medien.

Der DFB startete damit seine neue Strategie. Der heiß erwartete Kader soll nicht mehr in einem Block bei einer Pressekonferenz durch den Bundestrainer verkündet, sondern Stück für Stück über Medien, Influencer und andere Kanäle unter die Leute gebracht werden.

Auf die Schlotterbeck-Meldung folgte am Montagvormittag die Nachricht, dass Jonathan Tah ebenfalls zur EM reisen wird. Das gab der DFB auf Instagram bekannt. Dabei wurde eine 93 Jahre alte Seniorin mit dem Namen „Oma Lotti“ von Pfleger und TikToker Rashid Hamid als Überbringerin der Nachricht in einem launigen Video in Szene gesetzt.

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Weiter ging es mit Frauke Ludowig, die bei RTL Exclusiv im DFB-Trikot den Namen Aleksandar Pavlovic verkündete, und der Dachdeckerin Chiara, die Manuel Neuers Nominierung bekanntgab. Am Dienstagmorgen folgten Niclas Füllkrug sowie Chris Führich, bei denen das Radio sowie eine Bäckerei als Hilfsmittel benutzt wurden - und am Mittag dann Robin Koch passenderweise mit der Unterstützung von Fernseh-Koch Steffen Henssler.

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DFB hat einen Lauf

Dass sich die Öffentlichkeitsarbeit des Verbandes geändert hat, war in den vergangenen Wochen häufiger zu beobachten. Die Kampagne zur Trikotvorstellung darf als voller Erfolg betrachtet werden, auch die Vertragsverlängerung von Nagelsmann verursachte bei Social Media einen kleinen Hype – auch weil sich Rudi Völler, der Direktor für die Männer-Nationalmannschaft, in einem kleinen Clip von seiner lockeren Seite zeigte. Der DFB hat nach diversen PR-Desastern in der Vergangenheit aktuell offenkundig einen Lauf.

Fakt ist: Der DFB beugt mit seiner „Salami-Taktik“ in Sachen Kader etwaigen „Leaks“ vor und behält die Oberhand über den Informationsfluss. Zudem nutzt man die Reichweite von Influencern. Rashid Hamid verfügt beispielweise bei TikTok über mehr als 270.000 Follower, bei Instagram sind es sogar fast 320.000 Abonnenten.

Mit der Meldung in der Tagesschau ist dem Verband außerdem ein Coup gelungen. Direkt vor dem traditionell quotenstarken „Polizeiruf 110″ am Sonntagabend sahen fast 5,5 Millionen Zuschauer die Nachrichtensendung - und damit die Schlotterbeck-Verkündung.