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Handball-WM: Hier sieht Gislason in Deutschland "ein gewisses Problem"

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Gislason sieht deutsches Problem

Nach der klaren WM-Niederlage gegen Dänemark will Alfred Gislason eigentlich nicht über den Gegner sprechen. Dann aber findet er deutliche Worte, wo Handball-Deutschland im Vergleich zum Olympiasieger einen Schwachpunkt im System hat.
Alfred Gislason muss eine herbe Niederlage verkraften
Alfred Gislason muss eine herbe Niederlage verkraften
© IMAGO/Ritzau Scanpix
Philipp Schmidt
Nach der klaren WM-Niederlage gegen Dänemark will Alfred Gislason eigentlich nicht über den Gegner sprechen. Dann aber findet er deutliche Worte, wo Handball-Deutschland im Vergleich zum Olympiasieger einen Schwachpunkt im System hat.

Die dicke Überraschung und die Revanche für das olympische Finale blieb aus. Obwohl Deutschland in der Anfangsphase gut mithielt und die dänische Defensive vor einige Herausforderungen stellte, war bei der 30:40-Niederlage doch ein deutlicher Leistungsunterschied erkennbar. Darüber, warum das DHB-Team derzeit nicht mit dem Landesnachbarn mithalten kann, sprach Trainer Alfred Gislason anschließend in der Mixed Zone - und holte hierfür weit aus.

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Gislason zeigte sich „traurig“, weil er „viele gute Sachen“ bei seiner Mannschaft sah. Die Mannschaft hätte „sehr viel Mut bewiesen, dann hat aber die Kraft gefehlt“. Dies hing unter anderem damit zusammen, dass der kränkelnde Juri Knorr in der zweiten Halbzeit nur noch wenig zum Einsatz kam und die Last auf Renars Uscins in der Offensive somit noch größer wurde. Luca Witzke konnte phasenweise überzeugen, Julian Köster ging voran - doch es reichte bei weitem nicht.

Alfred Gislason muss eine herbe Niederlage verkraften
Alfred Gislason muss eine herbe Niederlage verkraften

Und bei Dänemark? Da stand Rasmus Lauge stand nach seiner im Auftaktspiel erlittenen Bauchmuskelverletzung wieder zur Verfügung und setzte Akzente. Der alles überragende Mathias Gidsel und Simon Pytlick dominierten aus dem Rückraum. Aber auch darüber hinaus hat Dänemark-Coach Nickolaj Jacobsen, der kein Fan großer Rotationen ist, die Qual der Wahl. Als der Vorsprung in der zweiten Halbzeit immer mehr anwuchs, rotierte er abgesehen von Gidsel kräftig durch. Nach einem Vorsprung von vier Toren kurz nach der Halbzeitpause waren es am Ende zehn. Ein Leistungsabfall in der zweiten Reihe war nicht zu erkennen.

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Besonders erstaunlich ist dies, da mit Mikkel Hansen und Niklas Landin im vergangenen Jahr zwei Ikonen des dänischen Handballs aus der Nationalmannschaft zurücktraten. Doch weder in der Spitze noch in der Breite war ein Leistungsabfall zu erkennen. Viele behaupten sogar, dass eine zweite dänische Mannschaft ebenfalls um den Titel mitspielen könnte.

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Gislason legt dänische Vorzüge offen

„Ich will überhaupt nicht einzelne Spieler der dänischen Mannschaft kommentieren“, sagte Gislason zum überlegenen Gegner, der nach vier WM-Spielen bei unfassbaren 158 Toren steht. Dann ging er allerdings auf die Gründe ein, warum diese so gut sind, wie sie es nun einmal sind.

„Die Vereine in Dänemark machen eine super Arbeit“, sagte Gislason. Im Vergleich zu Deutschland gebe es einen entscheidenden Unterschied: „Den Vorteil, den sie haben gegenüber unseren Spielern, ist, dass sie nach der U20 drei bis vier Jahre in Dänemark bleiben und spielen.“ Anschließend, so Gislason, würden sie mit jeder Menge Spielpraxis nach Deutschland wechseln. Zwar werde es „langsam besser in Deutschland, aber das ist schon ein gewisses Problem. Das bringt den Dänen die Breite.“

Gislason hat bereits häufiger auf die seiner Meinung nach vorliegende Problematik hingewiesen - unter anderem vor der Heim-Europameisterschaft im Januar 2024. Im Podcast Erste Sieben erklärte er damals, dass er sich in der HBL ein „Gentlemen‘s Agreement“ unter den Vereinen wünsche, „dass sie auf jeder Position nur einen Ausländer einsetzen“. Dies habe sich im Ausland bereits ausgezahlt und dazu geführt, dass junge Spieler früh Verantwortung übernehmen und auch Fehler machen dürfen.

Gislason erhielt Gegenwind aus der Liga

In Deutschland gibt es eine solche Regelung nicht. Aus dem Basketball ist die 6+6-Regelung bekannt, wonach im Spielberichtsbogen von zwölf Profis mindestens sechs einen deutschen Pass haben müssen. Doch bereits damals erhielt Gislason Gegenwind aus der Liga. Es herrsche das Leistungsprinzip und junge deutsche Spieler mit Qualität würden ausreichend Möglichkeiten erhalten, so der Tenor.

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Talent ist im aktuellen deutschen Team reichlich vorhanden. Mit Juri Knorr (24), Renars Uscins (22) oder Julian Köster (24) sind zahlreiche Leistungsträger noch keine 25 Jahre alt. Zudem kommen mit David Späth (22), Justus Fischer (21) oder auch Nils Lichtlein (22) Hoffnungsträger nach. Doch für Gislason reicht dies nicht, um mit den übermächtigen Dänen mithalten zu können.