Als Paris Saint-Germain im vergangenen Sommer nacheinander Georginio Wijnaldum, Gianluigi Donnarumma, Achraf Hakimi, Sergio Ramos und Lionel Messi verpflichtete, stellten sich viele die Frage: Kann das wirklich gut gehen mit so vielen (teilweise egozentrischen) Stars im Kader?
PSG spielt starke Hinrunde trotz Zoff um Messi, Neymar, Mbappé und Ramos
Pulverfass PSG
Kurz vor Ende der Hinrunde lässt sich feststellen: Die Frage ist nicht so leicht zu beantworten.
Einerseits: Ja, sportlich scheint es zu laufen. PSG tanzt noch auf allen drei Hochzeiten. Im Coupe de France ist in Sachen Titel nach dem Einzug ins Sechzehntelfinale noch alles drin. (DATEN: Spielplan und Ergebnisse des Coupe de France)
PSG winken drei Titel
Die Meisterschaft dürfte angesichts 13 Punkten Vorsprung nach 18 Spieltagen (wobei Olympique Marseille auf Rang zwei ein Spiel weniger absolviert hat) zum Selbstläufer werden. (DATEN: Tabelle der Ligue 1)
Und in der Champions League hat die Mannschaft von Trainer Mauricio Pochettino als Gruppenzweiter die K.o.-Phase erreicht. Im Achtelfinale geht es gegen Real Madrid. (DATEN: Spielplan und Ergebnisse der Champions League)
Die Bilanz stimmt also, doch die Fans dürften sich einiges mehr erhofft haben. Das PSG-Spiel ist bisweilen eher von Effizienz als von Spektakel geprägt. Zudem harmonieren die Superstars, die vor allem in der Offensive gemeinsam zaubern könnten, noch zu selten.
Viel schwerer wiegt bei der Beantwortung obiger Frage jedoch die Menge an Nebenkriegsschauplätzen, die es im Laufe der bisherigen Saison gegeben hat und mit denen man ein ganzes Buch füllen könnte.
„Spannungen“ wegen Ramos
Jüngstes Beispiel: Sportdirektor Leonardo hat in einem Interview zugegeben, dass es „Spannungen“ wegen Sergio Ramos gegeben hat. „Wir haben nicht damit gerechnet, dass Ramos uns vier bis fünf Monate fehlen würde“, erklärte der Brasilianer bei Europe 1.
Den Klubverantwortlichen sei zwar bewusst gewesen, dass der spanische Nationalspieler schon mit einer Verletzung aus der Sommerpause kam, die Länge des Ausfalls sei jedoch überraschend gewesen.
Doch der Ärger um Ramos war bei weitem nicht das einzige Thema, das bei Missstimmung beim französischen Hauptstadtverein sorgte.
SPORT1 fasst die Zoff-Monate beim Starensemble PSG zusammen.
- Messi leistet sich Fehltritte
Eigentlich wollte Lionel Messi seinen geliebten FC Barcelona gar nicht verlassen, doch die Lage bei seinem Herzensklub zwang ihn zum Abschied. In Paris spielt er (noch) nicht so groß auf, wie man das vom 34-Jährigen gewohnt ist - was wohl auch an den Nebengeräuschen um seine Person liegen mag.
Angefangen vom verweigerten Handschlag mit Pochettino, nachdem dieser ihn am 20. September beim 2:1-Sieg gegen Olympique Lyon ausgewechselt hatte, über seine angeblich vertraglich verankerte Priorisierung der argentinischen Nationalmannschaft für den Fall von terminlichen Überschneidungen bis hin zu einer nicht genehmigten Party nach dem seinem siebten Gewinn des Ballon d‘Or, in Folge derer sich er und Teamkollege Leandro Paredes mit einer Magenverstimmung krankgemeldet hatten - Messi füllte die Schlagzeilen Woche für Woche.
- PSG kämpft um Mbappé - wohl vergeblich
Dann war da noch die ewige Transfersaga um Kylian Mbappé, in der es im Sommer und zu Beginn der Saison beinahe täglich Neuigkeiten gab. Letztlich gab der Stürmer zu, dass er sich mit Abwanderungsgedanken befasst hatte. Sein Abschied im Sommer - Real Madrid lockt - ist wohl beschlossene Sache - auch wenn PSG alles (finanziell Mögliche) versucht, um den 23-Jährigen doch noch zu halten.
- Neymar kassiert Strafe
Natürlich gab es auch Wirbel um Neymar. Der Brasilianer, der weite Teile der Hinrunde mit einer Sprunggelenksverletzung verpasst, blieb in der Vorbereitung Berichten zufolge einem Mannschaftstermin fern, weil er irrtümlich annahm, nicht anwesend sein zu müssen. Die Folge soll eine Sanktion des Vereins gewesen sein.
- Torhüter-Zoff um Navas und Donnarumma
Keylor Navas war bis zum Transfer von Donnarumma unangefochtene Nummer eins im Tor der Pariser. Natürlich würde man sich viele Feinde machen, wenn man den teuren Neuzugang und Europameister auf die Bank setzt.
Deshalb entschied sich Pochettino für eine Kompromisslösung: Alle paar Spiele wechseln sich der Costa Ricaner und der Italiener ab. Insgesamt erhielt Navas bislang jedoch mehr Einsätze. Zufrieden dürfte keiner der beiden sein, ebenso wenig wie die meisten Anhänger, die diese Entscheidung missfällt. (DATEN: Spielplan und Ergebnisse der Ligue 1)
Donnarumma machte seinem Ärger darüber im November Luft. „Die Rivalität mit Navas stört mich, aber sie beeinflusst meine Leistung nicht“, sagte der 22-Jährige bei TNT Sports und ergänzte: „Manchmal tut es mir weh, auf der Bank zu sitzen, aber ich bin überzeugt, dass die Situation bald gelöst sein wird.“
- Die Icardi-Affäre
Im Oktober gab es über Wochen hinweg eigentlich nur ein PSG-Thema in den europäischen Boulevardmedien: Der angebliche Seitensprung von Mauro Icardi und die Folgen. Die Liebesbeziehung mit Wanda Nara nahm im Anschluss mehrere Wendungen, die sie überwiegend via Social Media dokumentierten. Nicht wenige vermuteten eine Inszenierung, denn die Versöhnung des Ehepaares schloss das Kapitel ab.
Zwischendurch hatte die Affäre sogar sportliche Konsequenzen: Wie zu lesen war, stellte PSG den Stürmer für kurze Zeit von seinen Profi-Verpflichtungen frei, damit er seine Beziehung mit einer Reise nach Italien retten konnte.
- Verschiedene Lager im Team
Insbesondere durch die Ankunft von Messi und Ramos kam es angeblich zur Spaltung der Mannschaft. Mbappé und die französisch-sprachige Riege sollen die Transfers nicht gefallen haben. Es wurde bisweilen von Ausgrenzungen und Streitigkeiten berichtet. Denn die spanisch- und portugiesisch-sprachige Fraktion blieb wohl weitgehend unter sich.
Für einen Großteil der Spiele haben sie sich aber offenbar zusammenraufen können, den sonst wären die sportlichen Ziele in Form von drei Titeln nicht mehr erreichbar. So oder so dürfte es bei PSG aber auch 2022 nicht langweilig werden.