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Hanning: Das rechne ich Gensheimer hoch an

Hanning: Das rechne ich Gensheimer hoch an

Der mächtige DHB-Vize Bob Hanning zieht im SPORT1-Interview nach der verpassten Olympia-Medaille Bilanz - und antwortet auf Kritik an sich und Kapitän Uwe Gensheimer.
Mit einer sehr schwachen Leistung scheidet der DHB bei Olympia gegen Ägypten aus. Aktuell ist der deutsche Handball offensichtlich nicht Weltspitze - was tun?
Martin Hoffmann
Martin Hoffmann
Felix Kunkel
Felix Kunkel
von Martin Hoffmann, Felix Kunkel

Bei den Olympischen Spielen hat es für die deutschen Handballer mit einer Medaille nicht geklappt - und Kritiker finden, dass das auf ihn zurückfällt.

DHB-Vizepräsident Bob Hanning, dessen Amtszeit im Herbst endet, hatte bei seinem Antritt 2013 Gold in Tokio als Ziel ausgerufen, was ihm nun vielfach vorgehalten wird.

Was sagt der als streitbarer Macher bekannte 53-Jährige dazu? Im SPORT1-Interview spricht er darüber - sowie auch über die Zukunft des DHB-Teams, von welchen Spielern er künftig was erwartet, die Kritik an Kapitän Uwe Gensheimer und die Frage, ob die aktuelle deutsche Handball-Generation genug aus sich gemacht hat.

SPORT1: Herr Hanning, bei Ihrem Amtsantritt 2013 haben Sie den Olympiasieg in Tokio als Ziel ausgerufen. Die Grundidee ist klar: Hohe Ziele setzen, um die Spannung hochzuhalten. Halten Sie das trotz des vorzeitigen Ausscheidens weiter für die richtige Idee, haben Sie einen positiven Effekt gesehen, den es sonst nicht gegeben hätte und woran machen Sie das fest?

Bob Hanning: Wichtig ist, sich die Ausgangssituation noch einmal vor Augen zu führen. Mit dem Beginn unserer Amtszeit waren wir noch nicht mal Teilnehmer der Olympischen Spiele 2012 oder der Europameisterschaft 2014. Und auch die Wildcard für die WM 2015 in Katar war ein Geschenk seitens des Weltverbandes. Ich glaube, mit dem anschließenden Gewinn der Europameisterschaft 2016 und dem Bronzemedaillengewinn in Rio ist es uns gelungen, Deutschland wieder an die Weltspitze heranzuführen. Ich war mir aber von Anfang an bewusst, dass es kein einfacher Weg wird und solch ein Entwicklungsprozess einer Nationalmannschaft nie abgeschlossen sein kann.

Bob Hanning scheidet aus seinem Amt als DHB-Vizepräsident
Bob Hanning scheidet aus seinem Amt als DHB-Vizepräsident

SPORT1: Torwartlegende Hennig Fritz sagte bei SPORT1, dass eine solche Zielsetzung von der Mannschaft selbst kommen sollte und nicht von außen. Wie stehen Sie dazu? Ihre Aussage steht auch im Zentrum vieler Bewertungen ihrer ausklingenden Zeit beim DHB. Was antworten Sie denjenigen, die das für keine gute Idee hielten und halten?

Hanning: Führung hat auch etwas mit Zielvorgaben zu tun. Dass sich auch die Mannschaft Ziele setzt oder der Bundestrainer erstmal das Halbfinale als Ziel ausgibt, steht in keinem Widerspruch. Alle Sichtweisen haben hier ihre Berechtigung. (Exklusiv: Heiner Brand bewertet das deutsche Olympia-Aus)

SPORT1: Was wird aus Ihrer Sicht von der Ära Bob Hanning beim DHB bleiben? Was sollte Ihr Nachfolger in jedem Fall beibehalten?

Hanning: Ich glaube, wir haben den Verband modern aufgestellt. Das goldene Jahrzehnt des Handballs mit den Heim Welt- und Europameisterschaften hat gerade erst begonnen. Ich bin kein Freund kluger Ratschläge, sondern bin mir sicher, dass wir nur erfolgreich sein werden, wenn wir tagtäglich bereit sind, unsere Komfortzonen zu verlassen.

SPORT1: Sie haben öfters auch öffentlich den Konflikt gesucht, zuletzt etwa durch Ihre Kritik an der Melsunger Mentalität. Ein bewusst gewähltes Stilmittel?

Hanning: Ich bin Konflikten nie aus dem Weg gegangen, wenn ich sie für angemessen gehalten habe. Ich hätte mir für uns alle, nicht nur für die Melsunger Spieler, ein sportlich erfolgreicheres Abschneiden bei den Olympischen Spielen gewünscht.

SPORT1: Hat die aktuelle Nationalspieler-Generation zu wenig aus ihrem Potenzial gemacht?

Hanning: Ich glaube, dass noch mehr möglich gewesen wäre. Vielleicht hatten wir alle zu schnell zu viel Erfolg. Dies verklärt manchmal den Blick.

Die Rolle von Uwe Gensheimer wird kontrovers diskutiert
Die Rolle von Uwe Gensheimer wird kontrovers diskutiert

SPORT1: Speziell an Uwe Gensheimer haben sich immer wieder viele gerieben, bei der WM besonders, aber auch jetzt. Wurde er - wie z.B. Stefan Kretzschmar Anfang des Jahres befunden hat - unfair behandelt in der öffentlichen Wahrnehmung?

Hanning: Uwe hat immer polarisiert und es nicht immer geschafft, seine großartigen Leistungen wie bei den Rhein-Neckar Löwen und in Paris bei der Nationalmannschaft zu bestätigen. In all den Jahren hat er aber immer wieder Verantwortung getragen. Und: Anders als der ein oder andere hat er auch in ganz schwierigen Zeiten zum Verband gehalten.

SPORT1: Welche Spieler werden in den kommenden Jahren das Gerüst des Teams bilden?

Hanning: Da kommen für mich viele Spieler in Frage. Die Nationalmannschaft hat weiter großartige Spieler in ihren Reihen. Mit Timo Kastening, Johannes Golla, Juri Knorr, Sebastian Heymann, Franz Semper - um nur einige zu nennen - stehen einige Spieler in den Startlöchern, deutlich Verantwortung zu übernehmen. Hinzu kommen dann sicher einige erfahrene Spieler wie Drux, Wiede, Wiencek und Wolff. Dazu kommen noch einige Talente aus der Bundesliga, wenn ich zum Beispiel an Lukas Mertens und Till Klimpke denke. Und auch bei den Junioren haben wir einige vielversprechende Spieler dabei.

SPORT1: Wie viel steht und fällt mit Pekeler, den Sie und andere immer wieder als Unterschiedsspieler ausgemacht haben?

Hanning: Hendrik kann in der Tat den Unterschied machen. Um langfristig erfolgreich zu sein, müssen wir mehr Spieler dieser Kategorie entwickeln.

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SPORT1: Juri Knorr ist der jüngste Leistungsträger, welche Rolle wird er in den kommenden Jahren spielen?

Hanning: Juri wird sich jetzt bei den Rhein-Neckar Löwen durchsetzen müssen und an seinen Aufgaben wachsen. Seine Aufgabe muss es dann sein, an Spielern wie Andy Schmid und Philipp Weber in Verein und Nationalmannschaft vorbeizukommen. Die nächsten zwei Jahre werden zeigen, wo sein Weg hingeht. Und ich glaube wir haben alle den Wunsch, dass er es in die Kategorie der Unterschiedsspieler schafft.

SPORT1: Wie lange sollte Alfred Gislason noch Bundestrainer bleiben? So lange, wie er will?

Hanning: Da meine Amtszeit in wenigen Wochen endet, sollten das die dann verantwortlichen Personen miteinander besprechen. Ich habe von Alfred eine sehr hohe Meinung.

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