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Die streitbare Luxus-Queen der Olympischen Winterspiele

Die olympische Luxus-Queen

Eisschnellläuferin Jutta Leerdam zählt zu den großen Stars bei Olympia. Die Niederländerin polarisiert jedoch mit ihrem Verhalten.
Bei den Youth Olympics hat Finn Sonnekalb schon mächtig abgeräumt. Jetzt will der Eisschnellläufer auch bei den Olympischen Spielen 2026 oben angreifen - weiß aber noch nicht so recht, was ihn erwartet.
Eisschnellläuferin Jutta Leerdam zählt zu den großen Stars bei Olympia. Die Niederländerin polarisiert jedoch mit ihrem Verhalten.

Bereiten sich Sportlerinnen und Sportler auf Wettkämpfe vor, dann versuchen sie, eine Sache tunlichst zu vermeiden: Reisestrapazen. Je stressfreier und problemloser eine Anreise verläuft, umso besser.

Eisschnellläuferin Jutta Leerdam musste sich vor den Olympischen Spielen zu diesem Thema keine Gedanken machen. Im Gegenteil: Die Niederländerin reiste auf die angenehmste aller Weisen nach Mailand – im Privatjet.

Bei Instagram ließ die 27-Jährige ihre Follower am Beginn ihrer Olympia-Reise teilhaben. Und die verlief überaus luxuriös.

Olympia-Anreise mit Privatjet sorgt für Ärger

An den Wänden des Privatjets hingen orangefarbene Fähnchen mit der Aufschrift „Success Jutta“ – „Viel Erfolg, Jutta“. Auch auf individualisierten Cupcakes waren jene Worte, die Olympischen Ringe und die niederländische Flagge abgebildet. Dazu gab es selbstverständlich weitere kulinarische Köstlichkeiten für die Reisegruppe.

Eine Art der Anreise, die sich so nur die wenigsten an den Spielen teilnehmenden Athletinnen und Athleten leisten können. Und eine Art, die in den sozialen Netzwerken zwar viele Likes generiert, die aber nicht überall gut ankommt.

„Ich finde ihr Verhalten entsetzlich, wie das einer Diva“, kommentierte der inzwischen als Journalist tätige Ex-Fußballer Johan Derksen in der TV-Sendung Vandaag Inside: „Sie ist nicht anders als die anderen Eisschnellläuferinnen, die Linienflüge nehmen. Ich finde das absolut lächerlich. Als Trainer hätte ich das nicht toleriert.“

Friesinger-Postma reagiert auf Anreise-Wirbel

Die frühere deutsche Eisschnellläuferin Anni Friesinger-Postma reagierte auf die Aktion hingegen gelassen. „Ihr Verlobter Jake Paul verwöhnt seine Verlobte eben gern – und dem Sport schadet ein wenig Boulevard ganz sicher nicht. Im Gegenteil: Das zeigt eine andere Seite und sorgt für Schlagzeilen“, sagte die Eurosport-Expertin.

„Natürlich war das ein echter Eyecatcher“, fuhr Friesinger-Postma fort. „Sie im Privatjet, Canapés mit ihrem eigenen Gesicht darauf, der gesamte Flieger durchgestylt.“ Starallüren habe Leerdam dennoch keine. „Sie nimmt das gerne mit – und ganz ehrlich: Es sei ihr gegönnt.“

Gleichwohl, räumte Friesinger-Postma ein, reagiere nicht jeder unvoreingenommen: „Sicherlich sind viele ein wenig pikiert, wenn jemand im Privatjet anreist. Sie ist ein Glamour-Girl.“ Doch das sei nur die eine Seite: „Sportlich ist sie eine richtig Gute: mehrfache Weltmeisterin, Olympiasilber hat sie auch schon.“ Und letztlich, betonte Friesinger-Postma, zähle auf dem Eis nur eines: „Vom Startschuss bis zum Zieleinlauf geht es ausschließlich um die schnellsten Zeiten – und da hat sie oft die Nase vorn.“

Der Journalist Valentijn Driessen von De Telegraaf vertritt wiederum eine andere Meinung. Er hatte eigentlich schon vor Beginn der Spiele genug. „Man sieht fast nur Jutta. Man könnte fast meinen, sie sei die einzige Vertreterin der Niederlande“, kritisierte er seine Landsfrau.

Leerdam sagt Interviews ab

Doch nicht nur Leerdams luxuriöse Anreise sorgte für Unmut. Zwei Tage vor ihrem ersten Auftritt in Italien lehnte sie mehrere Medienanfragen heimischer Journalisten ab. Als Reaktion legte der niederländische Journalistenverband (NSP) offiziellen Protest beim Team ein.

In einem Statement polterte der Generalsekretär des NSP: „Das ist unangemessen, inakzeptabel, eines Teams unwürdig und zeugt von wenig Respekt vor den niederländischen Medien und insbesondere der niederländischen Öffentlichkeit.“

Das niederländische Team teilte daraufhin mit, dass Leerdam nun doch bereit sei, nach ihrem Training am Samstagnachmittag mit der Presse zu sprechen. Doch wie sich später herausstellte, hatte die Zusage einen Haken: Der Olympia-Star wollte nur mit dem öffentlich-rechtlichen Fernsehsender NOS sprechen. Die übrigen rund 20 niederländischen Medienvertreter mussten rund eine Stunde warten, bevor ihnen mitgeteilt wurde, dass Leerdam nicht zur Verfügung stehe.

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In ihrem einzigen Interview erklärte sie: „Natürlich teile ich viel online und erzähle auch, wie es mir geht, daher habe ich nicht das Gefühl, dass ich das auch noch an anderen Orten tun muss. Denn ich bin schon ziemlich offen, finde ich.“

Olympiasiegerinnen kritisieren Leerdams Vorgehen

Kein Verständnis für dieses Vorgehen zeigten die früheren Olympiasiegerinnen Ireen Wüst und Irene Schouten. „Man könnte sagen, Jutta ist so groß, dass sie es mit ihren fünf Millionen Followern auf Instagram nicht nötig hat”, merkte Wüst an: „Aber sie hat eben auch eine Vorbildrolle. Wenn die großen Stars wie Leerdam keine Interviews mehr geben, werden andere nachziehen. Und wenn irgendwann niemand mehr spricht, dann …“

Schouten ergänzte: „Dann gibt es keine Geschichten mehr – und für die Medien ist es dann irgendwann vorbei.“

Olympia-Qualifikation stand auf der Kippe

Bei all den Diskussionen um Leerdams Anreise und Auftritte geriet beinahe in den Hintergrund, dass ihre Teilnahme als eine von insgesamt neun niederländischen Eisschnellläuferinnen an den Olympischen Winterspielen 2026 zwischenzeitlich nicht garantiert gewesen war.

Bei der Olympia-Qualifikation in den Niederlanden stürzte sie auf ihrer Paradestrecke über 1.000 Meter. Doch Leerdam gab nicht auf und qualifizierte sich über die 500-Meter-Distanz. Als der Verband ihr in der Folge den noch offenen Startplatz über die 1.000 Meter zusprach, war die Erleichterung bei der Sportlerin groß.

Vor allem die Tatsache, dass keine andere Athletin wegen ihr zu Hause bleiben muss, sei sehr wichtig, wie sie ihre Fans wissen ließ.

Große Erfolge bei Social Media

Sportlich ist Leerdam eigentlich über jeden Zweifel erhaben. Bei den Olympischen Spielen 2022 in Peking holte sie über ihre Paradestrecke über 1.000 Meter Silber. Seitdem errang die 27-Jährige elf Weltcupsiege über jene Distanz, drei davon in der aktuell laufenden Saison.

Insgesamt kann Leerdam auf sieben WM-Titel sowie mehrere Silber- und Bronzemedaillen zurückblicken. Auch bei den anstehenden Titelkämpfen gilt sie als Medaillenkandidatin.

Dennoch ist das Image der Eisschnellläuferin speziell, denn Leerdam ist abseits ihres Sports inzwischen ein großer Star. Seit ihrem Aufstieg hat die 1,81 Meter große Modellathletin mehr als fünf Millionen Instagram-Follower und mehr als zwei Millionen Anhänger bei TikTok hinter sich versammelt.

Erfolge, von denen die anderen Wintersportlerinnen nur träumen können. Zum Vergleich: Ski-Superstar Lindsey Vonn bringt es bei Instagram auf drei Millionen Follower.

Olympia-Star mit Jake Paul verlobt

Jake Paul spielt bei Leerdams Popularität eine nicht unerhebliche Rolle. Der aus den USA stammende Influencer, Unternehmer und Boxer, der in der Vergangenheit mit seinen Kämpfen gegen die Boxstars Mike Tyson und Anthony Joshua für Aufsehen sorgte, ist seit 2023 offiziell der Mann an ihrer Seite und inzwischen sogar ihr Verlobter.

Dass er seine Herzensdame auf der größten Sportbühne der Welt unterstützen wird, versteht sich dabei von selbst.

Die dreimalige Olympiasiegerin Marianne Timmer erklärte dazu bereits im Podcast von Sportnieuws.nl, sie erwarte in Mailand „eine einzige große Jutta-und-Jake-Show. Es geht nicht nur um das Eisschnelllaufen.“

Für Leerdam geht es bereits am Montag um Gold

Umso besser also, dass das niederländische Olympia-Team eigens einen speziellen Pin für ihre Kleidung kreiert hat. Darauf zu sehen: Thor, der Hund des Boxers. „Jake wird das nicht glauben“, zeigte sich Leerdam in einem TikTok-Video begeistert.

Dass sich die Niederländerin trotz allem Luxus und der ein oder anderen Sonderbehandlungen am Ende aber genauso im Duell Frau gegen Frau messen muss, versteht sich von selbst. Bereits am Montag (ab 17.30 Uhr im LIVETICKER) geht es für Leerdam über 1.000 Meter um alles.