Maxi Kleber war 2025 in einem der spektakulärsten Trades der NBA involviert: Zusammen mit Luka Doncic wurde er von den Dallas Mavericks zu den Los Angeles Lakers geschickt.
NBA: "Ein Riesenerfolg für Deutschland"
„Ein Riesenerfolg für Deutschland“
Der deutsche Basketball-Star blickt im SPORT1-Interview auf den Wechsel zurück, spricht über sein Verhältnis zu Doncic sowie Teamkollege LeBron James und äußert sich zum Zoff zwischen Doncic und Dennis Schröder.
SPORT1: Es ist ungefähr ein Jahr her, dass die halbe Sportwelt dachte, X (ehemals Twitter) ist gehackt worden, als der Trade von Luka Doncic und Ihnen öffentlich wurde. Inwiefern fühlt sich Los Angeles nach einem Jahr an wie zu Hause?
Maxi Kleber: Ich bin eigentlich mittlerweile gut angekommen. Es geht relativ schnell. Man hat ja auch wirklich viele Leute, die einem helfen bei der Apartmentsuche oder bei allen anderen Dingen, die es eben so gibt. Aber ich fühle mich hier ganz wohl. Das Wetter ist immer schön, von daher...
SPORT1: Wie lange hat das gedauert, bis Sie gedacht haben, okay, ich bin jetzt hier nicht mehr nur auf einer Auswärtsreise, sondern lebe hier?
Kleber: Das hat schon ein bisschen gedauert, weil ich am Anfang erst im Hotel war, bis ich dann wirklich etwas gefunden habe. Aber man kennt es ja, dass das Business relativ schnelllebig ist. Von daher weiß man nie, wie es am Ende weitergeht. Aber ich habe mich von Anfang an eigentlich relativ wohl gefühlt. Ich kenne L.A. ja auch, wir sind hier oft gewesen, dadurch dass wir auch in der Western Conference waren. Von daher habe ich mich schnell gut ausgekannt in Los Angeles.
Kleber kämpfte mit Verletzungen
SPORT1: Sie haben nach dem Trade kaum gespielt, weil Sie verletzt waren, zu Beginn der Saison kam dann noch eine weitere Verletzung dazu. Wie fit sind Sie inzwischen? Und wie zufrieden sind Sie mit der Rolle im Team?
Kleber: Ich bin auf jeden Fall fit. Die Rolle: mal so, mal so. Wir spielen oft mit einer Neun-, je nachdem, wenn es ein Back-to-Back ist, vielleicht einer Zehn-Mann-Rotation. Da werden die Spieler auf Kaderplatz neun und zehn immer viel herumrotiert. Manchmal spiele ich, manchmal nicht. In letzter Zeit wieder nicht. Es ist einfach meine Rolle, die ich akzeptiere. Ich komme herein, mache meine Arbeit und versuche, der bestmögliche Mitspieler zu sein.
Klebers enges Verhältnis zu Luka Doncic
SPORT1: Inwiefern haben Sie Einfluss darauf, dass sich das ändert?
Kleber: Ich glaube erst einmal, dass ich keinen Einfluss habe. Wenn wir Spiele gewinnen, dann bleibt die Rotation oft so. Wenn wir dann verlieren, kommt vielleicht eine kleine Veränderung vor. Ich glaube, das Wichtigste ist einfach, dass du deine Arbeit machst, dass du die richtigen Entscheidungen triffst, wenn du die Chance bekommst, zu spielen und dass du dann eben auch die richtige Energie auf der Bank hast.
SPORT1: Sie und Luka Doncic kennen sich schon sehr lange. Heißt das auch, es ist eine besondere Beziehung, auch durch den gemeinsamen Trade?
Kleber: Ich würde sagen, das spielt eine kleine Rolle. Ich glaube eher, die Zeit, die wir zusammen schon hatten in Dallas, hat uns ein bisschen zusammengeschweißt. Ich meine, wir kennen uns jetzt seit 8,5 Jahren oder so. Ich glaube, es ist seine achte Saison. Natürlich spielt der Trade auch eine Rolle, aber ich glaube einfach, wenn du über die Jahre so lange on and off the court so viel Zeit miteinander verbringst, dann kommt die Freundschaft schon zustande.
LeBron? „Finde ich faszinierend“
SPORT1: Diese Innenperspektive auf Luka kennen Sie schon lange, die auf LeBron James ist vergleichsweise neu. Wie ist es, mit beiden in einer Mannschaft zu sein und eine Kabine zu teilen?
Kleber: Es ist auf jeden Fall eine Riesenehre, dass man beides miterleben darf. Zum einen natürlich Lukas Wachstum über die Jahre, der wirklich jedes Jahr besser geworden ist. Und auf der anderen Seite natürlich auch LeBron zu beobachten, wie er sich auf Spiele vorbereitet, wie professionell er ist jetzt auch in der 23. Saison. Das ist schon ein absoluter Wahnsinn. Und das ist auch der Grund dafür, warum man so lange spielen kann und so effektiv ist.
SPORT1: Wenn man LeBron aus der Nähe beobachtet, was ist das beeindruckendste in ihm aus Ihrer Sicht?
Kleber: Ich glaube seine Arbeitseinstellung. Er ist einer der Ersten in der Halle. Er macht immer sein Krafttraining, sein Wurftraining - alles, was er machen muss, um seinen Körper eben auf Vordermann zu bringen. Auch die Vorbereitung für die Spiele. Er kennt wirklich alle Spielzüge der Gegner, weiß genau, was wir machen müssen, wie wir dagegen spielen wollen und alles Mögliche. Die ganze professionelle Einstellung finde ich echt faszinierend.
Kleber reagiert auf Schröder/Doncic-Zoff
SPORT1: Ein Gesprächsthema zuletzt war die Situation zwischen Luka Doncic und Dennis Schröder. Da kam es zu einem versuchten Angriff nach dem Spiel in Los Angeles. Wie haben Sie davon erfahren?
Kleber: Ich war schon aus der Halle raus. Ich habe es dann erst am nächsten Tag erfahren.
SPORT1: War das dann nochmal Thema in der Mannschaft?
Kleber: Es war kurz ein Thema, dass es nach dem Spiel eine kleine Rangelei gab. Ansonsten aber nicht.
NBA-Game: „Ein Riesenerfolg für Deutschland“
SPORT1: Orlando und Memphis haben jetzt zum ersten Mal ein NBA-Spiel in Deutschland ausgetragen. Sie waren nicht dabei, aber dass das grundsätzlich möglich ist, was halten Sie davon?
Kleber: Ich finde es richtig stark. Auch, dass Deutschland das organisatorisch alles gemacht hat, dass das Basketballinteresse so groß ist. Natürlich jetzt mit der Nationalmannschaft, auch wie der Basketball-Sport an sich gewachsen ist, ist es natürlich sehr schön zu sehen, dass auch immer mehr junge Spieler nachkommen. Von daher: ein Riesenerfolg für Deutschland.
SPORT1: Wie haben Sie das Spiel verfolgt?
Kleber: Ich habe es nicht geschaut. Es laufen so viele Spiele, da schaue ich nicht immer jedes Spiel an.
SPORT1: Die Pläne der NBA nach Europa zu expandieren - wie stehen Sie dazu?
Kleber: Ich bin gespannt. Es gibt ja viele verschiedene Meinungen. Die EuroLeague ist für mich eine sehr schöne Liga, die ich gerne angucke. Von daher bin ich mal gespannt, was denn die Konzepte sind. Aber natürlich wäre es auch ein Riesenthema. Ich glaube, für Basketball insgesamt auch in Europa kann es bedeuten, dass es nochmal wächst und größer wird. Am Ende des Tages wäre es schön, wenn es eine Übereinstimmung gibt für beide Seiten. Dass der Basketball-Sport bleibt, wie er in Europa ist, dass man trotzdem eine NBA-Lösung findet.
Klebers Vertrag läuft im Sommer aus
SPORT1: Ende des Monats werden sie 34 Jahre alt. Inwiefern ist Alter ein Thema?
Kleber: Alter an sich ist jetzt nicht so das Thema, mit dem ich mich beschäftige. Mir geht es dann eher darum, wie fühlt sich der Körper an. Aber soweit fühle ich mich, wie gesagt, gut. Und von daher mache ich mir keine Gedanken, ob ich jetzt ein Jahr älter werde oder nicht.
SPORT1: Im Sommer ist die Fußball-WM in den USA. Hat das irgendwie einen Einfluss auf die Saisonvorbereitung, wollen Sie Spiele live sehen?
Kleber: Mein Vertrag läuft ja auch aus. Theoretisch müsste ich dann erstmal ein neues Visum beantragen und alles Mögliche. Aber wenn ich natürlich noch da wäre zu dem Zeitraum, dann würde ich natürlich gerne auch ein Spiel angucken.
SPORT1: Gibt es schon Gespräche oder Signale?
Kleber: Nein, ich glaube auch, mit der Situation, wie sie aktuell ist, würde es wahrscheinlich eher noch dauern oder am Ende der Saison sein und dann mal schauen.