Noch in der vergangenen Saison sah alles danach aus, als könnte Selina Grotian in wenigen Wochen zum ersten Mal Olympia-Luft schnuppern oder bei den Spielen in Antholz gar für deutsches Biathlon-Edelmetall sorgen.
Biathlon: Olympia in Gefahr! Ihr rennt die Zeit davon
Olympia in Gefahr!
Schließlich schloss die 21-Jährige die Saison 2024/2025 auf dem Gesamtweltcupplatz neun ab. Im Dezember 2024 hatte Grotian im Massenstart von Le Grand-Bornand sogar ihren ersten Einzelsieg gefeiert.
Doch die deutsche Biathlon-Hoffnungsträgerin steckt ausgerechnet wenige Wochen vor den Olympischen Winterspielen in Mailand/Cortina in der ersten echten Krise ihrer noch jungen Karriere.
Biathlon: Corona wirft Grotian noch weiter zurück
Schon beim Saisonstart in Östersund landete Grotian nur auf Platz 50 (Einzel) und 30 (Sprint).
Dann der große Schock: Eine Corona-Infektion mitten in der Olympia-Saison! In der Folge gab es für Grotian keine Rennen in Le Grand-Bornand und Hochfilzen.
Erst Anfang Januar in Oberhof konnte die DSV-Athletin wieder in den Weltcup-Tross zurückkehren.
„Die Erkrankung hat letztlich etwas länger gedauert als zunächst gedacht oder erhofft. Inzwischen konnte ich jedoch wieder einen guten Formaufbau absolvieren, fühle mich aktuell gut und freue mich darauf, wieder an den Start zu gehen“, erklärte Grotian vor dem Weltcup-Wochenende in Thüringen.
Oberhof macht wieder Hoffnung auf Olympia
Den Sprint schloss die Biathletin vom SC Mittenwald auf Platz 30 ab. In der Verfolgung konnte sie weitere sieben Plätze gutmachen. In der Staffel setzte Grotian zudem mit einer guten Vorstellung den Grundstein für den Podestplatz vor eigenem Publikum. Ergebnisse, die durchaus Hoffnung machen.
Doch die Regularien für die Qualifikation für die Olympischen Spiele sind in Deutschland rigoros: Grotian muss genau wie alle anderen Athletinnen einmal unter den besten Acht oder zweimal unter den besten 15 ins Ziel kommen, um die Olympia-Norm zu erfüllen.
Grotian rennt die Zeit davon
Noch kann sie kein einziges dieser Ergebnisse vorweisen. Und in Ruhpolding stehen mit dem Sprint und dem Verfolger am kommenden Weltcup-Wochenende nur zwei Einzel-Entscheidungen an. Für die Staffel am Mittwoch (14.30 Uhr im LIVETICKER) wurde Grotian nicht nominiert, kann sich also voll auf die Einzelrennen konzentrieren. Am Freitag steht der Sprint an (14:30 Uhr im LIVETICKER), am Sonntag die Verfolgung (12:30 Uhr im LIVETICKER).
Bereits nach dem Weltcup-Wochenende will DSV-Sportdirektor Felix Bitterling über den Olympia-Kader entscheiden. So soll das Olympia-Team bereits nicht mehr beim Weltcup in Nove Mesto starten, sondern sich bei einem Höhen-Trainingslager auf die Spiele vorbereiten.
Durch ein Hintertürchen zu den Olympischen Spielen?
Grotian darf sich dementsprechend in Ruhpolding keine Fehler erlauben. „Der Druck ist schon sehr groß. Ich weiß natürlich, es sind nur noch zwei Rennen. Aber wenn ich mir zu viel Druck mache, funktioniert es nicht“, zitiert die dpa die DSV-Athletin. „Ich muss einfach mental locker und von mir überzeugt bleiben, dass ich das noch schaffen kann.“
Möglicherweise öffnet sich für die 21-Jährige aber auch noch ein Hintertürchen zu Olympia, selbst wenn sie in Oberhof die erforderlichen Ergebnisse verpassen sollte.
Bislang haben fünf Athletinnen die Norm geschafft (Franziska Preuß, Vanessa Voigt, Julia Tannheimer, Janina Hettich-Walz, Anna Weidel)- eigentlich plant der DSV auch genau diese Anzahl zu den Spielen mitzunehmen. Sportdirektor Bitterling deutete nun aber an, dass man diese harte Grenze aufweichen könnte.
„Wenn wir sehen, dass es für die eine oder andere in der Saison unglücklich gelaufen und sie richtig stark ist, werden wir sicherlich darüber nachdenken, mit sechs Athletinnen zu fahren oder eine Sechste später dazu zu holen“, erklärte er. Ein Hoffnungsschimmer bleibt Grotian also noch.