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Ski-Superstar schildert dramatische Leidenszeit: "Ich dachte, ich sterbe!"

Ski-Drama: „Ich dachte, ich sterbe“

Norwegens Ski-Star Aleksander Aamodt Kilde ist seit November zurück im Ski-Weltcup. Dies gleicht angesichts seines Horror-Sturzes 2024 und einer schweren Blutvergiftung einem Wunder. Der Norweger beschreibt seine Leidenszeit.
Aleksander Aamodt Kilde spricht über seine dramatischen Erlebnisse
Aleksander Aamodt Kilde spricht über seine dramatischen Erlebnisse
© IMAGO/GEPA pictures
Norwegens Ski-Star Aleksander Aamodt Kilde ist seit November zurück im Ski-Weltcup. Dies gleicht angesichts seines Horror-Sturzes 2024 und einer schweren Blutvergiftung einem Wunder. Der Norweger beschreibt seine Leidenszeit.

Aleksander Aamodt Kilde musste nach seinem schweren Sturz in Wengen im Januar 2024 durch die Hölle gehen. Auf der langen und beschwerlichen Reise bis zu seinem Comeback im November 2025 wurde der Norweger unter anderem von einer schweren Blutvergiftung zurückgeworfen.

Im Gespräch mit dem Kicker machte der Ski-Star deutlich, wie dramatisch die Situation wirklich war. „Ich dachte, dass ich etwas Falsches gegessen hätte. Mir war übel, ich hatte Fieber. Das wird eine Lebensmittelvergiftung sein, dachte ich. Mikaela (Shiffrin, Verlobte von Kilde) war davon nicht überzeugt“, erinnerte er sich an den Moment, bevor er sich ärztliche Hilfe suchte.

Bei der Untersuchung seiner roten und geschwollenen Schulter wurde dann das gesamte Ausmaß deutlich. „Das Einzige, was er jedoch aus meiner Schulter zog, war gelber Eiter. Besser wurde es auch nicht, als er mir die Röntgenbilder zeigte: „Aleks, das ist richtig schlimm!“ Normalerweise sind die Knochen, wie so ein Hundeknochen, gerade und glatt. Meine hingegen waren schon zackig, sie sahen aus wie die Felsspitzen im Grand Canyon", schilderte Kilde.

Ski-Star Kilde durchlebt Horror-Zeit: „Ich dachte, ich sterbe“

Erst hier wurde ihm klar, dass er keine Lebensmittelvergiftung, sondern „eine fürchterliche Infektion in der gesamten Schulter“ hatte, die sofort intravenös mit Antibiotikum behandelt werden musste.

Kilde wollte sich zwar einreden, dass die Sache schon nicht so dramatisch sei, jedoch wurde er vom Arzt schnell auf den Boden der Tatsachen geholt, als er seinem Arzt mitteilte, auf eine Hochzeit fliegen zu wollen.

„Aleks, du hast eine Sepsis, eine schwere Blutvergiftung. Du bist schwer krank und damit alles andere als transportfähig!“, habe dieser daraufhin gesagt. Letztlich musste Kilde drei Monate lang Antibiotikum nehmen. „Das war echt ein nicht endender Albtraum“, erinnert er sich an die vielleicht härtesten Momente seines Lebens.

„Noch nie hatte ich solche Schmerzen. Ich dachte, ich sterbe. Es gab Tage in all dieser langen Leidenszeit, da wollte ich mir am liebsten meinen Arm abreißen“, wählte er dramatische Worte.

Kilde trainierte ahnungslos weiter: „Bakterien fraßen sich durch die Knochen“

Erst jüngst hatte Shiffrin in einem Podcast zu verstehen gegeben, dass ihr Partner einen „lebensbedrohlichen Moment“ habe überstehen müssen.

Kilde kann von Glück reden, dass seine Lebensgefährtin geahnt hatte, dass eine schwerwiegende Erkrankung vorliegen könne. „Mein Immunsystem war und ist einfach zu gut. Jeder andere Körper hätte einem viel früher signalisiert, dass hier etwas nicht stimmt. Jeder andere Körper hätte Tage, wenn nicht Wochen zuvor, längst Alarm geschlagen“, erinnert sich Kilde an den Beginn der Erkrankung.

Während er trainierte, „griff die dämliche Entzündung“ aber schon seine Knochen an. „Die Bakterien fraßen sich förmlich in meine Knochen“, erklärte er mit einem Schaudern.

Kilde über Horror-Verletzung: „80 Prozent der Wadenmuskulatur abgetrennt“

Möglicherweise hat sein schwerer Sturz ihn schlichtweg auch abstumpfen lassen, was Schmerzen angeht. Die unmittelbaren Auswirkungen waren schließlich schon dramatisch genug. Lediglich die Knochen seien hier ganz geblieben. „Alles andere war - bei einem Auto würde man Totalschaden sagen - zerrissen, zerfetzt. Also Sehnen, Muskeln, Nerven“, führte er aus.

Der Ski-Star gab zu verstehen, dass durch die messerscharfen Kanten „80 Prozent der Wadenmuskulatur abgetrennt“ worden seien. Bis zu seiner OP habe das Fleisch herausgeschaut. „So etwas möchte ich nie wieder sehen, das können Sie mir glauben“, machte er deutlich.

Zwar machte ihm sein Arzt Hoffnung auf ein Comeback, jedoch sei „die Hölle“ gewesen, „wochenlang im Rollstuhl zu sitzen“.

Kilde bei Horror-Sturz durch Grippe geschwächt: „Konnte einfach nicht mehr“

Kilde hätte den schweren Crash verhindern können, wenn er seinem grippegeschwächten Körper die nötige Pause gegeben hätte. Er entschied sich jedoch, die Lauberhorn-Abfahrt, die das längste Rennen im Ski-Weltcup darstellt, zu bestreiten.

„Ich weiß, dass ich mit einer Grippe die zwei Minuten in Kitzbühel durchhalten kann. Was ich seit Januar 2024 weiß, ist, dass 2:30 Minuten einfach nicht gehen. Das ist zu lang“, musste Kilde feststellen. Sein Kopf sei bei den Toren „immer ein wenig hinterher “ gewesen. „Nach genau zwei Minuten ging mir damals die Power aus, ich konnte einfach nicht mehr“, erinnerte er sich an den letzten Abschnitt, bei dem Geschwindigkeiten von bis zu 160 km/h erreicht werden.

Kilde hat trotz Comeback zu kämpfen: „Werde nie wieder ganz der Alte sein“

Kilde hat in diesem Winter den Sprung zurück in den Weltcup geschafft. Seine beste Platzierung bisher war ein elfter Platz in Beaver Creek. Sein Fitnesslevel sieht er auf einer Skala von eins bis zehn bei einer sechs bis sieben.

„Das Bein ist wieder ganz gut, nur die Schulter zickt nach wie vor. Die Bewegungsfreiheit ist einfach noch nicht da. Mir fällt es heute, wenn wir gerade telefonieren, schwerer, am Brenner meine Maut mit der Kreditkarte zu bezahlen, als ein Rennen zu fahren“, beschrieb er die Folgeerscheinungen der schweren Verletzung. „Wahrscheinlich werde ich nie wieder ganz der Alte sein“, gab er zu verstehen.

Wichtig ist nun, einen weiteren Sturz auf seine Schulter zu vermeiden. „Das wäre absoluter Worst Case. Und genau deswegen werde ich auch nicht stürzen. Zumindest hoffe ich das natürlich“, schilderte er.

Eine mental schwierige Situation, bei der Kilde auch auf den Rückhalt seiner Partnerin baut. „Sie hat ja auch schon schwere Rückschläge in ihrer Karriere hinnehmen müssen. Mikaela ist ein unglaublich fürsorglicher Mensch. Sie war und ist jede Sekunde für mich da. Sie ist mein Rückhalt“, schwärmte er.

Wenn die besten Abfahrer der Welt am Wochenende in Wengen (im LIVETICKER) um Bestzeiten jagen, wird Kilde nicht dabei sein. „Dieses Jahr ist es einfach noch etwas zu früh“, gab er zu verstehen. Der 33-Jährige weiß inzwischen eben, Grenzen zu ziehen.