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München - Zion Williamson fällt mit einer Knieverletzung in den ersten Saisonwochen aus. Ein Negativbeispiel wird herausgeholt, die NBA fürchtet um ihr Gesicht.

Der Plan der NBA war klar: Das neue Wunderkind sollte direkt am ersten Tag der neuen Saison den Fans präsentiert werden.

Den New Orleans Pelicans wurde im Spielplan das Auftaktspiel bei den Toronto Raptors zugeteilt. Die erste Chance, um sich einen Eindruck vom kommenden Gesicht der Liga zu machen, live im nationalen Fernsehen.

Doch die Partie, die Toronto nach Verlängerung gewann, musste ohne ihre Hauptattraktion auskommen. Schlimmer noch: Zion Williamson fällt mit einem Meniskusriss lange aus, es ist von einer Ausfalldauer von sechs bis acht Wochen die Rede.

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Der riesige Hype ist erst einmal gebremst. Statt der Frage, wie gut der 19-Jährige werden kann, werden nun andere Thesen aufgeworfen: Kann Williamsons Körper einer (langen) NBA-Karriere standhalten?

Oder: Ist er sogar zu dick? Immerhin ist er mit 129 Kilogramm bei einer Größe von 1,98 Metern hinter Kult-Riese Boban Marjanovic (2,21 m) der zweitschwerste Spieler der Liga.

Ist Williamson zu dick?

In der Summer League, als Williamson wegen einer Knieprellung nur acht Minuten absolvieren konnte, kamen bereits erste Zweifel auf.

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Sein ehemaliger College-Coach, Mike Krzyzewski, sah Williamson wegen des Rummels und vieler Termine nicht in "Spielverfassung". ESPN-Analyst Seth Greenberg kritisierte seine Kondition, Jason Whitlock von Fox Sports wollte neun Kilo Übergewicht erkannt haben, Fans lästerten wegen eines Fotos.

Der frühere NBA-Star und heutige TV-Experte Charles Barkley gab zwar an, Williamson sehe nicht fett aus, stellte aber auch klar: "Er kann nicht mit 280 Pfund in der NBA spielen. Er kann nicht mit diesem Gewicht spielen, das übt zu viel Stress auf seine Knie aus."

Nun haben seine Knie nachgegeben – aus welchen Gründen auch immer.

Griffin verteidigt Williamsons Verfassung vehement

"Das ist einfach idiotisch", sagte David Griffin, als es um die Zweifel an Williamsons Verfassung ging.

Der General Manager der Pelicans verwies auf Williamsons starke Leistungen in der Preseason, die er in der gleichen, "elitären" Verfassung gebracht hatte.

Dort hatte er mit durchschnittlich 23,3 Punkten und 6,5 Rebounds in vier Partien überzeugt, ehe ihn seine Knie ausbremsten.

Williamson habe einfach einen "einzigartigen Körper " mit besonderen physischen Merkmalen. "Er baut so schnell Muskelmasse und Gewicht auf, wie es wahrscheinlich noch niemand gesehen hat", meinte Griffin.

Niemand weiß genau, wann sich Williamson die Verletzung zugezogen hat. Es habe keine Schwellungen gegeben, sagte Griffin. Es sei eine "faszinierende Sache". Oder vielleicht eher alarmierend?

Ist Zions Spielweise gesund?

Denn natürlich ist Williamson ein "Freak of nature"; ihm Gewichtsprobleme anzudichten, ist erst einmal unangebracht. Sein Körper bringt ihm definitiv mehr Vor- als Nachteile.

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Dennoch stellt sich die Frage, ob dieser mit seiner Spielweise langfristig zu vereinbaren ist. Denn es gibt sicherlich gesundheitsförderndere Dinge, als regelmäßig mit knapp 130 Kilogramm wie ein Flummi 115 cm hochzuspringen. Außerdem ist er in der heutigen NBA auf die Position des Power Forwards festgelegt. Dort bekommt er es eben nicht nur mit Shootern zu tun, es kann auch richtig physisch zugehen.

Wegen seiner unmenschlichen Power wurde Zion in der Vergangenheit häufig mit LeBron James verglichen, der in seiner Karriere weitestgehend verletzungsfrei geblieben ist. Allerdings war der "Chosen One" vor seinem NBA-Start 20 Kilogramm leichter als sein Nachfolger. Zudem kam James auf der kleinen Flügelposition in die Liga und war diesen Gegenspielern klar überlegen.

Zions Verletzungshistorie ist zwar alles andere als dramatisch, nimmt jedoch langsam, aber sich Formen an.

Williamson weckt Erinnerungen an Oden

An der High School schlug sich Williamson mit kleineren Fuß-, Knie- und Handblessuren herum. Am College bei Duke verpasste er sechs Partien wegen einer Knieverstauchung, nachdem er seinen Schuh zum Platzen gebracht hatte und umgeknickt war.

Auch in der Summer League machte das Knie Probleme, wenngleich sein Kurzauftritt nur als Vorsichtsmaßnahme galt. Die neuerliche Verletzung, noch vor dem ersten NBA-Spiel, weckt bei Fans böse Erinnerungen.

Denn als Williamsons längerfristiger Ausfall am Montag bekannt wurde, trendete ein Name bei Twitter: Greg Oden. Der Center wurde einst hochgehandelt, als kommender Dominator angesehen. Im NBA-Draft 2007 zogen ihn die Portland Trail Blazers an erster Position – vor einem gewissen Kevin Durant.

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Doch beim 2,13-Meter-Hünen verhinderten die Knie die erwartete NBA-Karriere. Eine Operation kostete ihn seine gesamte erste Saison, anschließend absolvierte Oden gerade einmal 114 NBA-Partien.

Ein ähnliches Schicksal gilt es mit aller Macht zu verhindern – für Williamson selbst, für die Pelicans und die NBA.

Williamson als Gesicht der NBA

Denn die Liga sieht Williamson als ihr kommendes Gesicht. Er ist der Rookie mit den meisten Followern in den sozialen Medien der Liga-Geschichte – wenngleich das bei der Entwicklung und der heutigen Bedeutung der Kanäle wenig verblüffend ist.

Insgesamt 30 Mal werden die Pelicans in dieser Saison im nationalen Fernsehen zu sehen sein. Bei aller Liebe für Jrue Holiday, Lonzo Ball und Brandon Ingram – dafür ist allein Williamson verantwortlich.

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In den Anfangswochen fällt der Zuschauermagnet, der selbst Barack Obama zu Dukes Duell mit North Carolina lockte, weg. Erst im Dezember soll er sein heiß ersehntes Debüt geben.

Die Pelicans werden also aus guten Gründen behutsam mit ihrem Super-Rookie umgehen. "Es ist wichtig für seine langfristige Gesundheit, dass er sich komplett erholt und mögliche Faktoren, die zu der Verletzung geführt haben, untersucht werden", sagte Verletzungsexperte Jeff Stotts bei Bleacher Report.

In der Hoffnung, dass der Meniskusriss nur ein blöder Zufall war - und nicht ein Vorbote auf eine Karriere, die nie zu der wurde, die sie sein sollte.

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