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Freiburg - Der Sieg in Freiburg ist für den BVB ein Schritt in die richtige Richtung - und ist auch für den in die Kritik geratenen Jürgen Klopp ein Stück Rehabilitation. Der Coach warnt dennoch.

Mats Hummels jubelte hinterher bei den Fans auf dem Zaun.

Er dürfte es so gewollt haben, einerseits. Andererseits: Er musste es auch. Es war so angeordnet.

"Ich habe den Jungs gesagt, dass sie sich verdammt nochmal wieder richtig freuen sollen", teilte Jürgen Klopp nach dem 3:0-Sieg beim SC Freiburg mit, dem lang ersehnten Befreiungsschlag für Borussia Dortmund.

"Wir waren zuletzt die einzige Fußballmannschaft der Welt, die sich nicht mehr freuen, sondern nur noch erleichtert sein durfte", befand der BVB-Trainer.

Freiburg kommt gerade recht

Ob das wirklich so war und ob der BVB damit wirklich allein auf der Welt war - seis drum. An diesem Samstagabend jedenfalls war beides groß: Freude und Erleichterung.

Nach fünf Partien ohne Sieg kam der schwache und völlig chancenlose Lieblingsgegner im Kellerduell gerade recht (Datencenter: Ergebnisse und Spielplan).

Klopp und sein stark verbessertes Team feierten den zehnten Sieg in Folge gegen den SC und verbesserten sich vom letzten Tabellenplatz auf Rang 16 (Datencenter: Tabelle).

Aubameyang bestätigt Klopps Rochade

"Vieles geht natürlich noch besser. Aber es war der erste Schritt in die richtige Richtung", sagte Klopp, dessen Klub nach dem ersten Auswärtssieg seit 162 Tagen vom letzten auf den drittletzten Platz kletterte: "Das ist der richtige Schritt auf dem Weg zur Genesung gewesen."

Dass es dem westfälischen Patienten und seinem angezählten Trainer wieder besser geht, hat der BVB in erster Linie Pierre-Emerick Aubameyang zu verdanken (Das Spiel zum Nachlesen im Ticker).

Den ersten Treffer durch Marco Reus (9.) bereitete der überragende Gabuner vor, die anderen beiden Tore erzielte Aubameyang selbst (56. und 72.).

Er bestätigte damit Klopps Entscheidung, auf den Afrika-Cup-Heimkehrer und nicht auf dessen glücklose Sturmkollegen zu setzen. Ciro Immobile wurde von Klopp auf die Bank beordert, Elf-Millionen-Einkauf Adrian Ramos stand nicht mal im Kader.

Klopps Rezept: Positive Gedanken

"Wir hatten definitiv ein Kopfproblem. Das hat der Trainer in der Sitzung am Freitag auch klar angesprochen. Er hat dabei die richtigen Worte gefunden und uns positiv eingestellt", sagte Aubameyang im Anschluss an seine Gala vor 24.000 Zuschauern im ausverkauften Schwarzwaldstadion: "Deshalb hatten wir nur positive Gedanken im Kopf."

Klopp bestätigte, dass die Mentalität sein Ansatzpunkt war:

"Wir haben versucht, endlich mal einen positiven Ansatz zu wählen. Die Jungs sollten endlich anfangen, wieder an sich zu glauben. In unserer Situation ist es wichtig, dass man sich auch vorstellen kann, Spiele zu gewinnen."

Watzke: "Waren sie in der Antarktis?"

Genau diese Vorstellungskraft schien dem Vize-Meister immer mehr abhanden zu kommen, was zuletzt auch Klopp in ungeahnte Bedrängnis brachte.

Nach dem 0:1 gegen Augsburg kursierten trotz aller gegenteiligen Beteuerungen Rücktrittsspekulationen und Berichte, dass auch innerhalb des Klubs kritische Stimmen aufkommen würden.

SC Freiburg v Borussia Dortmund - Bundesliga
Christian Streich (l.) gratuliert nach dem Abpfiff BVB-Coach Jürgen Klopp © Getty Images

Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke trat alldem vor dem Spiel einmal mehr mit Macht entgegen. "Wo waren die in den letzten sechs Jahren, in der Antarktis?", fragte er bei Sky die Klopp-Skeptiker: "Es kann nicht sein, dass jemand der sechs Jahre gute Arbeit geleistet hat, das auf einmal verlernt hat."

Klopp spricht Warnung aus

Der Auftritt in Freiburg stützte diese Einschätzung - wobei er auch durch die Schwäche des Gegners begünstigt war: Von einem "furchtbaren Spiel" seines Teams sprach SC-Trainer Christian Streich, dessen Team auf Platz 17 zurückfiel.

Nicht zuletzt deshalb versah Klopp seinen Feierbefehl mit der Warnung, dass sich mit dem Sieg nicht alles in Wohlgefallen aufgelöst habe.

"Wenn es so einfach wäre, dann müssten wir zukünftig nur das Richtige sagen - und dann läuft's", sagte der 47-Jährige: "Dieser Sieg bedeutet nicht, dass wir die nächsten vier Spiele gewinnen. Aber wir haben unsere Situation angenommen."

Am kommenden Freitag, gegen Klopps Ex-Klub Mainz 05, ist diese These zu belegen.

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