Videobeweis-Ärger: Hollerbach bleibt bei "Fehlentscheidung!"
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Bremen - Werder Bremen landet im hitzigen Nordderby gegen den HSV mit einem Lucky Punch einen Last-Minute-Sieg und stürzt den Nordrivalen noch tiefer in die Krise.

Die Stimmungslage im Lager des Hamburger SV reichte von Enttäuschung bis Niedergeschlagenheit, aber von Aufgeben sprach nach der 0:1-Niederlage im Nordderby bei Werder Bremen niemand. Die Themen des Abends waren das umstrittene Bremer Siegtor und die Ausschreitungen der Chaoten im HSV-Block.

"Es ist total enttäuschend, wenn man kurz vor Schluss so ein Abseitstor hinnimmt", sagte HSV-Boss Heribert Bruchhagen zu SPORT1. "Wir sind enttäuscht, aber es gibt keine Resignation", betonte Bruchhagen.

Bei Sky griff Bruchhagen die Video-Schiedsrichter auch persönlich an ("Dann haben die halt nicht Fußball gespielt. Dann sind sie halt bewusst Schiedsrichter geworden, weil sie dort besser aufgehoben sind") - wofür er sich am Tag darauf entschuldigte.

"Wir sind leider durch eine strittige Situation unterlegen. Wir haben alles dafür gegeben, dass wir drei Punkte holen, aber es hat nicht gelangt", meinte HSV-Trainer Bernd Hollerbach und ergänzte: "Wir haben noch zehn Spiele und werden alles raushauen."

Ein Eigentor von Rick van Drongelen in der 86. Minute besiegelte die unglückliche 0:1-Pleite im Nordduell - allerdings war der Treffer umstritten und wurde erst nach Zurateziehen des Video-Assistenten gefällt.

Die Highlights des Spiels am Sonntag ab 9.30 Uhr bei Bundesliga Pur im Free-TV auf SPORT1 und im TV-Livestream

Wirbel um Bremens Siegtreffer

"Wir hätten ein Unentschieden verdient gehabt, aber am Ende ist leider eine Fehlentscheidung passiert. Für mich war es ein klares Foul an van Drongelen, er wird am Standbein getroffen", erklärte Trainer Bernd Hollerbach. "Wenn es kein Abseits war, war es ein Foul. Da fragt man sich, warum in Köln die Sache so bewertet wird."

"Ein Derby zu verlieren tut brutal weh, dann auch noch in der 86. Minute und durch Abseits", meinte Andre Hahn zu SPORT1.

Schiedsrichter Felix Zwayer sagte zur strittigen Szene: "Wenn alle Gelehrten darüber streiten, dann ist es keine Situation, die klar und eindeutig ist. Am Ende ist mit dem technischen Hilfsmittel der Linie eine korrekte Entscheidung getroffen worden."

HSV am Abgrund zur 2. Liga

Fakt ist: Der HSV ist seit elf Spielen sieglos und steht als Vorletzter mit 17 Punkten am Abgrund zur 2. Liga. Werder hat bereits neun Punkte Vorsprung auf den taumelnden Bundesliga-Dino (das Spiel im TICKER zum Nachlesen) und schob sich auf Rang 14 vor. (Bundesliga-Tabelle)

"Das war keine Vorentscheidung, es war ein guter Schritt für uns und wahrscheinlich auch ein Nackenschlag gegen den HSV", erklärte Werder-Trainer Florian Kohfeldt bei SPORT1: "Wir tun aber alle gut daran, niemanden abzuschreiben."

HSV-Boss Bruchhagen gab sich kämpferisch. "Wir müssen unsere Mannschaft schützen, damit sie alles dafür tun kann, ihre Restchance zu nutzen. Eine meiner wesentlichen Aufgaben ist es, dass nicht alles selbstzerstörerisch auf den HSV zugeht. Aber noch ist es nicht so weit. So lange noch eine Chance besteht, werden wir alles dafür tun."

Pyro-Ärger führt fast zu Spielabbruch

Für jede Menge Ärger sorgten die Pyro-Zündeleien von einigen Chaoten im HSV-Block sowie Ausschreitungen nach dem Derby. Zwayer musste die Partie in der 4. und 44. Spielminute jeweils kurz unterbrechen und drohte bei anhaltenden Vergehen sogar mit einem Spielabbruch. Nach dem 1:0 wurden weitere Feuerwerkskörper gezündet.

"So etwas hat noch keiner Mannschaft geholfen", sagte Bruchhagen und bezeichnete die Randalemacher als "Fußball-Zerstörer". Man müsse "weiter unverdrossen daran arbeiten, diese Jungs rauszukriegen aus dem Fußball. Dabei müssen uns auch unsere Fans, die den Fußball lieben, helfen.

Der HSV legte durchaus forsch los und spielte nach einigen Störungen von den Rängen mutig nach vorne. Doch die erste Torchance gehörte den überraschend passiven Grün-Weißen. Ein abgefälschter Linksschuss von Maximilian Eggestein strich knapp am Tor von HSV-Torhüter Christian Mathenia vorbei (15.). Dennoch fehlte es an jeglichem Schwung im Spiel der Bremer, bei denen Kohfeldt auf personelle Experimente verzichtet hatte.

HSV im Pech nach Pavlenka-Patzer

Die neue Grundordnung der zweikampfstarken Hamburger schmeckte den Gastgebern in der ersten halben Stunde nicht. Schlüsselspieler Max Kruse fehlten zunächst die zündenden Ideen, auf den Außenbahnen gelang Florian Kainz und Zlatko Junuzovic nur wenig.

"Es fühlt sich überragend an, Derbysieger zu sein", so Max Kruse. "Ich hatte das Gefühl ja schon mit dem FC St. Pauli - aber hier mit Werder fühlt sich das auch sehr sehr schön an!"

Der HSV war besser drin und wurde nach Standards gefährlich. Ein Wackler von Werder-Keeper Jiri Pavlenka führte beinahe zur Gäste-Führung, doch Hahn und Gideon Jung verpassten im Gestocher knapp (25.). (Alle Ergebnisse des 24. Spieltags)

Anschließend verflachte die ohnehin nicht hochklassige Partie weiter. Beide Teams leisteten sich immer wieder leichte Abspielfehler im Mittelfeld und agierten zu uninspiriert, um gefährlich zu werden.

Werder drängt auf Sieg und wird belohnt 

Zu Beginn der zweiten Hälfte rückte nach dem Pyro-Ärger der Fußball wieder in den Mittelpunkt. Werder verstärkte seine Offensivbemühungen, spielte aber immer wieder zu schlampig in der gegnerischen Hälfte.

Der HSV zog sich zeitweise tiefer zurück und lauerte auf Konterchancen, wie beim Fernschuss des Ex-Bremers Aaron Hunt (60.). 

In der Schlussphase nahm die Partie noch einmal an Fahrt auf. Eggestein verfehlte aus der Distanz nur knapp (72.) und auch der HSV witterte weiter seine Chance auf einen Befreiungsschlag.

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