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München - Uli Hoeneß bleibt auch die kommenden vier Jahre Aufsichtsratschef des FC Bayern. Wie passt der "ewige Uli" mit dem angestrebten Umbruch zusammen?

"Das war's noch nicht!" Die Ankündigung von Uli Hoeneß aus dem Jahr 2014, kurz bevor er seine Haft antrat, hallt immer noch nach.

Oder um es mit den Worten von Trainer Niko Kovac zu sagen: "Er ist der FC Bayern." Und der Klub ist offenbar doch noch "seiner" und bleibt es auch bis auf Weiteres.

In seiner wohl schwersten Zeit beim deutschen Rekordmeister und nach Wochen des Zweifelns ist Hoeneß als Aufsichtsratschef bestätigt worden. Für vier weitere Jahre wählte ihn der Aufsichtsrat der FC Bayern München AG.

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Folgt nun im kommenden Jahr auch eine erneute Kandidatur als Präsident des Vereins? Und ist der Umbruch in der Münchner Führungsetage damit ad acta gelegt? SPORT1 beleuchtet, was die Wiederwahl bedeutet.

Hoeneß kämpft sich durch turbulente Adventszeit

"So etwas habe ich noch nicht erlebt, und ich hoffe, dass sich das wieder ändert, sonst ist das nicht mehr mein FC Bayern", hatte Hoeneß auf SPORT1-Nachfrage bei einem Fanklubbesuch am ersten Advent gesagt.

Zwei Tage zuvor hatte ihn ein Fan auf der Jahreshauptversammlung scharf kritisiert - und den Kluboberen damit sichtlich und hörbar getroffen. Hoeneß stellte gar seine Zukunft beim FC Bayern infrage. Bei dem Verein, den er nun fast 40 Jahre lang in führender Funktion geprägt hat.

Aber: "Uli Hoeneß ist immer ein Kämpfer gewesen", wie Kovac es formulierte. Der FCB-Coach hielt vor der Partie gegen RB Leipzig (Bundesliga: FC Bayern - RB Leipzig, ab 20.30 Uhr im LIVETICKER) ein flammendes Plädoyer für Hoeneß. 

"Er ist eine absolute Identifikationsfigur", sagte Kovac bewundernd. "Dass er noch vier Jahre weiter machen will, zeigt, welche Liebe er für den Verein hat."

Rummenigge und Hoeneß - wo ist Platz für frisches Blut?

Pure Vereinsliebe - oder doch Klammern ans Lebenswerk?

Erst Ende November verkündete Hoeneß, dass nun "alle im Verein" die Weichen für die nächsten Jahre stellen müssten. Die Botschaft: Der Umbruch kommt, das Zepter wird weitergereicht. Doch statt frischen Bluts führt Hoeneß den Bayern-Aufsichtsrat bis 2022 weiter an.

Karl-Heinz Rummenigge freut sich "auf eine erneut gute, harmonische und loyale Zusammenarbeit". Dass der Vorstandsvorsitzende selbst ebenfalls weitermacht und den Ende 2019 auslaufenden Vertrag um zwei Jahre verlängert, wird nach Hoeneß' Willen reine Formsache sein und noch in den kommenden Tagen geklärt.

"Wir haben vereinbart, dass vor Weihnachten eine Entscheidungen darüber gefällt wird, ob er weitermacht. Aus meiner Sicht würde ich mich darüber sehr, sehr freuen", sagte Hoeneß. Beide Bayern-Bosse zelebrieren damit eher den Status quo als einen Umbruch einzuleiten.

Zwei Varianten des Bayern-Umbruchs

Doch womöglich ist aufgeschoben nicht gleich aufgehoben und der Umbruch folgt in den kommenden Jahren. Geordnet und unter den Fittichen von Hoeneß. Eine zentrale Rolle soll dabei Oliver Kahn einnehmen, den sich Hoeneß zuletzt noch "warmhalten" wollte - denkbar sind zwei Varianten.

Im radikaleren Schritt verzichtet Hoeneß 2019 auf eine erneute Kandidatur als Bayern-Präsident. Als Aufsichtsratsvorsitzender bleibt er ohnehin der starke Mann an der Säbener Straße. Womöglich macht er den Weg frei für einen Präsidenten Rummenigge.

Ergebnis dieser theoretischen Personal-Rochade: Klub-Legende Kahn könnte den Posten als Vorstandsboss übernehmen, der an jemanden mit Fußball-Fachexpertise und nicht nur reinem Wirtschaftswissen gehen dürfte, und in bedeutender Position in die Münchner Führungsetage einsteigen.

Allerdings wäre dieses Szenario ein regelrechter Kaltstart für Kahn und ein großes Wagnis. Wahrscheinlicher erscheint daher Variante zwei.

Ein Platz für Oliver Kahn

Hoeneß stellt sich erneut zur Wahl als Präsident, Rummenigge verlängert seinen Vorstandsvorsitz bis Ende 2021 - und Kahn stößt im kommenden Jahr als "Edel-Azubi" hinzu.

Während die beiden Granden weiter die Fäden im Verein in den Händen halten, könnte sich der frühere Welttorwart in erster Linie um sportliche Belange kümmern und in die neue Aufgabe einfinden. Ein ähnliches Modell vollzogen die Rot-Weißen bereits bei Matthias Sammer, der als Sportvorstand fungierte (2012-2016), sein Engagement beim Rekordmeister aber aus gesundheitlichen Gründen beendete.

Mit dem Abschied Rummenigges würde dann Kahns Einstieg in die bajuwarische Vereinsspitze vollendet werden.

Ein Zwei-Stufen-Prozess, der gangbar wirkt - nur nicht in den Augen von Hasan Salihamidzic, der sich klar gegen einen Job unter Kahn ausgesprochen hat. Die Weichenstellung des FC Bayern birgt also Brisanz, so oder so.

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