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München - Marco Roses Wechsel zu Borussia Mönchengladbach ist fix. Was ist er für ein Trainer? Bei SPORT1 sprechen unter anderem sein Kumpel und einer seiner Ex-Spieler.

Es war in den vergangenen Monaten in Österreich und zuletzt auch in Deutschland ein heißes Thema. Was wird aus Marco Rose? Seit Mittwoch ist seine Zukunft geklärt. Der 42-Jährige verlässt nach dieser Saison Red Bull Salzburg und wird neuer Trainer von Borussia Mönchengladbach, folgt damit auf Dieter Hecking. Gladbach hat für ihn eine Ablöse gezahlt, diese soll zwischen einer und drei Millionen Euro liegen.   

Rose war heftig umworben in der Bundesliga. Immer, wenn es zuletzt Spekulationen auf dem Trainermarkt gab, fiel der Name des gebürtigen Leipzigers. Es gab einen regelrechten Hype um ihn. Verantwortliche, Spieler und Fans von Borussia können sich auf einen spannenden Trainer freuen.

Doch was ist Rose für ein Typ und warum war er so begehrt?

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"Logische nächste Schritt"

"Er war extrem erfolgreich in Salzburg. Für Rosi ist die Bundesliga daher der richtige und auch logische nächste Schritt", sagt Sandro Schwarz im Gespräch mit SPORT1. Der Chefcoach von Mainz 05 ist der beste Freund von Rose. "Ich traue ihm die Aufgabe absolut zu. Man muss aber auch sagen, dass Dieter Hecking dort herausragende Arbeit absolviert hat und das auch die nächsten sechs Spiele machen wird."

Auch Reinhold Yabo ist davon überzeugt, dass Rose in der Bundesliga funktionieren wird. "Es freut mich sehr für ihn, dass er Trainer in Mönchengladbach wird. Diese Mannschaft passt zu ihm", sagt der Mittelfeldspieler von Arminia Bielefeld zu SPORT1.

Von Juli 2017 bis Dezember 2018 spielte Yabo bei Red Bull Salzburg unter Rose. "Mit seiner Art, wie er Fußball lehrt und mit Spielern umgeht, wird er schnell den nötigen Respekt bekommen." 

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Yabo schwärmt: "Ein Wahnsinnstyp"

Yabo lobt Rose in den höchsten Tönen. "Er ist ein Wahnsinnstyp und genialer Trainer, fachlich und menschlich top", sagt der 27-Jährige. "Er weiß auch sehr gut mit seinen Spielern umzugehen, geht sehr individuell mit jedem einzelnen um." Im Kollektiv wisse Rose eine Mannschaft "toll zusammenzuführen, die dann auch homogen ist und funktioniert".

Seine erfolgreichste Zeit als Spieler hatte Rose, der liiert ist und Vater einer Tochter ist, von 2002 bis 2010 bei Mainz 05. Sein Trainer dort von 2001 bis 2008: Jürgen Klopp. 2010 startete Rose seine eigene Trainerkarriere. Als Assistenzcoach bei den Nullfünfern. Damals hatte er engen Kontakt zu Thomas Tuchel (heute Paris Saint-Germain), der die Profis trainierte. Im Juni 2017 wurde Rose Cheftrainer von Red Bull Salzburg. Gleich in seiner ersten Saison gewann er die österreichische Meisterschaft, erreichte das Halbfinale der Europa League und das Finale des österreichischen Pokals, das gegen Sturm Graz verloren wurde.

Ein überraschender Coup gelang Rose in der Spielzeit 2016/2017, als er die Jugend von Salzburg zum Sieg in der Youth League führte. Der Erfolg hat seinen Stellenwert auf jeden Fall positiv beeinflusst. Einen seiner größten Siege feierte er zum Start der Gruppenphase in der Europa League im September 2018 ausgerechnet im Prestigeduell bei RB Leipzig. Die Salzburger gewannen mit 3:2. Ein weiterer Erfolg: Rose kegelte mit seinem Team 2017/2018 im Achtelfinale der Europa League Borussia Dortmund raus, erst gab es einen 2:1-Sieg beim BVB, im Rückspiel dann ein 0:0. 

Roses Vertrag in Salzburg ist noch bis Juni 2020 datiert, doch aufgrund einer Ausstiegsklausel war der Weg frei für die Bundesliga. 

"Ich suche im Sommer eine neue Herausforderung", erklärte Rose am Mittwoch auf der Pressekonferenz. Der nächste Schritt also. Die Bundesliga ist allerdings komplettes Neuland für ihn. 

Rose steht für Powerfußball

Borussias Sportdirektor Max Eberl ist überzeugt von seinem neuen Cheftrainer, attestierte Rose in den vergangenen sechs Jahren "hervorragende Arbeit".

Rose steht für Powerfußball. Sein Spielstil in Salzburg war immer von Aggressivität, Intensität und einem blitzschnellen Umschaltspiel geprägt. Bei Rose soll auch vieles auf dem Platz spielerisch gelöst werden. Mit viel Laufstärke und Geschwindigkeit. Ein entscheidendes Merkmal des Rose-Systems ist ansehnliches Ballbesitzspiel. Oft lässt der Sachse in einem 4-1-2-1-2-System mit Raute im Mittelfeld spielen.

Einer, der ihn aktuell regelmäßig auf dem Trainingsplatz erlebt, ist Red-Bull-Torwart Alexander Walke. Auch er findet nur positive Worte über Rose. "Er leistet von Beginn an erfolgreiche Arbeit, das macht natürlich interessant. Dabei haben wir nicht nur national stark gespielt, sondern auch international. Für eine österreichische Mannschaft ist es alles andere als selbstverständlich, dass sie - so wie wir vergangene Saison - bis ins Europa League-Halbfinale kommt", sagt der Keeper zu SPORT1.

"Offen und ehrlich" sei Rose und er kommuniziere "klar mit den Spielern, aber auch mit allen anderen". Und der Coach könne beide Seiten, nämlich "lustiges Miteinander, wenn es passt, und auch strenges Einfordern von Leistungen, wenn es notwendig ist".

Klare Spielidee "ohne Plan A auf Teufel komm raus"

Rose hat als Fußballlehrer eine klare Spielidee. Eine seiner Stärken: Er kann sich und das Team sehr gut auf gegnerische Mannschaften einstellen. "Ohne Plan A auf Teufel komm raus durchzuziehen, da sind wir recht flexibel", erklärt Walke.

Er habe "eine immense Präsenz und Ausstrahlung", meint Yabo und fügt lächelnd an: "Allein schon von seiner Statur, wenn man vor ihm steht."

Rose sei zudem ein Typ, "der gerne vorne weg" gehe und "von den Dingen, die er sagt und Trainingsinhalten absolut überzeugt ist", sagt Yabo. "Er ist so begehrt, weil er etwas vorzuweisen hat."

Roses Schwächen: Walke traut sich nicht

Bei Roses Schwächen will sich Walke nicht so weit aus dem Fenster lehnen. "Die traue ich mich nicht zu sagen, weil er noch bis Saisonende unser Trainer ist", meint er und lacht dabei.

Als "sehr angenehme, erfolgreiche Zeit" beschreibt Walke die gemeinsamen Jahre mit Rose. "Und sie ist noch nicht vorbei, weil wir noch zwei große Ziele haben (Gewinn der Meisterschaft und des Pokals, d. Red.)." (Service: Tabelle der Bundesliga Österreich)

Thorsten Fink war 2017/2018 als Trainer von Austria Wien direkter Konkurrent von Rose in der Liga. Auch er hat eine hohe Meinung vom neuen Gladbach-Coach: "Marco Rose macht auf mich immer einen guten Eindruck", sagt der 51-Jährige bei SPORT1, "und er hat mit Red Bull Salzburg wirklich sehr viel erreicht, allein die Erfolge in der Europa League tragen unweigerlich seinen Namen. Er ist ein smarter, positiver Typ mit einer guten Ausstrahlung."

Die will er nun von den Bullen zu den Fohlen mitnehmen.

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