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München - Oliver Glasner ist ein Trainer-Novize in der Bundesliga - und nach Hütter und Co. der nächste Österreich-Export. Sein Chef sagt ihm eine rosige Zukunft voraus.

Dass Erfolg Begehrlichkeiten weckt, ist nicht erst seit gestern so. Speziell im Fußballgeschäft. 

Natürlich hatte auch Jörg Schmadtke, der Geschäftsführer des VfL Wolfsburg, sich längst die Handynummer eines Trainers besorgt, der ihm in den vergangenen Monaten positiv aufgefallen war, nachdem die Trennung von Bruno Labbadia beschlossene Sache war.

Die Rede ist von Oliver Glasner, aktuell noch Trainer des österreichischen Erstligisten Linzer ASK.

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Glasner tritt in Wolfsburg Erbe von Labbadia an

Glasner soll es ab Sommer bei den Wölfen richten. Ein weiterer Fußballlehrer aus Österreich also, der in der Alpenrepublik auf sich aufmerksam gemacht hat - wie vor ihm schon Peter Stöger (Austria Wien, 1. FC Köln und Borussia Dortmund), Adi Hütter (Red Bull Salzburg, Young Boys Bern, jetzt Eintracht Frankfurt) oder der Deutsche Marco Rose (Red Bull Salzburg, ab Sommer Borussia Mönchengladbach).

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Anfangs konnten Experten und Fans nicht so recht glauben, dass Glasner ganz oben auf Schmadtkes Zettel stehen soll.

Doch spätestens nachdem die Wolfsburger die Verpflichtung des 44-Jährigen offiziell bekanntgaben, war die Überraschung in der Branche groß. Und der Frustfaktor in Linz nicht wegzureden. 

Lachendes und weinendes Auge in Linz

"Wir betrachten diesen Schritt mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Natürlich wären wir gerne mit Oliver Glasner in die neue Spielzeit gegangen. Die vorliegende Konstellation stellt sich für uns jedoch so dar, dass wir - anders als 99 Prozent aller Vereine - den Trainer nicht im Misserfolg, sondern in einer sehr erfolgreichen Zeit wechseln", sagt LASK-Präsident Dr. Siegmund Gruber zu SPORT1.

Vor allem den Zeitpunkt der Bekanntgabe des Wechsels wertet der Linz-Boss als positiv. Dieser verschaffe dem LASK "ein hohes Maß an Planungssicherheit. Ein Trainerwechsel während der laufenden Saison würde eine gänzlich andere Konstellation darstellen."

Glasner ein "absoluter Teamplayer"

Glasner wird in der Branche als bodenständig und sachlich beschrieben. "Dieser Eindruck ist sehr zutreffend", meint Gruber, "wir durften Oliver zudem als absoluten Teamplayer kennenlernen. Als solcher bringt er seinem Umfeld ein hohes Maß an Vertrauen entgegen. Dabei trifft er stets die letzte Entscheidung. Oliver zeichnet aus, dass er sich auch im Misserfolg nicht scheut, Verantwortung zu übernehmen und voranzugehen."

Und was sind seine Stärken als Trainer? "Oliver zeichnen neben seiner enormen Fachkompetenz vor allem seine Akribie, sein Perfektionismus, aber auch sein enormer Arbeitseinsatz aus", beschreibt Gruber seinen scheidenden Trainer.

So sei es ihm beispielsweise wichtig, "jeden noch so kleinen Prozentpunkt zugunsten der Mannschaft herauszuholen. Oliver geht es darum, die Voraussetzungen für die bestmögliche Performance der Mannschaft zu schaffen." Glasner überlasse dabei "nichts dem Zufall".   

Linz vor drei Jahren noch in der Zweiten Liga

Fans und Experten in Österreich sind sich jedenfalls einig: Mit dem LASK auf Platz zwei zu stehen, ist aller Ehren wert. Vor drei Jahren spielte der Klub noch in der Zweiten Liga, hatte finanzielle Probleme, mit dem Aufstieg 2017 hat man sich komplett neu aufgestellt und schreibt inzwischen wieder schwarze Zahlen.

Dank Glasner träumen sie in Linz wieder von goldenen Zeiten - und müssen gerade trotzdem zittern: Aktuell würde Platz zwei in der Liga (hinter Salzburg) noch für die Qualifikation zur Champions League reichen - aber wenn Ajax Amsterdam die Königsklasse gewinnen sollte, verliert die österreichische Liga ihren festen Startplatz (für den Meister) wieder. Damit bliebe nur ein Startplatz in der CL-Quali - und Linz könnte als Zweiter "nur" in die Europa League.

Dass Linz überhaupt im Rennen um das internationale Geschäft ist, verdankt der Klub dem offensivem Fußball im Stil von Red Bull Salzburg, den Glasner dem Team verordnet hat.

Offensiver Fußball unter Glasner

"Er steht für einen modernen, offensiven Fußball. Die Spieler attackieren in seinem System mutig nach vorne", lobt Gruber, der aber auch verrät, dass Glasners Spielweise von den Spielern als "sehr anspruchsvoll" beschrieben wird.

Und bei allen Erfolgen in Österreich - die Bundesliga ist absolutes Neuland für Glasner. Natürlich gibt es das positive Beispiel von Erfolgscoach Adi Hütter bei Eintracht Frankfurt. Und dennoch stellt sich die Frage: Wie wird dessen Landsmann in Wolfsburg zurechtkommen?

"Wir sind der festen Überzeugung, dass Oliver das perfekte Rüstzeug für diese neue Herausforderung mitbringt", meint Gruber. "Der große Erfolg, den er in Linz hat, ist ihm auch in Wolfsburg absolut zuzutrauen. Wenn ihm das gelingt, ist die Bundesliga möglicherweise nicht seine letzte Station."

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