So lief Tuchels Flipchart-Treffen mit Neymar
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München und Paris - Er mistet seinen Kader aus, stellt den Speiseplan um - und wird zum Nachtwächter von Paris. Thomas Tuchel zieht nach nur wenigen Wochen bei PSG die Zügel gehörig an.

Thomas Tuchel war nicht zu Scherzen aufgelegt.

"Ich habe keine Angst vor all den Stars", sagte der Schwabe, als ihn der schwerreiche katarische Investor Nasser Al-Khelaifi am 20. Mai im Prinzenpark als Trainer von Paris Saint-Germain vorstellte. Ihm komme es darauf an, einen "gewissen Geist" und eine "gewisse Atmosphäre" zu schaffen.

Etwas mehr als zwei Monate später wissen sie in der französischen Hauptstadt, dass Tuchel ein Mann der Taten ist. Der frühere Bundesliga-Trainer stellt bei PSG alles auf den Prüfstand. SPORT1 gibt einen Überblick.

- Kader-Renovierung

Stars, die unter ihren Möglichkeiten spielen und dem Klub wegen ihrer hohen Gehälter auf der Tasche liegen, werden von Tuchel knallhart aussortiert.

Javier Pastore (für 25 Millionen Euro zur AS Rom) und Yuri Berchiche (für 24 Millionen Euro zu Athletic Bilbao) mussten schon Ende Juni ihre Koffer packen, um die Auflagen des Financial Fair Play zu erfüllen.

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Ihre Verkäufe waren allerdings nur der Vorreiter der Kader-Renovierung, an der Tuchel bastelt. Problemprofis wie Grzegorz Krychowiak oder Jese Rodriguez machte er frühzeitig klar, dass sie sich einen neuen Verein suchen können. Der Pole Krychowiak ist sich über eine Leihe mit Lokomotive Moskau einig, während der Spanier Rodriguez angeblich mit dem AC Florenz verhandelt.

Nicht einmal für Goncalo Guedes hat Tuchel Platz. Das portugiesische Offensiv-Juwel sammelte in der abgelaufenen Spielzeit immerhin 17 Scorer-Punkte für seinen Leih-Klub FC Valencia und spielte eine ordentliche WM. Die Spanier wollen ihn fest verpflichten. PSG pokert aber noch. 70 Millionen, so schreibt die valencianische Sportzeitung Superdeporte, hätten die Franzosen gerne für Guedes.

Mit Angel Di Maria und Layvin Kurzawa sollen noch zwei weitere prominente Namen auf der Streichliste von Tuchel stehen. Offen ist auch, wie es mit Kevin Trapp weitergeht. Der Nationaltorhüter will unbedingt in Paris bleiben und um seinen Platz kämpfen. "Für mich kommt ein Wechsel nicht in Frage", bekräftigte er zuletzt bei SPORT1.

Allerdings ist die Konkurrenz für den 28-Jährigen nach der Verpflichtung von Gianluigi Buffon umso größer. Mit dem italienischen Routinier sowie den Eigengewächsen Alphonse Areola, Remy Descamps und Sebastien Cibois hat Trapp Stand jetzt gleich vier "Gegenspieler".

Gut möglich, dass Tuchel seinen Kader in den nächsten Wochen weiter ausdünnt. Schließlich soll auch noch der ein oder andere Star kommen. Jerome Boateng (FC Bayern),  Raphael Guerreiro (Borussia Dortmund), Antonio Rüdiger und N’Golo Kante (beide FC Chelsea) sind nur wenige Namen, die derzeit in der französischen Presse gehandelt werden.

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- Neuer Speiseplan

Tuchel machte sich schon bei Borussia Dortmund und Mainz 05 einen Namen als Perfektionist. Disziplin hat für ihn höchste Priorität. Vor allem bei der Ernährung.

Das renommierte Magazin France Football veröffentlichte in seiner neuen Ausgabe einen sechsseitigen Bericht über Tuchels Reformen im Pariser Trainingszentrum. Demnach habe er den kompletten Speiseplan umgestellt. Weizen- und Getreideprodukte seien fortan vollständig gestrichen, auch Süßigkeiten und Limonaden gebe es nicht mehr.

Dem Italiener Marco Verratti, einem bekennenden Pasta-Liebhaber, soll Tuchel schon in seiner ersten Trainingswoche als PSG-Coach nahe gelegt haben, sein Körpergewicht zu reduzieren. Auch Dani Alves, dem mit 38 Titeln erfolgreichsten Profi überhaupt, sei nach seiner Knieverletzung ein spezieller Diätplan von seinem neuen Boss vorgelegt worden.

- Keine Partys

Tuchels härteste Disziplinar-Maßnahme: Er verbietet seinen Stars, unter der Woche Feiern zu gehen. Der Kontrollfreak überlässt dabei offenbar nichts dem Zufall.

"Ein Freund von mir hält einen großen Nachtclub in Paris. Tuchel kam herein, um mit ihm zu reden und die Jungs zu überzeugen, dass sie ihm berichten, wenn einer seiner Spieler unter der Woche ausgehen sollte", zitiert France Football einen Zeugen. 

Tuchel sei dem Bericht zufolge in mehreren Szenetempeln aufgeschlagen. Darunter auch im prunkvollen Cesar Restaurant in der Avenue Wagram, dem beliebtesten Treffpunkt der PSG-Stars im Schatten des L'arc de triomphe.

Frankreichs Wunderkind Kylian Mbappe und der brasilianische Clan um Neymar, Dani Alves, Thiago Silva und Marquinhos, aber auch Nationalspieler Julian Draxler schmausen hier besonders gerne. Fragt sich nur, wie lange noch. 

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