Kepa: Der Rekordkeeper, der Vögeln Singen beibringt
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München - Der FC Chelsea macht Kepa Arrizabalaga zum teuersten Torwart der Welt. Kepa wer? SPORT1 erklärt, was den Spanier auszeichnet - und warum er keine 80 Millionen Euro wert ist.

Im Januar sollte Kepa Arrizabalaga, den sie in Spanien alle nur Kepa nennen, noch bei Real Madrid unterschreiben.

Florentino Perez, der Präsident des spanischen Rekordmeisters, hatte sich schon mit dem Torwart-Talent auf einen Transfer geeinigt und Athletic Bilbao mitgeteilt, dessen festgeschriebene Ablösesumme von 20 Millionen Euro zu bezahlen.

Zinedine Zidane durchkreuzte jedoch die Pläne seines Vorgesetzten. Kepa stelle keine bedeutende Verbesserung zu seinem Stammkeeper Keylor Navas dar, nörgelte der damalige Real-Trainer gleich auf mehreren Pressekonferenzen herum.

Die Verhandlungen gerieten ins Stocken. Perez und Zidane wurden sich nicht einig. Das Ende der Geschichte: Kepa verlängerte seinen Vertrag in Bilbao bis 2025.

Vier Mal teurer als im Januar

Der stolze baskische Klub vervierfachte die Ausstiegsklausel seines Schlussmannes in dem Glauben, sich in nächster Zeit nicht mehr mit einem Verkauf beschäftigen zu müssen. Und auch Kepa selbst sprach davon, das Trikot seines Jugendvereins "noch sehr, sehr lange" tragen zu wollen.

Der 23-Jährige rechnete wohl schlichtweg nicht damit, dass jemand in den kommenden Monaten oder Jahren auf die Idee kommen würde, 80 Millionen Euro für ihn auf den Tisch zu legen

Nur 199 Tage später sah er sich gezwungen, seine Meinung zu revidieren. Kurz vor dem Ende der Transferperiode in England signalisierte ihm der FC Chelsea, seine Ausstiegsklausel ziehen zu wollen. Und Kepa willigte ein.

Die Millionen-Deals am englischen Deadline Day

Erst eine überzeugende Saison

"Chelsea ist ein großer Klub. Hier zu sein, ist etwas Besonderes und ein wichtiger Schritt für mich als Fußballer, aber auch als Mensch", sagte er, als er am Donnerstag für sieben Jahre bei den Blues unterschrieb.

Mit seinem Wechsel löste Kepa den Brasilianer Alisson Becker, der wenige Wochen zuvor auf Geheiß von Jürgen Klopp für 62,5 Millionen Euro von Rom nach Liverpool gewechselt war, als teuersten Torhüter der Welt ab.

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Natürlich ist Kepa diese Summe nicht wert. Er vereint alles, was einen modernen Keeper auszeichnet: Er ist groß, er hat bemerkenswerte Reflexe auf der Linie und er kann mit dem Ball am Fuß umgehen.

Aber muss man 80 Millionen Euro für einen Burschen ausgeben, der erst eine überzeugende Saison bei Bilbaos Profis spielte (44 Gegentore in 31 Partien) und für Spanien als Null-Minuten-Ersatzmann von David de Gea zur WM fuhr?

Aus der Not geboren

Diese Frage stellte sich für die Chelsea-Bosse nicht. Ihnen blieb keine andere Wahl, als Kepa mit aller Gewalt an die Stamford Bridge zu lotsen.

Ihre langjährige Nummer eins, Thibaut Courtois, hatte sich zwar schon vor der WM mit dem Wunsch verabschiedet, zu Real Madrid wechseln zu wollen. Der Klub tat sich aber schwer, einen Ersatz für ihn zu finden.

Die Gespräche mit Gianluigi Donnarumma (19, AC Mailand) verliefen ebenso im Sande wie mit Jan Oblak (25, Atletico Madrid).

Für den Slowenen, so heißt es, hätte Chelsea sogar auch dessen festgeschriebene Ablösesumme von 100 Millionen Euro an die Spanier überwiesen. Oblak entschied sich nach einem Gespräch mit Atletico-Trainer Diego Simeone allerdings für einen Verbleib in Madrid.

Als der Courtois-Wechsel zu Real schließlich konkrete Formen annahm und der Belgier sogar in den Trainingsstreik trat, mussten die Blues handeln. Niemand traute den Routiniers Willy Caballero (36) und Robert Green (38) zu, Courtois adäquat zu beerben.

Nebenjob: Singvogel-Trainer

Also machte sich Neu-Coach Maurizio Sarri für Kepa stark.

Englische Medien berichten, dass der Italiener ihn gerne schon im vergangenen Sommer zu seinem Ex-Klub SSC Neapel geholt hätte. "Er ist noch jung, aber sehr, sehr gut. Ich bin froh, dass er jetzt hier ist", sagte Sarri nach dem Vollzug des Rekord-Transfers.

Im Elfmeterschießen - Chelsea quält sich zum Sieg

Kepa soll schon am ersten Premier-League-Spieltag gegen Huddersfield Town (Sa., ab 16 Uhr im LIVETICKER) sein Debüt für Chelsea feiern. An Ruhe, Coolness und dem gewissen Extra mangelt es dem U19-Europameister von 2012 jedenfalls nicht. Das beweist allein sein außergewöhnliches Hobby. 

In seinen Jugendjahren fuhr Kepa gerne mit seinem Vater an die baskische Küste, um Singvögel zu fangen und zu trainieren. Mit den Stieglitzen Oker, Rocky und Räikkönen gewann er schon diverse Vogelgesangswettwerbe. Deshalb trug er bei seinen Mitspielern in Bilbao den Spitznamen "Jilguero". Stieglitz.

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