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München - Jürgen Klopp plant einen FA-Cup-Boykott. Experte Raphael Honigstein erklärt die Hintergründe - und warum gerade ausländische Trainer die Debatte anheizen.

Dass Jürgen Klopp, Pep Guardiola und Co. alles andere als zufrieden mit der Vielzahl an Spielen ihrer Teams sind, ist schon lange bekannt.

Nachdem Klopp seinen Worten nun auch Taten folgen ließ, indem er verkündete, dass er im FA-Cup-Wiederholungsspiel gegen Shrewsbury Town seine A-Spieler zuhause lassen und stattdessen eine U-Mannschaft aufs Feld schicken werde, ist eine hitzige Diskussion um das Thema entbrannt.

Für England-Experte Raphael Honigstein ist klar: "Klopp will Stellung beziehen. Er will klarmachen, dass es nicht sein kann, dass die Premier League eine Winterpause ausruft und gleichzeitig der Fußballverband Spiele dorthin legt", sagt der freie Journalist im Gespräch mit SPORT1.

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Honigstein, am Sonntag zu Gast im CHECK24 Doppelpass bei SPORT1, habe das Gefühl, dass "Klopp weiß, dass er und Liverpool dafür auf die Fresse bekommen".

Der englische Fußballverband legte das nach dem 2:2 im ersten Duell der Reds mit dem Drittligisten notwendige Wiederholungsspiel in zwei von der Liga extra als Regenerationspause freigehaltene Wochen.

Ausländische Trainer regen sich besonders auf

Im Gespräch über den Klopp-Boykott erklärt Honigstein, warum gerade die ausländischen Trainer gegen die Vielzahl an Spielen auf die Barrikaden gehen.

Englische Trainer seien mit der hohen Belastung "groß geworden, für sie ist es Normalität", sagt er.

Anders als beispielsweise Klopp. Aus der Bundesliga war der deutsche Coach es gewohnt, eine Winterpause zur Regeneration zu haben. "Ausländische Trainer sagen: 'Ihr seid doch verrückt, man kann doch nicht das ganze Jahr durchspielen!'", erklärt Honigstein.

Genau das ist auch mit ein Grund, warum Klopp im Wiederholungsspiel im englischen Pokal nicht seine erste Mannschaft auflaufen lassen möchte. "Es geht um das Wohlergehen der Spieler", zitierte ESPN den Trainer, "sie brauchen eine Pause - eine mentale und eine körperliche Pause".

Klopp und Liverpool wollen Cup nicht schädigen

Dass Klopp und Liverpool mit der Aktion den englischen Verband und den FA Cup schädigen wollen, glaubt Honigstein nicht. Klopps Zeichen ist dennoch deutlich, die Debatte entsprechend laut.

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Der Grund: "Weil der FC Liverpool das erste große Team seit Manchester United 1999/2000 sein wird, das den FA Cup boykottiert. Zwar nicht de facto, aber er tritt nicht mit der ersten Mannschaft an, und der Trainer erscheint nicht zum Spiel", erläutert Honigstein die aktuelle Brisanz. "Das wirft noch mal ein ganz anderes Licht auf die Kritik."

Doch das Problem, eine Winterpause anzusetzen, die nun doch keine ist, bleibt vorerst.

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Veränderungen sind nicht so einfach

Diese Pause - zwei Wochen keine Spiele - war laut Honigstein ohnehin nur "ein Kompromiss. Diese (Winterpause, Anm. d. Red.) wurde nun zum ersten Mal eingeführt, umso peinlicher ist es für alle Beteiligten, dass es nicht funktioniert."

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Die Suche nach einer akzeptablen Veränderung der aktuellen Rahmenbedingungen für die englischen Vereine sei "nicht so einfach", weiß Honigstein. Etwa in den frühen Runden des FA Cups die Wiederholungsspiele abzuschaffen.

Auch der League Cup steht grundsätzlich zur Debatte, doch gerade dieser zweite Pokalwettbewerb bringt den kleineren Klubs wertvolle Einnahmen. Die Premier League zu reduzieren, wäre ein weiterer Weg, "aber dafür findet sich auch keine Mehrheit", sagt Honigstein.

Insgesamt hat der Experte auch aufgrund zusätzlicher Turniere wie der Klub-WM, die 2021 zudem ausgeweitet wird, das Gefühl, dass "so langsam das Ende der Fahnenstange erreicht" ist.

Jürgen Klopp sieht das ganz offensichtlich ähnlich.

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