vergrößernverkleinern
Die Kliq (im Bild: Sean Waltman, Shawn Michaels, Kevin Nash, Scott Hall) prägte den Too-Sweet-Gruß
Die Kliq (im Bild: Sean Waltman, Shawn Michaels, Kevin Nash, Scott Hall) prägte den Too-Sweet-Gruß © WWE 2018 All Rights Reserved
teilenE-MailKommentare

München - WWE-Champ AJ Styles grüßt heute damit - so wie früher die Kliq: Das "Too Sweet" ist die berühmteste Wrestling-Geste - und stammt offenbar aus trüber Quelle.

Viele Schüler kennen sie noch als "Schweigefuchs", als Signal der Lehrer, das Schwätzen einzustellen. Fans von Joko und Klaas kennen es natürlich als das "Gut-Kick"-Signal aus Klaas' legendärem Doppelpass-Auftritt.

Andere kennen sie als den Gruß der Grauen Wölfe, einer rechtsextrem-nationalistischen Bewegung aus der Türkei (weswegen der Schweigefuchs gerade dabei ist, aus der Mode zu kommen).

Nebenbei ist die Geste aber auch die aktuell wohl berühmteste Handbewegung bei WWE und in der gesamten Wrestling-Welt.

Die "Too-Sweet"-Geste hat sich zu einem grenz- und generationenübergreifenden Phänomen entwickelt, das mittlerweile mehrere Jahrzehnte überdauert hat - und auf eine überaus kuriose Geschichte zurückblickt (SPORT1 erklärt: So funktioniert die Showkampf-Liga WWE).

Champion AJ Styles grüßt mit "Too Sweet"

Bei WWE kam das "Too Sweet" einmal mehr zu Ehren, als World Champion AJ Styles bei der TV-Show SmackDown Live seine Gruppierung "The Club" neu aufleben ließ.

Karl Anderson, Luke Gallows und AJ Styles (v.l.) begrüßten sich bei WWE SmackDown Live mit der Too-Sweet-Geste
Karl Anderson, Luke Gallows und AJ Styles (v.l.) begrüßten sich bei WWE SmackDown Live mit der Too-Sweet-Geste © WWE 2018 All Rights Reserved

Styles begrüßte Karl Anderson und Luke Gallows mit ihrem alten, gemeinsamen Erkennungssignal - dem Wolfs-Handzeichen, wie immer von den Fans begleitet mit dem dazu gehörenden Ruf: tiefes "Too", hohes "Sweeeeeet!"

Was hinter diesem Ritual steckt, für das auch WWE-Kollege Finn Balor und die Kult-Gruppierung "The Bullet Club" bei der japanischen Liga NJPW bekannt sind? Die Spur führt zurück zu einem anderen legendären Gemeinschaft.

Die "Kliq" machte den Anfang

Die "Too-Sweet"-Geste war einst der Gruß der "Kliq", einem realen Backstage-Freundeskreis, zu dem sich in den neunziger Jahren fünf Stars der damaligen WWF zusammenschlossen: Shawn Michaels, Kevin Nash (Diesel), Scott Hall (Razor Ramon), Sean Waltman (The 1-2-3-Kid, Syxx, X-Pac) und der junge Triple H - heute WWE-Vorstand und Schwiegersohn von Boss Vince McMahon.

Die Kliq war hinter den Kulissen ein mächtiger und auch berüchtigter Verbund - sie galten als Feierbiester und als robuste Lobbyisten in eigener Sache.

Vor allem aber war die Kliq Keimzelle für die zwei wichtigsten "Stables" (On-Air-Gruppierungen) ihrer Zeit: Die New World Order (nWo) um Hall und Nash und die D-Generation X um Michaels und Triple H.

Aus trüber Quelle

Hall, Nash und Waltman - der ihnen zur damaligen Konkurrenzliga WCW folgte - machten ihren Gruß dort auch vor der Kamera populär. Der dazugehörige "Too Sweet" (zu süß) war ihre ironische Selbstbeschreibung.

Wie sie auf die Geste kamen? Nash erzählte 2016 in einem WWE-Interview, dass die Idee "bei einer Europatour" geboren wurde: "X-Pac hat uns darauf aufmerksam gemacht."

Woher er die Idee hatte? Wird nicht näher ausgeführt, aber es ist gut möglich, dass Waltman sich die Geste tatsächlich von Anhängern der eingangs erwähnten "Grauen Wölfe" abgeschaut hat. Dafür spricht unter anderem, dass die Kliq-Mitglieder selbst die Geste "The Turkish Wolf" nennen - auch das hat Nash ausgeplaudert. Eine spätere Auflage der nWo hieß dann auch "nWo Wolfpac".

Als Anhänger der türkischen Rechtsextremen ist dabei keiner aus der Fünfergruppe je aufgefallen, die Kliq fand die Geste wohl schlicht und kontextlos "cool" - und sie hat seitdem ein immer bunteres Eigenleben entwickelt.

Ärger mit dem "Bullet Club"

Balor und Anderson, die als Fans der nWo aufwuchsen, übernahmen den Wolfsgruß, er wurde zum Markenzeichen des "Bullet Club", mit dem sie in Japan zu Stars wurden.

Und seit Balor, Anderson, Gallows und Styles 2015/16 zu WWE wechselten, ist der Gruß (mit dem Segen der alten Kliq) dort auch ihr Signal - so wie es auch weiterhin das Signal der heutigen Bullet-Club-Mitglieder ist.

Ärger um die Geste hat es deshalb auch schon gegeben: Auf Nick und Matt Jackson vom Bullet Club - die WWE zuvor mit einigen Guerilla-Marketingaktionen verärgert hatten - setzte die Liga im vergangenen Jahr ihre Anwälte an und verbot ihnen die weitere Benutzung des Grußes, WWE hätte ein Copyright darauf angemeldet.

Ob sie sich mit diesem Anspruch wirklich vor Gericht durchsetzen würden, ist zweifelhaft, aber die Jacksons mochten es nicht darauf ankommen lassen. Sie verkaufen seitdem Fan-Shirts, auf denen der Too-Sweet-Gruß zensiert ist.

Nächste Artikel
previous article imagenext article image