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"Wenn ich das frage, dann ist doch schon irgendwas falsch“ | Kolumne von Stefan Effenberg

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"Wenn ich das frage, dann ist doch schon irgendwas falsch“ | Kolumne von Stefan Effenberg

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Effenberg: „Das finde ich schräg“

Stefan Effenberg spricht Klartext nach der Pleite des FC Bayern gegen den BVB. Auch zur Debatte um die Tuchel-Nachfolge und der Personalie Mats Hummels hat der SPORT1-Experte eine eindeutige Meinung.
Wer wird Nachfolger von Thomas Tuchel als Trainer der Bayern? Diese Frage wird im STAHLWERK Doppelpass hitzig diskutiert. Stefan Effenberg hat vor allem zu Julian Nagelsmann eine klare Meinung.
Stefan Effenberg
Stefan Effenberg

Liebe Fußball-Freunde,

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dieser Auftritt des FC Bayern beim 0:2 im Bundesliga-Topspiel gegen Borussia Dortmund war für mich auf jeden Fall enttäuschend. Der BVB hat es aber auch gut gemacht, sie hatten die Kontrolle und waren total effizient. Und wenn Harry Kane eben nicht trifft, dann sieht man eben auch das Dilemma in der Offensive. Dass Bayern hinten nicht stabil sind, das wissen wir ja schon seit längerer Zeit.

Unterm Strich war das jedenfalls ein herber Schlag, auch mit Blick auf die Champions-League-Spiele gegen Arsenal. Dafür wolltest du dir ja das Selbstvertrauen holen und nun ein Zeichen setzen - das ist den Bayern nicht gelungen, und die nächsten Wochen werden insofern sehr interessant.

Was die Situation um Thomas Tuchel angeht: Das eine ist der Trainer, aber du musst auch die Spieler mal hinterfragen, die das auf dem Feld lösen müssen.

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„Als Trainer musst du doch gar nicht mehr viel sagen“

Du hast diese extreme Rivalität, und dazu musst du gegen Dortmund als Trainer doch gar nicht mehr viel sagen. Da spürst du ab Mitte der Woche: Da kommt jetzt ein richtig geiler Gegner. Du bist so eigenmotiviert, eigentlich - aber das habe ich nicht gesehen, das sah bei den Bayern aus wie ein Test- oder Vorbereitungsspiel. Die Bayern haben es überhaupt nicht richtig angenommen. Die Dortmunder dagegen waren gierig und aggressiv - bei Bayern habe ich das nicht gesehen.

Früher, als ich gegen Dortmund gespielt habe, da gab es, glaube ich, 125 Gelbe Karten. Da hat es richtig gescheppert, weil du weißt, dass du aggressiv sein musst. Und nun? Gab es keine einzige Gelbe Karte für Bayern. Das ist doch ein Zeichen.

Na klar ist Thomas Tuchel als Trainer enttäuscht. Aber man muss die Spieler auch mal fragen: Wie war denn die Vorbereitung in der Woche auf das Spiel, auch mental?

Wenn wir das nur mal mit dem SC Freiburg vergleichen, wo mit Christian Streich zum Saisonende auch der Trainer geht: Dort reagieren die Spieler so, dass sie sagen: Wir müssen dem Trainer nun alles zurückgeben, was er für uns und diesen Verein getan hat - so auch jetzt beim 3:0-Sieg gegen Gladbach.

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Effenberg: „Ich kenne die Farbe dunkelgelb nicht“

Bei den Bayern dagegen sehe ich das nicht auf dem Platz - und das ist der große Unterschied. Das ist bei Bayern einfach keine Einheit mehr, und deshalb haben sie die Probleme, die sie haben. Für mich hat das auch gezeigt, wohin die Reise geht - nämlich mit vielen Problemen verbunden.

Dazu kommen dann noch so Szenen wie zum Beispiel beim Foul von Julian Ryerson gegen Jamal Musiala, das keinen Platzverweis nach sich zog: Ich kenne die Farbe dunkelgelb nicht, ich kenne nur gelb und rot. Das ist eine Rote Karte. Er kommt doch von hinten und mit offener Sohle – und da musst du doch den Spieler schützen.

Genauso bei der grenzwertigen Rettungstat von Mats Hummels in unmittelbarer Tornähe gegen Kane: Da hätte es Elfmeter geben müssen. Für mich ist das ein Handspiel, weil die Hand den Ball berührt.

Was bleibt, ist die weiter schwelende Debatte um die Trainer-Nachfolge für Tuchel: Wir müssen weiter nach einem Trainer schauen. Ich habe keine Idee, die Frage dazu wird mir jeden Tag 500 Mal gestellt.

Bayern-Bosse wissen es ja selber nicht

Und wenn ich mich mit den Verantwortlichen von Bayern München austausche, dann wissen sie es ja selber nicht. So Leute wie Ottmar Hitzfeld und Jupp Heynckes, die gibt der Markt ja nicht mehr her.

Mit der Nagelsmann-Idee, dass er zu Bayern zurückkommt, habe ich ein bisschen Probleme. Es gab ja Gründe, warum man ihn rausgeschmissen hat. Und man muss ja auch Nagelsmann erst mal fragen, ob er überhaupt noch mal bereit wäre, dorthin zugehen, wo er vor einem Jahr gekickt wurde. Ich bezweifele, dass es noch mal zu so einer Konstellation kommt.

Wenn ich aber höre, dass Spieler überlegen, zu verlängern, aber erst mal abwarten wollen, wer denn neuer Trainer wird: Das finde ich schräg. Das hat in meiner Karriere nie eine Rolle gespielt. Ich entscheide mich doch für den Verein und nicht für den Trainer. (Anm. d. Red. Joshua Kimmich will laut Max Eberl die Trainer-Frage beantwortet sehen)

„Wenn ich das frage, dann ist doch schon irgendwas falsch“

Wenn ich ein Angebot von Bayern kriege, möchte ich dieses Trikot tragen, es ist doch nicht entscheidend, wer Trainer ist. Wenn ich das frage, dann ist doch schon irgendwas falsch.

Stark fand ich übrigens den Auftritt der BVB-Innenverteidigung um die bei den zurückliegenden Länderspielen von Bundestrainer Julian Nagelsmann ignorierten Mats Hummels und Nico Schlotterbeck: Nagelsmann hat ja gesagt, es sind noch Plätze offen für die EM.

Mats Hummels und Nico Schlotterbeck zeigen im Topspiel gegen Bayern München eine starke Leistung. Haben die BVB-Stars doch noch Chancen auf ein EM-TIcket?
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STAHLWERK Doppelpass: Fahren BVB-Stars Hummels und Schlotterbeck doch zur EM?

Es liegt also an den Spielern wie Schlotterbeck und Hummels selber, nun konstant bis Saisonende gute Leistungen zu bringen und Nagelsmann so unter Zugzwang zu bringen. Was Hummels gespielt hat, war wirklich Weltklasse. Durch Leistung wird er die Diskussion weiter anfeuern - und wenn Leistung zählt, dann wird das in ein paar Wochen sicher wieder Thema sein.

Bemerkenswert ist weiterhin die Performance des selbst aus Bayern-Sicht designierten Meisters Bayer Leverkusen: Das ist einfach die absolute Überzeugung. Und sie haben so viel Geduld in ihrem Spiel. Sie sind dank Xabi Alonso in so einer starken Position – und wenn du daran glaubst, wirst du auch nicht mehr geschlagen.

Bis bald

Euer Stefan Effenberg

Stefan Effenberg hat 2001 mit dem FC Bayern die Champions League gewonnen. Mit den Bayern und Borussia Mönchengladbach wurde er zudem mehrmals Deutscher Meister und Pokalsieger. Seit Sommer 2018 gehört der 55-Jährige zum festen Experten-Team des STAHLWERK Doppelpass auf SPORT1.