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Super League? So steht es wirklich um den Fußball!

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Super League? So steht es wirklich um den Fußball!

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Das Ende der Champions League?

Nach dem Urteil des Europäischen Gerichtshofs ist die Tür für die Gründung einer Super League geöffnet. Während die Treiber jubeln, stellt sich nun die Frage nach der Zukunft der Champions League.
Ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs gibt grundsätzlich Grünes Licht für die Gründung der Super League. Die Agentur, die hinter dem Projekt steht, stellt ihre konkreten Pläne für das Format vor.
Justin Schroll
Justin Schroll
Tobias Wiltschek
Tobias Wiltschek

Dieses Urteil schlug am Donnerstag wie eine Bombe ein! Der Europäische Gerichtshof (EuGH) hat nach einem 17-monatigen Verfahren entschieden, dass die Einführung von Wettbewerben, die in Konkurrenz zu UEFA-Wettbewerben stehen, grundsätzlich rechtens ist.

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Damit wäre der Weg für die umstrittene Super League frei, die bereits im April 2021 von zwölf Vereinen aus England, Italien und Spanien angestoßen worden war.

Doch nach massiver Kritik von Verbänden, Vereinen und Fans - auch von deutschen Klubs, die sich in der Vergangenheit deutlich gegen die Gründung gestellt hatten - knickten neun Klubs ein. Nur noch Real Madrid, der FC Barcelona sowie Juventus Turin, das im Sommer aber auch ins Wanken geraten war, kündigten an, weiter an der Einführung einer Super League arbeiten zu wollen.

Ist die Champion League gefährdet?

Ist es also nur noch eine Frage der Zeit, bis die Super League eingeführt wird und die Champions League Geschichte ist? Nein! „Zunächst bleibt es beim Status quo“, erklärte der renommierte Sportrechtler Dr. Martin Stopper in einem Gespräch mit SPORT1.

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„Die Super League will sich nach wie vor gründen und hat dafür zurzeit drei namhafte Klubs, die sich dafür bereit erklären: Real Madrid, Juventus Turin sowie den FC Barcelona – das ist natürlich nicht viel wert und auch nicht super.“

Sollten die Betreiber der Super League „irgendwann einmal genug Teams zusammenbekommen, beginnen erst die Probleme, für die der EuGH bisher auch noch keine Antwort gefunden hat und auch nicht finden musste“, führt der Sportrechtler weiter aus. „Wir haben ja immer noch das europäische Sportmodell in Pyramidenform. Da wird sicher nicht folgenlos mal eben so die Spitze der Pyramide durch die Super League abgeschnitten werden können.“

Stopper betonte: „Die Zukunft des Fußballs wird in Europa auch nicht ausschließlich vor den Kartellgerichten oder an den Verhandlungstischen entschieden. Fußball ist kein wirtschaftsrechtliches, sondern ganz besonders ein gesellschaftspolitisches Thema, da wirken dann noch ganz andere Kräfte, die den Fußball und seine Fans bewegen.“

„UEFA bleibt entschlossene Verfechterin der Fußballpyramide“

Dieses Urteil bedeute „keine Befürwortung oder Bestätigung der sogenannten Super League“, es würde lediglich zeigen, dass Mängel in den zuvor geltenden Regeln bestanden hätten, betont derweil die UEFA, die die Entscheidung gelassen zur Kenntnis nimmt.

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„Die UEFA bleibt entschlossene Verfechterin der europäischen Fußballpyramide und stellt sicher, dass dieses Modell auch weiterhin den allgemeinen Interessen der Gesellschaft dient“, erklärte der Dachverband in einem Statement.

„Wir werden das europäische Sportmodell weiterhin gemeinsam mit Nationalverbänden, Ligen, Vereinen, Fans, Spielerinnen und Spielern, der Trainergilde, EU-Institutionen, nationalen Regierungen und weiteren Partnern gestalten“, gibt sich die UEFA kämpferisch.

Man sei „zuversichtlich, dass die auf Solidarität beruhende europäische Fußballpyramide, für die sich Fans und alle Interessenträger einmütig aussprechen, gegen die Gefahr von Abspaltungen durch die europäische und nationale Gesetzgebung geschützt wird“.

Der Europäische Gerichtshof bewertete in seinem Urteil die Monopolstellung der Europäischen Fußball-Union UEFA sowie des Weltverbandes FIFA als nicht vereinbar mit europäischem Wettbewerbsrecht und sprach von einem „Missbrauch einer marktbeherrschenden Stellung“ durch UEFA sowie FIFA. Demnach sei die Androhung von Sanktionen bis hin zum Wettbewerbsausschluss vonseiten der UEFA oder FIFA nicht rechtskonform.

Super League? Bayern erteilt Absage

Während Real Madrid und Barcelona den Richterspruch begrüßten, erteilten zahlreiche Spitzenklubs der Super League erneut eine Absage - auch Vereine, die 2021 noch für das milliardenschwere Konstrukt votiert hatten wie Inter Mailand und Atlético Madrid.

„Die Tür für die Super League beim FC Bayern bleibt zu“, stellte Vorstandsboss Jan-Christian Dreesen klar.

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UEFA-Präsident macht sich lustig

„Es ist offensichtlich, dass sie einen geschlossenen Wettbewerb wollen, obwohl sie das in ihrer sogenannten Präsentation anders behaupten“, erklärte UEFA-Präsident Aleksander Ceferin.

„Es ist schwer zu entscheiden, ob man geschockt sein soll - oder amüsiert. Weil wir nah an Weihnachten sind, bin ich eher bei amüsiert. Aber wir werden nicht versuchen, sie aufzuhalten. Das haben wir noch nie. Sie können kreieren, was immer sie wollen. Ich hoffe, dass ihr fantastischer Wettbewerb bald startet – mit zwei Klubs. Ich hoffe, dass sie wissen, was sie tun. Aber ich bin mir nicht so sicher.“

Groß war der Jubel dagegen bei A22, der Sportagentur, die hinter dem Projekt steht. „Wir haben das Recht auf Wettbewerb gewonnen. Das UEFA-Monopol ist beendet. Der Fußball ist FREI. Die Vereine müssen keine Sanktionen mehr fürchten UND können ihre Zukunft nun selbst bestimmen“, kommentierte A22-Geschäftsführer Bernd Reichart die Entscheidung des EuGH auf X.

„Sind überzeugt, dass wir die 64 locker vollmachen“

Die Agentur präsentierte nach dem Urteil sogleich ein überarbeitetes Super-League-Konzept, das ein dreistufiges Ligensystem ohne feste Mitglieder mit 64 Teams umfasst. In der Star League sollen die 16 besten Mannschaften Europas spielen. Für die Gold League sind weitere 16 Teams eingeplant, in der Blue League sollen 32 Klubs zum Einsatz kommen.

In allen drei Ligen soll in Gruppen mit je acht Teams in Hin- und Rückspiel gespielt werden, danach erreichen je acht Teams das Viertelfinale. Damit wären allen teilnehmenden Klubs mindestens 14 Partien auf europäischer Bühne garantiert. Auch Auf- und Abstieg soll es geben. Zudem sind bei den Frauen 32 Klubs in zwei Ligen vorgesehen.

Alle Spiele sollen für die Fans live und kostenlos auf einer Streaming-Plattform angeboten werden, die wiederum mit Werbung finanziert werden soll.

Trotz der ablehnenden Haltung von vielen Spitzenklubs gibt sich Reichart zuversichtlich: „Wir sind überzeugt, dass wir die 64 locker vollmachen“, sagte der frühere RTL-Chef der Deutschen Presse-Agentur. „Wir wollen den Vorschlag weiterentwickeln, jetzt können das die Klubs endlich auch bei Tageslicht und ohne Angst vor Sanktionen machen.“

„Fußball steht nicht zum Verkauf“, betonte Ceferin. Doch Fakt ist: Das vorherrschende Motiv bei der Einführung der Super League ist der schnöde Mammon. In diesem neuen Wettbewerb dürfte weitaus mehr Geld zu verdienen sein als in der aktuellen Königsklasse, weshalb der eine oder andere Verein sicherlich schwachen werden dürfte.

„Solange das Geld in Europas Fußball - anders als in den USA - immer noch weitgehend ungehemmt fließen kann, bleibt der Druck bei den Klubs hoch“, erklärte Stopper. „Denn ökonomische Versprechen werden immer gemacht – wie jetzt auch bei der Super League.“

Sportrechtler warnt vor Folgen

Die Klubs würden sich dem Sportrechtler zufolge „immer fragen müssen: Wo kriege ich noch mehr Geld her, um die besten Spieler zu verpflichten und Wettbewerbe zu gewinnen, wenn mein Konkurrent mir gerade wirtschaftlich davonrennt? Das sind ökonomische Prinzipien, die der Wettbewerbsintegrität im europäischen Fußball schon lange schaden und jetzt vielleicht noch einmal tun werden.“

Sollte die Super League wirklich ins Leben gerufen werden, könnte es zu drastischen Folgen kommen. „Eine Konkurrenz in der Spitze eine pyramidalen Gesamtsystems bringt das System ins Wanken, da Konflikte ausgetragen werden müssen, die ökonomisch erzwungen werden können“, sagte Stopper. „Das verheißt nicht gerade Gutes.“

Schon jetzt „tragen FIFA und UEFA leise Konflikte innerhalb des pyramidalen Systems aus, wenn es um Klubwettbewerbe geht. Sollte jetzt noch Druck von außen entstehen, wird es natürlich heftig.

Vor dem Urteil war nicht klar, inwieweit sich UEFA und FIFA schützen können - jetzt ist klar: Kartellrechtlich geht der Schutz gegen null, solange die Super League die sachlich gerechtfertigten Kriterien für den Betrieb einer Super League erfüllt.“

Der Europäische Gerichtshof entscheidet in einem Urteil, dass die Einführung von Wettbewerben, die in Konkurrenz zu UEFA-Wettbewerben stehen, grundsätzlich rechtens ist. Für den europäischen Verband ist das ein schwerer Schlag.
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Beben im europäischen Fußball! Europäischer Gerichtshof erlaubt Super League

Große Unterstützung für UEFA

Darüber hinaus lässt sich festhalten, dass die UEFA keinesfalls kampflos das Feld räumen und um ihre Interessen kämpfen wird. „Die UEFA ist nicht irgendein Fernsehsender oder eine Agentur, die mal eben von den teilnehmenden Klubs ausgetauscht wird“, betonte Stopper.

„Die UEFA ist der Gründer der Champions League, der einen großen Anteil daran hat, dass viele Klubs jetzt so reich sind, wie sie sind. Das ist dann kein kartellrechtlicher Streit, da geht es um andere Werte, die geschaffen worden sind, die nicht mal eben von einem Dritten so abgeräumt werden können.“

Genau in diese Kerbe schlug Javier Tebas, Präsident von Spaniens LaLiga: „Ich möchte der UEFA als Dachverband des europäischen Fußballs unsere umfassende Unterstützung zusichern. Die UEFA organisiert seit 69 Jahren europäische Wettbewerbe und den europäischen Fußball. In dieser Zeit musste sich die UEFA immer wieder den Zeiten sowie den sich verändernden wirtschaftlichen und sportlichen Gegebenheiten anpassen. Genau das hat sie gemeinsam mit den verschiedenen Interessenträgern getan und letztes Jahr neue Regeln zur Genehmigung neuer Wettbewerbe eingeführt.“

Die Fußball-Community steht nahezu geschlossen hinter der UEFA, trotz eines ersten juristischen Teilerfolgs für die Organisatoren stößt die Super League aber weiter auf wenig Gegenliebe. Dennoch ist in dieser Thematik das letzte Wort noch lange nicht gesprochen.