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Neuer-Nachfolger? Das sagt Kobel

Neuer-Nachfolger? Das sagt Kobel

Gregor Kobel ist beim BVB ein starker Rückhalt. Vor Dortmunds Pokalduell mit Ingolstadt spricht Kobel bei SPORT1 über das Spiel, Marco Rose und Erling Haaland.
BVB-Neuzugang Gregor Kobel überzeugt bisher vollends als neue Nummer eins bei den Schwarz-Gelben. Seine besten Paraden und Flugshows im Video.
Patrick Berger
Patrick Berger
Lukas Rott
Lukas Rott
von Patrick Berger, Lukas Rott

Die gute Nachricht vorweg: Gregor Kobel geht es gut.

Der BVB-Torwart hat sich am Wochenende beim 3:1-Sieg in Bielefeld eine Oberschenkelprellung zugezogen. „Ich hatte ein Date mit dem Pfosten, aber es ist nichts Schlimmes“, gibt der 23 Jahre alte Keeper Entwarnung. Im Pokalspiel am Dienstag gegen Ingolstadt (DFB-Pokal: Borussia Dortmund - FC Ingolstadt am Dienstag ab 18 Uhr LIVE im Free-TV auf SPORT1, im LIVESTREAM sowie ab 20 Uhr im LIVETICKER) wird der Schweizer eine Pause machen und durch Marwin Hitz ersetzt werden. „Wir wollen kein Risiko eingehen.“

Im großen SPORT1-Interview spricht Kobel über seine Ambitionen mit dem BVB, seine extrovertierte Art, die Zusammenarbeit mit Marco Rose, seine besten BVB-Buddies, seine Torwart-Idole und sein persönliches Ritual vor Spielen.

SPORT1: Herr Kobel, singen Sie gerne?

Gregor Kobel: Ich habe kein Problem damit, aber ich bin jetzt nicht der große Sänger. Wieso?

Kobel: Ich mag das Lied sehr. Mit diesem Song bin ich aufgewachsen. Ich dachte, dass die Jungs textsicher sind und mitsingen können. Aber das war leider nicht der Fall (lacht). Meine Performance war so lala, und die, die mitsingen, waren eher rar vertreten.

SPORT1: Sie werden als extrovertierter Typ bezeichnet. Wie würden Sie sich selbst charakterisieren?

Kobel: Auf dem Fußballfeld bin ich schon laut. Ich bin einer, der immer gewinnen will. Ich mag es, sich gegenseitig zu pushen und zu Höchstform zu treiben. Ich möchte mich positiv in die Mannschaft einbringen. Jeder muss bei uns denken: ‚Mein Nebenmann steht an meiner Seite, egal was passiert!‘ Das möchte ich vermitteln und rüberbringen. Ich feiere gerne und laut, wenn wir ein Tor schießen. Es gibt nichts Geileres, als vor der Süd zu schreien. Ich lebe meinen Charakter gerne auf dem Platz aus.

Interviewtermin mit Gregor Kobel: SPORT1-Chefreporter Patrick Berger trifft den BVB-Torhüter zwei Tage nach dem Ajax-Debakel.
02:53
Mentalitätsproblem beim BVB? Das sagt Kobel

Kobel mit Haaland befreundet

SPORT1: Sie sind vom einen Traditionsverein, VfB Stuttgart, zum anderen gewechselt. Was ist der größte Unterschied zwischen dem VfB und dem BVB?

Kobel: Beides sind tolle Vereine mit tollen Fans und einem starken Umfeld. Hier in Dortmund ist aber alles noch größer und internationaler. Die Ansprüche sind auch andere. Mit Stuttgart sind wir als Aufsteiger in die Bundesliga gekommen, hier spielt man immer in der Champions League. Der BVB will Titel gewinnen und ich auch. Deshalb bin ich hierhergekommen.

SPORT1: Mit welchen BVB-Mitspielern haben Sie sich mittlerweile angefreundet?

Kobel: Wir verstehen uns alle sehr gut. Im Bus haben wir hinten allerdings eine kleine Gruppe mit Donyell Malen, Jude Bellingham und Erling Haaland. Wir Jüngeren sitzen da zusammen und haben eine gute Zeit.

SPORT1: Was treiben Sie im Bus auf der Rückbank?

Kobel: Wir sitzen auf Busfahrten lange zusammen und quatschen einfach über alles Mögliche. Es kommt aber auch vor, dass der eine ein Buch liest und der andere einen Film guckt.

Bleibt Haaland? So denkt Kobel

SPORT1: Die Zukunft von Erling Haaland, der sich am Oberschenkel verletzt hat und wochenlang ausfällt, ist offen. Sprechen Sie mit ihm darüber und versuchen Sie ihn von einem Verbleib zu überzeugen?

Kobel: Jeder wünscht sich, dass Erling bei uns bleibt. Er knallt die Dinger vorne rein wie kein anderer. Er ist ein spezieller Spieler, den es so nicht oft gibt und der eine überragende Qualität hat. Ich bin super happy, dass er hier ist und fände es natürlich schön, wenn er bleibt.

SPORT1: Haaland ist für seinen Siegeswillen bekannt, auch Sie sind extrem ehrgeizig. Seit einiger Zeit arbeiten Sie mit einem Mentaltrainer zusammen. Wie kam es dazu?

Kobel: Ich habe festgestellt, dass zu meinem Job mehr gehört als nur Fußballspielen. Als Sportler prasseln viele Faktoren von außen auf dich ein, die dich negativ beeinflussen können. Ich habe gemerkt, dass mir gewisse Dinge guttun. Ein Trainer hilft mir dabei, dass ich mich fokussiere. Wie ordne ich Kritik ein? Wie gehe ich mit Medien um? Wie mit den Fans und mit eigenen Fehlern? Ich muss am Wochenende immer 100 Prozent bringen. Ich versuche mich auch neben dem Platz weiterzuentwickeln (NEWS: Alle aktuellen Infos zum DFB-Pokal).

SPORT1: Haben Sie ein Ritual vor Spielen?

Kobel: Ich meditiere und kann das jedem empfehlen. Das tut sehr gut und bringt mich runter. Jeder muss aber am Ende für sich entscheiden, was er gut findet. Der eine geht vielleicht auf den Golfplatz und braucht zwei Mal die Woche ein Neuner-Loch, um runterzukommen, der andere liest ein Buch. Mir hilft Meditation. Eine Saison kann sehr lang sein. Das hilft mir, um einen freien Kopf zu haben.

Neuer-Nachfolger? Das sagt Kobel

Kobel: Es ist natürlich eine Riesenehre, wenn jemand wie Stefan Effenberg positiv über einen spricht. Das ist ein großes Lob, dass ihm meine Arbeit gefällt. Ich setze mich aber so wenig wie möglich damit auseinander. Worte bringen mich nicht weiter. Ich konzentriere mich auf mich und meine Leistung hier in Dortmund. Für mich geht es darum, jedes Wochenende eine geile Leistung zu zeigen und mit diesem geilen Team Spiele zu gewinnen.

SPORT1: Wer waren eigentlich Ihre Torwart-Idole?

Kobel: Ich war nie der Typ, der sein Spiel nach einem bestimmten Torwart ausgerichtet hat. Ich schaue mir von jedem etwas ab. Mich haben viele herausragende Torhüter inspiriert. Ich bin zum Beispiel mit Oliver Kahn aufgewachsen. Ihn habe ich damals extrem gefeiert. Auch Jens Lehmann habe ich genau verfolgt. In Augsburg hatte ich ja die Möglichkeit, mit ihm zusammenzuarbeiten. Von ihm habe ich viel gelernt. Ich muss aber zugeben: Obwohl ich Schweizer bin, habe ich mir eher die deutschen Torhüter angeschaut (lacht).

Marco Rose sorgte kürzlich mit einer Aussage über Joshua Kimmichs Mentalität für Aufsehen. Auf der Pressekonferenz vor dem Spiel in Bielefeld ordnet der Trainer seine Aussagen nun ein.
02:39
Rose: Das steckt wirklich hinter meiner Kimmich-Aussage

SPORT1: Nach der 0:4-Klatsche in Amsterdam wurde Marco Rose von einem Reporter auf Joshua Kimmich und dessen Wille angesprochen. Ihr Trainer sagte: „In München winkt dann ein Kimmich nicht nur ab, der ist dann richtig sauer. Da ist dann richtig Feuer unterm Dach. Das ist vielleicht der Unterschied.“ Geben Sie ihm recht?

Kobel: Wir haben auch hier Spieler, die laut werden können und Dinge ansprechen, wenn etwas nicht passt. Gegen Ajax hat die Emotionalität gefehlt. Das ist sicher ein Punkt, in dem wir noch besser werden müssen: auch in harten Spielen dagegen zu halten. Ich glaube aber fest, dass wir das können. In diesem Punkt geht auf jeden Fall mehr. Wir haben die Voraussetzungen in der Mannschaft. Wir haben in dieser Saison schon einige Schritte nach vorne gemacht. Die vielen Comebacks sind kein Zufall. So etwas wie in Amsterdam darf uns nicht mehr passieren, das geht einfach nicht. Insgesamt können wir aber auf vielen Dingen aufbauen.

Kobel: Diese Rolle spielte Rose

SPORT1: Ihr Transfer hat sich für den BVB schon jetzt bezahlt gemacht: Sie strahlen enorm viel Ruhe aus und haben in dieser Saison schon mehrfach stark gehalten. Trotzdem haben Sie erst zwei Mal zu Null gespielt. Wie erklären Sie sich die fehlende Balance zwischen Offensive und Defensive?

Kobel: Wir können uns in allen Bereichen verbessern, auch ich. Ich bin sehr selbstkritisch und arbeite täglich hart an mir. Wir wissen, dass wir zu viele Gegentore bekommen haben. Das sprechen wir auch intern an. Wir wollen attraktiven Fußball spielen, der Spaß macht und für den die Leute ins Stadion gehen. Wir haben in gewissen Situationen im Spiel aber immer wieder Phasen drin, in denen wir einen Schritt zu wenig machen oder den Moment fürs Gegenpressing verpassen und ein kleines Stück nachlassen – gerade dann, wenn wir eine Führung haben. Bisher hat es in der Bundesliga oft gereicht, aber wir müssen da generell einen Schritt nach vorne machen und über 90 Minuten unsere Leistung auf den Platz bringen, vor allem natürlich gegen Topteams. Da haben wir noch Luft nach oben - auch wenn wir es über weite Strecken schon hinkriegen. Wir haben super Verteidiger und eine coole Truppe da hinten drin. Ich denke, es geht eher darum, dass wir es im Kollektiv noch besser hinkriegen und diese kleinen Phasen abstellen. Dann sieht es sehr, sehr gut für uns aus.

SPORT1: Wir haben eben über Marco Rose gesprochen. Was zeichnet den Trainer aus?

Kobel: Ich bin super happy mit ihm. Er hat eine coole Ausdrucksweise, macht mal einen lockeren Spruch, schreit dich danach aber auch wieder an, wenn ihm etwas nicht passt. Der Trainer nimmt kein Blatt vor den Mund. Gerade nach einem Spiel wie in Amsterdam. Ich finde auch wichtig, dass man sich ehrlich die Meinung sagen kann. Da ist er hart, was mir persönlich auch gefällt. Auch die Mannschaft nimmt das sehr gut an. Wir wollen hart zueinander sein, wir wollen uns verbessern. Der Trainer bringt eine gewisse Energie rein. Mit ihm kann man auch mal über Dinge sprechen, die nichts mit Fußball zu tun haben. Er arbeitet zudem sehr viel im Taktischen und will unseren Offensivspielern viele Freiheiten geben. Wir sind in einem Prozess unsere Zusammenarbeit zu maximieren.

Vor dem Spiel gegen Bayer Leverkusen verteilt Marco Rose ein Sonderlob an Gregor Kobel. Außerdem erzählt er eine kuriose Anekdote, die er mit dem Torhüter in einem der ersten Telefonate mit ihm erlebt hatte...
01:08
Nach Telefonat mit Kobel: Rose muss "nice" nachschlagen

SPORT1: Welche Rolle hat er bei Ihrer Verpflichtung gespielt?

Kobel: Ich habe im Vorfeld oft mit ihm gesprochen. Es war wichtig für mich zu merken, dass man gewollt wird. Ich bin auch im Nachhinein super happy mit der Entscheidung. Der Trainer fordert sehr viel von mir, das tut mir aber gut. Weil ich auch von mir selbst viel fordere.

Das erwartet den BVB gegen Ingolstadt

SPORT1: Als Titelverteidiger spielen Sie mit dem BVB am Dienstag im Zweitrundenspiel zuhause gegen Ingolstadt. Haben Sie das Gefühl, dass der Hunger nach dem Erfolg im vergangenen Jahr bei dem einen oder anderen gestillt sein könnte? (DATEN: Ergebnisse und Spielplan des DFB-Pokals)

Kobel: Der Hunger ist bei niemandem gestillt. So etwas möchte man als Spieler doch ständig erleben. Jeder Einzelne in der Kabine will das Ding wieder holen. Die Jungs haben mir schon gesagt, wie gut sich das anfühlt. Einen Pokal konnte ich noch nicht holen. Mit Stuttgart bin ich aufgestiegen, das ist vielleicht ein ähnliches Erlebnis. Ich möchte mit dem BVB Titel gewinnen und den Pokal am liebsten schon in dieser Saison in die Luft stemmen.

SPORT1: Der DFB-Pokal wird gerne als einfachster Wettbewerb auf dem Weg zu einem Titel genannt.

Kobel: Einfach ist es nicht. Es sind nur ein paar Spiele. Du musst in jedem Spiel voll da sein und kannst dir keinen schlechten Tag erlauben. Ich mag den Pokal sehr, das ist ein besonderer Wettbewerb.

SPORT1: Was erwartet den BVB mit dem FC Ingolstadt? (Das SPORT1-Interview mit André Schubert)

Kobel: Ein unterklassiger, aber starker Gegner, der sehr aggressiv auftreten wird. Das wird eines der größten Spiele für sie in dieser Saison sein. Sie wollen es uns zeigen und werden alles raushauen. Wir müssen bereit sein und den Kampf annehmen.