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WM 2022: Stern von Bayern-Star geht in Katar auf - Endgültiger Durchbruch?

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WM 2022: Stern von Bayern-Star geht in Katar auf - Endgültiger Durchbruch?

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Stern von Bayern-Star geht auf

Noussair Mazraoui und die marokkanische Nationalmannschaft schreiben in Katar Geschichte. Entpuppt sich die Weltmeisterschaft als endgültiger Durchbruch für den Verteidiger?
Marokko gelingt dank Elfmeter-Held Bono gegen Spanien die Sensation und steht zum ersten Mal überhaupt im WM-Viertelfinale. Die Fans waren nach der Partie überglücklich.
Max Giesen
Max Giesen

Marokko hat sich bei der WM in Katar in einen regelrechten Rausch gespielt und ist jetzt schon die Sensationsmannschaft des Turniers. Großen Anteil daran hat ein Bayern-Verteidiger.

Mit Siegen über Kanada und den ewigen Geheimfavoriten Belgien sowie einem Remis gegen Vizeweltmeister Kroatien schlossen die Nordafrikaner die Gruppe F als Tabellenerste ab und schickten dann im Achtelfinale sensationell Spanien nach Elfmeterschießen in die Heimat. (DATEN: Gruppen und Tabellen der WM)

Historisch, denn noch nie gelang Marokko der Einzug in ein WM-Viertelfinale. Zuvor erreichten die „Löwen vom Atlas“ nur ein einziges Mal die K.o.-Phase einer Weltmeisterschaft: 1986 schied man im Achtelfinale allerdings mit 0:1 gegen Deutschland aus.

Mazraoui besticht durch Vielseitigkeit

Schlüssel zum Erfolg ist der überragende Abwehrriegel der Afrikaner. Neben PSG-Star Achraf Hakimi erregt vor allen Dingen ein anderer Außenverteidiger Aufsehen: Noussair Mazraoui vom FC Bayern!

Da Hakimi im Team von Nationaltrainer Walid Regragui rechts in der Viererkette gesetzt ist, verteidigt Mazraoui in ungewohnter Rolle hinten links. Und das richtig gut! (NEWS: Alles Wichtige zur WM)

Kein Wunder, denn der Verteidiger gilt als extrem vielseitig. Einst wurde er vom offensiven Mittelfeldspieler zum Rechtsverteidiger umgeschult. In der tz sagte Mazraoui über sich selbst, er habe schon „nahezu auf allen Positionen gespielt, nur nicht im Tor“.

Die marokkanischen Anhänger weltweit in Ekstase. Überall feiern sie ihre Helden auf den Straßen. In Brüssel eskaliert die Situation.
01:07
Marokkanische Fans liefern sich in Brüssel Straßenschlacht mit der Polizei

Auch auf der linken Außenbahn macht Mazraoui seine Sache so gut, dass Torhüter Bono vom FC Sevilla im gesamten Turnier nur ein Mal aus dem Spielverlauf hinter sich greifen musste. Beim Elfmeterschießen gegen die Spanier ließ der 31 Jahre alte Schlussmann nicht einen Treffer zu.

Einzig im Aufeinandertreffen mit der Auswahl Kanadas mussten die Afrikaner ein Gegentor hinnehmen - ein Eigentor von Abwehrmann Nayef Aguerd. (DATEN: Spielplan und Ergebnisse der WM)

Mit einer defensiv ähnlich stabilen Leistung müssen sich auch die Portugiesen am Samstag auf einen schwer zu knackenden Gegner einstellen. (WM-Viertelfinale: Marokko - Portugal, Samstag 16 Uhr im LIVETICKER)

Zoff mit Ex-Trainer Halilhodzic

Noch vor ein paar Monaten schien es allerdings unvorstellbar, dass ausgerechnet Mazraoui bei der WM für Marokko durchstarten würde. Denn kurz vor dem Afrika-Cup Anfang dieses Jahres bekam die Nationalmannschaftskarriere des Bayern-Stars einen Knick. (ARTIKEL: Noussair Mazraoui verstärkt FC Bayern - so tickt der neue Rechtsverteidiger für Nagelsmann)

Zunächst überwarfen sich Mazraoui und Chelsea-Star Hakim Ziyech mit Ex-Marokko-Trainer Vahid Halilhodzic. Daraufhin verzichtete der Trainer auf beide Akteure in seinem Aufgebot für den Afrika-Cup. Die Begründung des Trainers damals: „Ich möchte nicht das Risiko eingehen, die Gruppe zu destabilisieren.“

Seit der Anstellung Regraguis hat sich Mazraouis Rolle grundlegend verändert: Vom Störfaktor ist er zu einem der wichtigsten Spieler geworden.

Körperliche Probleme abgehakt

Ob dem letzten verbleibenden afrikanischen Team die Sensation gegen Cristiano Ronaldo und Co. gelingt, bleibt abzuwarten. Klar ist: Der Stern von Noussair Mazraoui ist bei dieser WM so richtig aufgegangen.

„Träumen ist eine Sache, Geschichte schreiben ist ein andere Sache“, schrieb Mazraoui nach dem historischen Erfolg gegen Spanien auf Instagram und zeigte sich hungrig auf weitere Erfolge.

Noussair Mazraoui klärt akrobatisch gegen Ferran Torres
Noussair Mazraoui klärt akrobatisch gegen Ferran Torres

Bayern-Star geht durch die Decke

Apropos Instagram: Die beherzten Auftritte ließen aufhorchen. Verzeichnete der Verteidiger des FC Bayern vor Beginn der Endrunde noch um die 250.000 Follower auf Instagram, sind es jetzt schon 1,2 Millionen.

Aber nicht nur sein Bekanntheitsgrad geht gerade durch die Decke - auch seine Leistungsexplosion dürfte besonders im Lager des Rekordmeisters für Begeisterung sorgen.

„Ich war nie das größte Talent“

Gerade mit Blick auf die Startschwierigkeiten, die den 25-Jährigen in München noch so lange ausgebremst hatten.

Mazraoui kämpfte zu Saisonbeginn mit Fitnessdefiziten, die unter anderem auf den muslimischen Fastenmonat Ramadan zurückzuführen waren. Nagelsmann sprach im August über den Gewichtsverlust und nannte auch die Umstellung auf eine neue Stadt als Probleme.

Klassische Startschwierigkeiten also - die der Neuzugang von Ajax Amsterdam im Herbst dann allerdings komplett vergessen ließ! „Ich war nie das größte Talent“, sagte Mazraoui vor der Saison über sich. Durch harte Arbeit gelang ihm dennoch der Durchbruch beim Rekordmeister.

Beim 6:2-Sieg der Bayern gegen den 1. FSV Mainz 05 stand der Marokkaner Ende Oktober nicht nur zum zweiten Mal hintereinander in der Startelf, er hatte auch Benjamin Pavard in der internen Rangliste der Rechtsverteidiger überholt.

Mit überzeugenden Leistungen in der Bundesliga und der Champions League lief der Marokkaner dem Platzhirsch aus Frankreich mehr und mehr den Rang ab. Nach seinem ersten großen Auftritt gegen den FC Barcelona war Bayern-Coach Nagelsmann voll des Lobes für seinen Wunschspieler: „Hervorragend, da brauchen wir nicht viel reden.“

Wachablösung beim FC Bayern

Konkurrent Pavard fällt nicht nur beim FC Bayern, sondern auch in der französischen Nationalmannschaft zu allem Überfluss zunehmend in Ungnade. (BERICHT: Pavard steckt in der Sackgasse)

So berichtet die L‘Équipe von verbalen Reibereien zwischen dem Weltmeister und Frankreichs Übungsleiter Didier Deschamps, welche den 26-Jährigen neben sportlicher Inkonstanz seinen Stammplatz gekostet haben soll. Seit dem Auftaktspiel hat Pavard keine Sekunde mehr bei der WM auf dem Rasen gestanden.

Bei den Bayern hat sich der Franzose schon vor der WM mit seinen öffentlichen Wechselgedanken nicht gerade beliebt gemacht. (BERICHT: Abschied von Bayern? Pavard legt nach!)

Da passt die bisher völlig in den Sand gesetzte WM so überhaupt nicht in die Planung.

Umso besser die Aussichten für Mazraoui! Wenn der Marokkaner bei der restlichen WM und danach im Trikot der Bayern auftrumpft, könnte es für Pavard auch in München bald kaum noch Spielzeit geben.