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Handball-EM 2024: "Missstände behoben" - auch eine emotionale Ansprache bringt Deutschland auf Kurs

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Handball-EM 2024: "Missstände behoben" - auch eine emotionale Ansprache bringt Deutschland auf Kurs

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Wie DHB-Team „Missstände“ behob

Deutschland zeigt bei der Handball-EM gegen Ungarn eine klare Leistungssteuerung. Dahinter stecken mehrere Stunden Videoanalyse, Gespräche und eine emotionale Ansprache.
Beim DHB-Spiel gegen Ungarn ärgert sich Bundestrainer Alfred Gislason so sehr, dass er sogar zu Boden sinkt. Nach der Partie scherzt der Coach über die Szene.
Robin Wigger
Robin Wigger

Haben ein ausgiebiges Videostudium und offene und intensive Gespräche die deutsche Nationalmannschaft bei der Heim-EM endgültig auf Kurs gebracht?

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Einen Tag nach dem enttäuschenden Remis gegen Österreich verbrachte das DHB-Team am Sonntag laut Kapitän Johannes Golla „sehr, sehr viel Zeit im Videoraum“ und absolvierte kein reguläres Training. Es machte sich am Tag darauf bezahlt: Mit einem 35:28 im vorentscheidenden Spiel gegen Ungarn gab es ein Ausrufezeichen, anstelle von Katerstimmung gibt es eine neue Euphorie.

Bei der Analyse der Hauptrundenpartien gegen Österreich (22:22) und Island (26:24) haben „die Jungs einige Missstände behoben, die sie in Gesprächen erörtert haben“, berichtete Torhüter Andreas Wolff.

Angriffssitzungen ohne Torhüter: „Da stört man nur“

Weitestgehend ging es in den Gesprächen um das deutsche Angriffsspiel, das in den Partien vor Ungarn deutlich Luft nach oben gelassen hatte. Wolff war in diesen Runden übrigens nicht dabei. „Als Torhüter stört man da nur“, sagte der Keeper augenzwinkernd.

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Von SPORT1 darauf angesprochen, schmunzelte Golla: „Da hat er recht. Bei Angriffssitzungen werden die Torhüter ausgeladen und dürfen sich mit Mattias Andersson gesondert hinsetzen und die Wurfbilder und alles Weitere besprechen.“

Wolff betonte: „Es ist gerade in einer homogenen Mannschaft wichtig, dass man Sachen offen und ehrlich anspricht. Wenn es Missstände gibt, dann muss man mit dem Finger darauf zeigen.“

Auch junge Spieler bringen sich ein

Zwei Punkte wurden in der Interviewzone am Montag und in einer Medienrunde am Dienstag besonders hervorgehoben: Die Gesprächskultur und der Input von unterschiedlichen Seiten.

„Es war bemerkenswert, dass sich jeder Spieler eingebracht hat“, lobte Golla: „Ob es die alten Hasen sind oder auch die jungen Leute, die gesagt haben: ‚Ich hätte eine Idee, können wir das so oder so machen.‘“

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Christoph Steinert nannte dabei beispielsweise den EM-Debütanten Nils Lichtlein, der durch seine Position auf Rückraum Mitte trotz seiner bisher geringen Spielanteile im Prinzip eine große Rolle im Angriff einnimmt. Und „Julian (Köster) hat eh einen gewaltigen Part bei uns, der bringt sich eh immer ein. Das machen alle richtig gut. Wir haben auch eine Kultur, in der sich jeder traut, was zu sagen, was völlig in Ordnung ist.“

Bei der Analyse der Angriffe sei es nicht darum gegangen, „die Schuld hin und her zu schieben“, betonte Bundestrainer Alfred Gislason: „Wir kommunizieren sehr viel. Ich will auch wissen, was sie (die Spieler, Anm. d. Red.) wollen.“

„Nie etwas persönlich gemeint“

Natürlich sei es an einem Tag nach einem schlechten Spiel „schwierig, sich dahinzusetzen und zu sagen, wir konzentrieren uns auf das“ meinte Golla über das durchaus zähe Videostudium. Aber „da sind wir echt gut in die Diskussion gekommen - und das hat Früchte getragen.“ Neben dem Kreisläufer saß am Dienstag Vorstand Sport Axel Kromer, der bei den Dialogen auch zugegen war, und nickte mehrmals zustimmend. „Man muss wirklich sagen, dass sich die Stunden im Videoraum gelohnt haben, dass sich die Kommunikation gelohnt hat“, schloss Golla.

Auch der erneut glänzende Julian Köster, der von „harten und ehrlichen Worten sprach“, wies nach dem Sieg gegen Ungarn darauf hin, „dass sich jeder seine Gedanken gemacht hat, wir viel gesprochen und analysiert haben und das gut umsetzen konnten. Emotionen gehören zum Spiel dazu, das sieht man, wenn wir auf der Platte sind, wie heiß wir alle sind. Das Wichtigste ist, dass nie etwas persönlich gemeint ist, sondern, dass wir sachlich miteinander reden können.“

Auf diese Sachlichkeit wies auch Gislason hin, es sei keineswegs ein „reinigendes Gewitter“, wie ein Reporter fragte, gewesen. Der Isländer betonte, „komplett ruhig“ gewesen zu sein. „Ich habe eine sehr intelligente Mannschaft. Die brauche ich nicht anzuschreien.“

Gislason-Ansprache berührt Spieler

Emotional wurde Gislason aber offenbar in einer Ansprache am Spieltag, am Montagmittag. Als ihn ein Bild-Reporter darauf ansprach, lachte Gislason: „Wie kommst du denn an die Infos? Ich muss gucken, wen ich rausschmeißen muss.“

Spielmacher Juri Knorr erzählte laut dpa: „Alfred hat nochmal ein paar schöne Dinge gesagt. Das hat uns auch nochmal zusammengeschweißt. Warum wir dankbar sein können für die Momente, die wir hier erleben können. Den Moment, den wir jetzt hier erleben, den nimmt uns keiner.“

Der Trainer habe seine Schützlinge erinnert, dass „das Leben und die Sportlerkarriere eh so kurz“ seien und gesagt: „Also lasst uns das hier jetzt genießen.“

Die „andere Ansprache“ habe „gezeigt, was für ein großartiger Trainer und toller Mensch er ist. Das hat uns sehr berührt.“ Und Golla befand laut n-tv: „Wenn so einer dann emotional wird, dann spüren wir das alle. Es hat uns beflügelt.“