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München - Alle Super-Bowl-Touchdowns der Tampa Bay Buccaneers gehen auf das Konto von Spielern, die vor der Saison ohne Job waren - teils aus dunklen Gründen.

Viel war nach dem siebten Super-Bowl-Triumph die Rede von Tom Brady.

Doch im Schatten des Superstars schrieben beim 31:9 der Tampa Bay Buccaneers gegen Titelverteidiger Kansas City Chiefs auch seine Teamkollegen ihre besonderen Geschichten.

Rob Gronkowski, Leonard Fournette und Antonio Brown: Alle Touchdowns der Bucs gingen auf die Konten von Spielern, die vor der Spielzeit noch ohne Job waren und zum Teil schon auf ganz anderen Karriere-Pfaden unterwegs waren. (Der Super Bowl im Ticker zum Nachlesen)

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Die Buccaneers ließen sich bei ihren Personalentscheidungen nicht abschrecken - auch nicht von der besonders trüben Vorgeschichte Browns. Sportlich hat es sich nun in jedem Fall ausgezahlt.

Rob Gronkowski tobte sich bei WWE und "Masked Singer" aus

Zur Erinnerung: Gronkowski, der prominenteste Co-Star Bradys hatte 2019 nach neun Jahren als Mitstreiter des Quarterbacks bei den New England Patriots seinen Rücktritt erklärt. Der Ellbogen und der Rücken waren am Ende, der 31-Jährige verfolgte neue Projekte, die seinen Ruf als bunter Hund stützten.

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"Gronk" wurde Teil einer Comedy-Gameshow, war als "White Tiger" einer der Inkognito-Kandidaten in der US-Variante von "The Masked Singer" und unterschrieb zudem einen Deal mit WWE, wo er diverse Showkämpfe als Wrestler bestreiten sollte - und bei WrestleMania als "24/7 Champion" auch schon einen ersten (wenngleich als Gag inszenierten) Titel gewann.

Schließlich lockte der Football - und vor allem Brady - dann doch wieder. Gronkowski suchte und fand neue Therapie-Ideen für seinen geschundenen Körper und stieg mit 31 Jahren wieder ein, war zunächst aber vor allem als Blocker für seine Mitspieler wichtig und bekam kaum Bälle. Der Super Bowl war statistisch "Gronks" bestes Spiel und sicherte ihm Ring Nummer vier.

Der Tight End fing gleich zwei Pässe in der Endzone und kam auf 67 Yards durch gefangene Bälle. Gronkowski stellte sogar einen Rekord auf. Mit fünf Touchdowns im Super Bowl überflügelte er gemeinsam mit Brady die 49ers-Legenden Joe Montana und Jerry Rice und schwang sich zum erfolgreichsten Duo der NFL-Geschichte auf.

Die zweite Karriere im Showbiz muss da vorerst weiter warten, wie Gronk inzwischen klargemacht hat: "Es war eine extrem coole Saison. Ich liebe es, hier zu sein. Es ist eine großartige Atmosphäre und ich sehen keinen Grund, weshalb ich nicht wiederkommen sollte."

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Leonard Fournette wurde von Flop-Team abserviert

Mit Leonard Fournette erlebte ein weiterer Bucs-Star ein Märchen. Vor der Spielzeit wurde der Runningback beim schlechtesten Team der Liga, den Jacksonville Jaguars, entlassen. Zuvor hatte der Klub seinen Spieler zum Tausch angeboten, aber es fand sich kein Abnehmer. Vor allem die Skandal-Akte schreckte die Teams ab.

Die Polizei erwischte Fournette beim Fahren ohne Führerschein und verhaftete ihn. Bei einem Spiel gegen die Bills stürmte der Running Back aufs Feld und prügelte sich mit Bills-Verteidiger Shaq Lawson.

Leonard Fournette war von den Jacksonville Jaguars abserviert worden
Leonard Fournette war von den Jacksonville Jaguars abserviert worden © Imago

Die Bucs ließen sich jedoch nicht einschüchtern und nahmen den 26-Jährigen. Der Lohn: Fournette steigerte sich in der Saison immer mehr und bedankte sich im Super Bowl mit 89 Yards nach Läufen und einem Touchdown über 27 Yards. 

Antonio Brown schien nach schweren Vorwürfen schon am Ende

Während der Spielzeit holte der Meister dann mit Antonio Brown ein noch größeres "Enfant terrible" mit in den Kader. Der Receiver hatte bei den Pittsburgh Steelers von 2010 bis 2019 eine herausragende Zeit und schwang sich auf seiner Position zu einem der besten der Liga auf. Seine sportlichen Qualitäten waren jedoch zunehmend von Skandalen überschattet worden.

Die Steelers verließ Brown 2019 im Mega-Zoff mit Trainer Mike Tomlin und Quarterback Ben Roethlisberger. Er wurde zu den Oakland Raiders abgegeben, forderte aber noch vor seinem ersten Einsatz seine Entlassung. Zuvor hatte der Star noch die Verantwortlichen des Teams beleidigt. 

Die Raiders entsprachen Browns Wunsch und gaben ihn frei. Wenige Tage später heuerte er bei den Patriots an und traf dort schon auf Brady - doch massive Vorwürfe setzten dem Engagement ein vorzeitiges Ende.

Browns ehemalige Fitnesstrainerin Britney Taylor warf dem Passempfänger Vergewaltigung vor, eine weitere Frau beschuldigte ihn der sexuellen Belästigung. Die Patriots setzten den Star vor die Tür und dieser verkündete sein Karriereende. 

2020 ging er dann aber auf Entschuldigungs-Tournee und kündigte seine Rückkehr an. Die NFL sperrte Brown wegen der Skandale für die ersten acht Spiele, danach wurde Brown auf dem Feld zunehmend zum Faktor für die Buccaneers.

Antonio Brown fing beim Super Bowl einen Touchdown für Tampa Bay
Antonio Brown fing beim Super Bowl einen Touchdown für Tampa Bay © Imago

Autorität von Tom Brady als integraler Faktor

Ist es ein Zufall, dass die Buccaneers in auffälliger Weise auf Spieler gesetzt haben, die anderswo unten durch waren? Es wirkt im Gegenteil eher so, als wäre die Vorgeschichte speziell von Brown und Fournette Teil einer strategischen Überlegung.

Sebastian Vollmer, Bradys und Gronkowskis deutsche Ex-Teamkollege bei den Patriots glaubt, dass Brady bei der Integration skandalbehafteter Spieler eine wichtige Rolle spielt. "Randy Moss war auch jemand, der mit Problemen von den Vikings kam, und sich bei den Patriots Brady untergeordnet hat", erinnert er sich im Gespräch mit SPORT1: "Das liegt einfach an dem Erfolg. Du brauchst bestimmte Spieler, die über einem stehen. Es gehört schon etwas dazu, dass ein Antonio Brown, der als einer der besten Receiver der Liga kam, sagt: Ich ordne mich jemandem unter."

Wie lange Brady die Egos im Zaum halten kann? Vollmer ist nicht sicher: "Manchmal geht das für ein paar Spiele, manchmal für ein paar Jahre. Mal sehen, wie lange es bei denen hält."

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