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München - Gerwyn Price besiegt beim Grand Slam seinen Angstgegner Michael van Gerwen und schwingt sich zum WM-Favoriten auf. Sogar die Fans stehen plötzlich auf seiner Seite.

Als Gerwyn Price das einseitige Match beenden wollte, waren sie plötzlich wieder da: Die Pfiffe.

Der "Bad Boy" des Darts war im Finale des Grand Slam of Darts überrascht, vergab drei Matchdarts gegen Peter Wright und verlor das Leg. Wenige Minuten später machte er dann aber den Sack zu und triumphierte hochverdient mit 16:6.

Anders als im vergangenen Jahr, als er ebenfalls die Eric Bristow Trophy und 125.000 Pfund (146.000 Euro) gewann und sich in einem skandalösen Finale die Wut von Gegner Gary Anderson und den Fans zuzog, wurde er nach dem Sieg nun bejubelt.

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"Die Fans waren fantastisch, das bin ich nicht gewohnt. Sie haben mich gepusht, um den Titel zu gewinnen", erklärte Price, der erst als dritter Spieler nach Phil Taylor und Michael van Gerwen seinen Titel beim Grand Slam verteidigen konnte. "Ich habe die Triples getroffen. Ich hatte Spaß, war entspannt und zufrieden. Ich hatte ein gutes Jahr und bin dankbar, hier wieder gewonnen zu haben."

Tatsächlich pfiffen die Fans in Wolverhampton in den letzten Momenten des Matches wohl nur, weil sie gerne noch ein längeres und spannenderes Endspiel erlebt hätten.

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Price erarbeitet sich Ruf als Buhmann

Price meinte: "Die Zuschauer waren in der ganzen Woche fantastisch für mich. Das Match zu gewinnen und danach bejubelt zu werden ist ein viel besseres Gefühl als im letzten Jahr. Die Fans stehen wirklich hinter mir und ich genieße das."

Vor Jahresfrist war das noch anders: Im Endspiel gegen Anderson jubelte er ausgiebig ins Gesicht seines Gegners, ließ sich nach seinen Würfen viel Zeit bis zum Gang an die Scheibe und führte bösen Trash Talk mit seinem Gegner. Anderson ließ sich auf die Spielchen ein, rempelte den Waliser mit der Schulter und verlor seinen Fokus. Price siegte nach 8:11-Rückstand mit 16:13 und gewann das Turnier - dafür erarbeitete er sich einen sehr negativen Ruf und wurde zu einer Geldstrafe von 21.500 Euro verurteilt.

Der Belgier Kim Huybrechts twitterte anschließend: "Glücklich, dass ich nicht mehr der meistgehasste Spieler bin." Price tat im Anschluss wenig dafür, seinen Ruf zu verbessern. Er meinte, dass die Fans in Zukunft noch mehr buhen sollten, stellte klar, dass er keine Freunde auf der Tour habe und er seinen Gegnern "das Geld aus der Tasche" ziehen würde.

Im Juni erklärte er dann, dass er sich über den Immobilien-Handel ein zweites Standbein aufbaue und "mit 50 Jahren aufhören und in der Sonne leben" wolle.

Das Buhmann-Image hat er fürs Erste nun abgelegt, Anderson ließ er diesmal bereits im Viertelfinale keine Chance, warf dabei im Warmup einen Neun-Darter. Price hat sich den Respekt der Fans erarbeitet, wie es zuvor bereits der ebenfalls lange Zeit unbeliebte Dominator van Gerwen schaffte.

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Price mit Premieren-Sieg gegen van Gerwen

Jenen van Gerwen hatte Price im Halbfinale mit 16:12 geschlagen, es war sein erster Sieg im 20. Anlauf gegen den Weltranglistenersten (1 Unentschieden, 18 Niederlagen).

"Gerwyn hat es verdient, zu gewinnen", sagte der Niederländer. "Ich habe zu viele Fehler gemacht und ihm zu viele Chancen ermöglicht. Er hat das ausgenutzt, Respekt dafür."

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Der "Iceman" machte seinem Spitznamen aber auch alle Ehre, spielte sowohl im Halb- (100,7) als auch im Finale (107,9) einen starken Average über 100 Punkten und ließ mit Doppel-Quoten von 53 (Halbfinale) bzw. 51 Prozent (Finale) kaum eine Möglichkeit zum Auschecken aus.

Der Lohn ist neben dem Turniersieg und dem Preisgeld auch Weltranglisten-Platz dreii. Der frühere Rugby-Spieler hat sich endgültig zu einem der Favoriten für die Weltmeisterschaft (Darts-WM ab 13. Dezember LIVE im TV auf SPORT1) aufgeschwungen.

Desaströse Bilanz im "Ally Pally"

"Vor 18 Monaten habe ich mich noch gefragt, ob ich den einen oder anderen überhaupt schlagen kann. Ich wollte nicht auf Spieler wie Gary (Anderson, Anm. d. Red.), Peter Wright, Michael (van Gerwen) oder Dave Chisnall treffen. Heute haben sie mehr Angst vor mir als ich vor ihnen", tönte Price im Sommer.

Beim Jahreshöhepunkt im Alexandra Palace hat Price noch etwas gutzumachen, seine Bilanz in London ist desaströs. Im Vorjahr setzte es bereits bei seinem ersten Auftritt das Aus, in der 2. Runde unterlag er dem späteren Halbfinalisten Nathan Aspinall mit 2:3. Sein bestes Resultat holte er 2018, als er die dritte Runde erreichte. Von 2015 bis 2017 schied er sogar bereits in der 1. Runde aus.

Price befreit sich von "Dämon"

"Ich hatte ein gutes Jahr und gute 18 Monate, aber so etwas passiert nicht jedes Mal", meinte der Waliser nach dem Sieg beim Grand Slam. "Ich habe gut gespielt und das gibt dir Selbstvertrauen. Ich war in jedem Turnier der letzten sechs Monate selbstbewusst. Ich bin voller Glauben an mich und hoffentlich kann ich das weiterführen."

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Beim letzten Major des Jahres vor der WM befreite er sich durch den Sieg gegen van Gerwen laut eigener Aussage gar "von einem Dämon."

Die Unterstützung der Fans, die jedoch durch seine teilweise arroganten und überflüssigen Jubelgesten zerbrechlich wirkt, könnte ihm den entscheidenden Push geben, um auch bei der Weltmeisterschaft den ganz großen Triumph zu schaffen.

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