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München - Neven Subotic denkt gerne an seine Zeit beim BVB zurück. Bei SPORT1 spricht der 30-Jährige über Dortmunds Titelkampf mit den Bayern, seinen Ex-Trainer Jürgen Klopp und seine Zukunft.

Neven Subotic war schon immer ein besonderer Typ. 2009 wurde er für den Fußballspruch des Jahres ausgezeichnet. "Er muss ja nicht unbedingt dahin laufen, wo ich hin grätsche", sagte Subotic damals über Gegenspieler Demba Ba.

Neun Jahre spielte der Innenverteidiger bei Borussia Dortmund. Sein Förderer war Trainer Jürgen Klopp, den er aus gemeinsamen Zeiten beim Mainz 05 kannte. Zusammen wurden sie beim BVB 2011 und 2012 Deutscher Meister.

Seit Januar 2018 spielt Subotic beim französischen Rekordmeister AS Saint-Etienne.

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Im SPORT1-Interview spricht der 30-Jährige über Dortmunds spannendes Titelduell mit dem FC Bayern, Klopp und seine eigene Zukunft.

SPORT1: Herr Subotic, wie blicken Sie auf das eine Jahr in Saint-Etienne zurück?

Neven Subotic: Ich hatte und habe ein super Jahr bei ASSE. Ich bin bis auf den Ausfall durch meinen Zusammenstoß mit unserem Torwart Stephane Ruffier verletzungsfrei. Ich bin sehr glücklich mit der aktuellen Saison, denn ich stand und stehe jedes Wochenende auf dem Platz. Ich konnte mein altes Niveau an Fitness erreichen und freue mich über jede Partie, die wir haben. Zudem konnte ich meiner Mannschaft helfen von Rang 16 auf den 6. Platz zu klettern.

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SPORT1: Ihr Vertrag bei Saint-Etienne läuft im Sommer aus, wie sehen Ihre Pläne aus?

Subotic: Man wird sehen, was im Sommer passiert. Ich fühle mich in Saint-Etienne sehr wohl, mache aber auch keinen Hehl daraus, dass sowohl die Bundesliga als auch die Premier League nach wie vor sehr reizvolle Aufgaben bieten können.

SPORT1: Favorisieren Sie die Bundesliga bei einer Rückkehr und wenn ja, warum?

Subotic: Ich habe zehn Jahre in der Bundesliga gespielt und somit eine große Erfahrung. Ich halte sowohl die Bundesliga als auch die Premier League für die spielstärksten Ligen in Europa. Doch auch in Frankreich, Italien und Spanien wird sehr guter Fußball gespielt.

SPORT1: Wie sehr haben Sie Borussia Dortmund noch im Blick?

Subotic: Ich schaue wann immer ich die Gelegenheit habe den BVB im Fernsehen an. Und natürlich bestehen sowohl nach Dortmund als auch in die Mannschaft weiterhin sehr gute Kontakte. Es ist ein bisschen wie eine Familie.

SPORT1: Unter Lucien Favre war der BVB die ganze Hinrunde und die ersten Spieltage der Rückserie auf Platz 1. Nun ist der FC Bayern wieder Erster. Geht Borussia am Ende die Luft aus?

Subotic: Das ist völlig normal, dass nach einer solchen Hinrunde auch mal eine schwierigere Phase einsetzt, in der das nötige bisschen Glück fehlt. Ich bin absolut überzeugt, dass Lucien Favre die richtigen Mittel findet, um den Spannungsbogen wieder zu erhöhen.

SPORT1: Wie sehen Sie Favre in seinem ersten Jahr in Dortmund?

Subotic: Wer auf Platz eins oder zwei in der Bundesliga ist, kann nicht viele Fehler gemacht haben. Der BVB spielt einen tollen Fußball, es wurden viele neue Spieler sehr gut integriert. Es läuft alles richtig.

SPORT1: Ihr früherer Trainer Jürgen Klopp steht mit Liverpool im Champions League-Viertelfinale. Was sagen Sie dazu?

Subotic: Auch hier muss ich dieselbe Antwort geben: wer in der Premier League und Königsklasse so weit gekommen ist, der macht alles richtig. "Kloppo" macht in Liverpool einen sensationellen Job. Bevor er da war, habe ich selten Liverpool geschaut, doch mit ihm sind die Reds zur Sensation geworden, sie bereichern die gesamte Fußballwelt.

SPORT1: Klopp hat Liverpool Stück für Stück zu einer Einheit geformt. Die Bayern hatten Respekt. Was macht die Arbeit von Klopp aus?

Subotic: Kloppo gibt jedem Spieler exakt das, was dieser benötigt. Die Mannschaft strotzt vor Selbstvertrauen. Und als emotionaler und motivierender Einpeitscher ist Kloppo eine Klasse für sich.

SPORT1: Klopp braucht und will natürlich einen ersten Titel mit Liverpool. Wird er die Meisterschaft oder sogar die Champions League, die er gewinnt?

Subotic: Ich würde es ihm sehr gönnen und mich auch immens freuen, wenn das beides klappen würde. Aber selbst, wenn "nur" zweite Plätze dabei rauskommen sollten, ist ihm in Liverpool ein Denkmal gewiss.

SPORT1: Wäre es ein Traum zu Klopp zu wechseln? Unter ihm hatten Sie Ihre beste Zeit.

Subotic: Nicht nur meiner (lacht), das stimmt! Und da Träume und Realitäten oft auseinander liegen, kann ja auch jeder träumen, was er will. Ich habe über die Jahre immer wieder mal Kontakt mit ihm gehabt und wir werden auch ewige Freunde bleiben. Doch es ist nicht so, dass wir uns wöchentlich austauschen.

SPORT1: In der Bundesliga gibt es ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen den Bayern und dem BVB. Das tut der Liga gut. Wie sehen Sie den Zweikampf?

Subotic: Es ist spannend wie lange nicht mehr. Der BVB ist mit einer neuen und hungrigen Mannschaft im Aufbau, die Bayern sind auch mitten im Umbau. Und für beide ist noch alles drin. Natürlich drücke ich dem BVB in der Meisterschaft die Daumen. Das 3:2 in der letzten Minute gegen Hertha BSC gibt großen Auftrieb und zeigt die sehr gute Moral und Mentalität der Mannschaft. Natürlich ist auch das 6:0 der Bayern ein starkes Zeichen. Es bleibt eben super spannend. Im direkten Vergleich wird es dabei sicherlich einen Big Point geben.

SPORT1: Marco Reus spielt eine großartige Runde. Glauben Sie, dass es nur daran liegt, dass er wieder unter Lucien Favre spielt?

Subotic: Wenn Marco fit ist, dann ist er einer der besten Spieler der Welt. Und dass er gut mit Favre kann, ist auch kein Geheimnis. Es kann manchmal so einfach sein. Dazu kommt auch eine gute Synergie mit Mario Götze, Jadon Sancho, Paco Alcacer und anderen, die nochmal allen gegenseitig hilft.

SPORT1: Wie sehen Sie nach der vergangenen Woche die Lage des deutschen Fußballs auf der internationalen Bühne? So schlecht war Deutschland noch nie. Der BVB, Schalke und die Bayern sind raus, nur Eintracht Frankfurt hält noch die deutsche Fahne hoch. 

Subotic: Ich sehe nicht gleich den Untergang des deutschen Fußballs. So was kommt auch in anderen Ligen vor. Ich mache mir um den deutschen Fußball keine Sorgen.

SPORT1: Sebastian Kehl ist seit Sommer 2018 bei Borussia als Teammanager tätig und fühlt sich wohl im neuen Job. Wollen Sie nach der Karriere auch ins Management wechseln oder Trainer werden? Vielleicht sogar beim BVB?

Subotic: Kehli war schon immer ein heller Kopf und macht das sehr gut, durchdacht und mit einem ehrlichen Interesse. Er ist für diesen Job genau der Richtige. Da ich mich noch zu 100 Prozent auf meine aktive Karriere konzentriere, beschäftige ich mich nicht mit den Gedanken nach dem Fußball.

SPORT1: Matthias Sammer ist als Berater beim BVB tätig und hat ein wachsames Auge auf die Dinge. Zuletzt hat er in typischer Manier öffentlich den Finger in die Wunde gelegt, als es nicht lief. Durfte er das oder ist er da zu forsch?

Subotic: Ich sehe das auch nur von außen, habe aber den Eindruck, dass der BVB und Sammer sehr gut zusammenarbeiten. Die Arbeit trägt Früchte: Von daher scheint alles zu passen. Es macht nicht nur mir sehr viel Spaß das von außen zu betrachten. Der BVB ist auf einem sehr guten Weg.

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