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Samoa Joe (l.) und AJ Styles waren einst die Stars bei TNA, heute sind beide bei WWE
Samoa Joe (l.) und AJ Styles waren einst die Stars bei TNA, heute sind beide bei WWE © Imago
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München - TNA (heute: Impact Wrestling) war Heimat von AJ Styles und erste Alternative zu WWE. Großes Chaos hinter den Kulissen hat die Liga aber schwer mitgenommen.

In den Neunzigern war es World Championship Wrestling (WCW), im Jahr 2019 greift AEW (All Elite Wrestling) an. Aber was macht eigentlich die Liga, die in der Zwischenzeit dem Wrestling-Marktführer WWE am ehesten Konkurrenz machte?

Impact Wrestling - früher bekannt als TNA (Total Nonstop Action) - war die Promotion, die AJ Styles und Samoa Joe groß herausbrachte, war Bühne für große Namen wie Sting, Kurt Angle, Matt und Jeff Hardy, Kevin Nash, Christian Cage, zwischenzeitlich auch für Hulk Hogan und den "Nature Boy" Ric Flair.

Inzwischen aber hat Impact fast alle Stars von einst an WWE und andere Mitbewerber verloren, ist in einer Nische verschwunden, in der viele Fans sie kaum mehr wahrnehmen. Was ist passiert?

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TNA war erste Alternative zu WWE

TNA wurde 2002 als "NWA TNA" vom ehemaligen WWE-Star Jeff Jarrett gegründet. Jarrett war bei WWE durch die Umstände seines Wechsels zu WCW in Ungnade gefallen und hatte nach dem Ende von WCW 2001 keine Aussicht, dort wieder aufgenommen zu werden.

Jeff Jarrett gründete TNA im Jahr 2002
Jeff Jarrett gründete TNA im Jahr 2002 © Getty Images

TNA war für das Imperium von Vince McMahon nie ein Konkurrent auf Augenhöhe - was Zuschauer- und Umsatzzahlen anging, war WWE immer weit voraus - aber die Liga war eine veritable Alternative für Fans und Wrestler, die bei WWE keine Heimat (mehr) fanden. Sie hatte eigene Ideen wie den sechseckigen Ring und die X-Division mit ihren spektakulären Flugshows, sie hatte eigene Stars - die Dreierfehde zwischen Styles, Joe und Christopher Daniels war eine der besten Rivalitäten mit den stärksten Matches ihrer Zeit -, sie hatte eine treue Fangemeinde.

Einen Großteil davon hat TNA verloren: Zu ihren besten Zeiten sahen sich 1,5 Millionen US-Zuschauer pro Woche die TNA-TV-Show Impact an. Inzwischen läuft sie dort auf dem Pursuit Channel, einem Nischensender, der eigentlich für Jagd- und Outdoorfans etabliert wurde. Die Quoten sind so gering, dass sie nicht mehr veröffentlicht werden.

Coup mit Hulk Hogan 2009 ging nach hinten los

Was lief schief? Fehlentscheidungen werden der Liga viele vorgeworfen, als entscheidender Wendepunkt aber gelten die Jahre 2009/10, als TNA eine Menge Geld in die Verpflichtung früherer WWE-Stars steckte: Hogan, Flair, Jeff Hardy, Rob Van Dam, Mr. Anderson (bei WWE: Mr. Kennedy).

Hulk Hogan (r., mit der langjährigen TNA-Präsidentin Dixie Carter) war zwischen 2009 und 2013 bei TNA aktiv
Hulk Hogan (r., mit der langjährigen TNA-Präsidentin Dixie Carter) war zwischen 2009 und 2013 bei TNA aktiv © Getty Images

Das Investment zahlte sich nicht wie erhofft aus, TNA arbeitete seit damals nicht mehr profitabel, berichtet das Fachportal Wrestling Observer.

In den Jahren 2013 und 2014 wurde die Not richtig sichtbar, eine große Abwanderungswelle begann. Dass Altstar Hogan im Oktober 2013 wieder ging, traf die Liga dabei weniger als der Abgang von Ausnahme-Athlet AJ Styles zwei Monate später. Der "Phenomenal One" galt als "Franchise Player", als Herz und Seele von TNA. Nach eigenen Angaben bot die umbenannte Liga ihm nur noch 60 Prozent der vorherigen Bezüge - es war ein Angebot, das er nicht annehmen konnte.

AJ Styles ist seit Anfang 2016 bei WWE
AJ Styles ist seit Anfang 2016 bei WWE © Getty Images

Styles ging und landete über den Umweg NJPW in Japan schließlich bei WWE (nachdem Verhandlungen über eine Rückkehr zu TNA wieder im Streit geendet waren). In den Jahren darauf verlor Impact zahlreiche weite langjährige Säulen: Sting, Daniels, Joe, Bobby Roode, Eric Young und viele mehr.

Chaos hinter den Kulissen

Einen weiteren Tiefschlag gab es 2014, als sich Impact mit dem langjährigen US-TV-Partner Spike TV nicht auf einen neuen Vertrag einigen konnte und dadurch massiv an Fernseh-Reichweite verlor.

Gerüchten zufolge war ein entscheidender Faktor, dass Impact dem Sender verheimlicht hatte, dass die Liga wieder mit dem umstrittenen Ex-WWE- und WCW-Autor Vince Russo zusammenarbeitete. Der mit der Situation gut vertraute Pro Wrestling Insider berichtete aber stattdessen, dass die langjährige Impact-Chefin Dixie Carter schlicht schlecht verhandelt hätte.

Carter - deren Familie das texanische Energieunternehmen Panda Energy betreibt - trat Anfang 2017 nach weiteren Grabenkämpfen hinter den Kulissen zurück, verwickelt war darin auch Rocksänger und Wrestling-Fan Billy Corgan (The Smashing Pumpkins), der bei Impact zwischenzeitlich Präsident, kreativer Berater und finanzieller Gönner war. Das stetige Chaos überschattete auch späte Glanzlichter wie das kultig-kreative Trash-Spektakel "The Final Deletion", das sich Matt und Jeff Hardy 2016 bei Impact lieferten.

Seit Anfang 2017 ist das Medienunternehmen Anthem hauptverantwortlich für Impact, das den Namen TNA zu diesem Zeitpunkt ablegte. Zunächst holte es den mehrfach ab- und wiedereingesetzten Ligagründer Jeff Jarrett wieder an Bord und plante eine Fusion mit dessen Ligaprojekt GFW. Die platzte dann aber auch, als Anthem und Jarrett sich ebenfalls zerstritten. Jarrett arbeitet seit Anfang 2019 nun wieder für WWE.

Kreativer Aufschwung seit Ende 2017

Für den Tagesbetrieb von Impact sind seit Ende 2017 die beiden Kanadier Scott D'Amore und Don Callis verantwortlich, die vor der Kamera als Manager bzw. Kommentator bekannt sind.

Seit die beiden am Ruder sind, sind die Kritiken für Impact besser geworden, Impact gilt mittlerweile wieder als solides Produkt und gute Anlaufstelle für begabte Performer wie Brian Cage, Tessa Blanchard, Eddie Edwards und LAX.

Den Anspruch, die erste Alternative zu WWE zu sein, musste die Liga gleichwohl längst aufgeben: Vielsagend war, dass WWE im Juli 2019 der jetzt bei Impact unter Vertrag stehenden Legende Rob Van Dam einen Gastauftritt bei Monday Night RAW absolvieren ließ - undenkbar, wenn die McMahon-Promotion eine Liga als Konkurrenten auch nur annähernd ernst nimmt.

Es bleibt abzuwarten, ob und wie Impact in der durch AEW veränderten Wrestling-Landschaft dauerhaft ihren Platz finden wird.

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