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München - WWE konterte den TV-Coup von AEW und hievte NXT als direkte Konkurrenz ins US-Fernsehen. Bislang wurde der Zweck der Übung nur bedingt erfüllt.

Der neue WWE-Rivale AEW ist im Oktober mit der Fernsehshow Dynamite an den Start gegangen, WWE konterte mit einem eigenen TV-Schachzug: Der Marktführer beförderte den Drittkader NXT ins US-Kabelfernsehen - und zieht in den "Wednesday Night War" mit All Elite Wrestling.

Am 18. September feierte NXT sein Debüt auf dem USA Network, das auch Heimatstation von RAW ist. Auf dem Streaming-Portal WWE Network, bislang exklusive Heimat von NXT, sind die wöchentlichen Shows seitdem erst mit einem Tag Verzögerung zu sehen.

Seit dem 2. Oktober läuft die ursprünglich als Talententwicklungs-Plattform konzipierte Show live, zwei Stunden lang und in direkter Konkurrenz mit Dynamite - das an diesem Tag bei TNT loslegte, der einstigen Fernseh-Heimat des letzten großen WWE-Rivalen WCW (World Championship Wrestling).

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Das offensichtliche Ziel des "Wednesday Night War", den WWE-Boss Vince McMahon anzettelte: Dem neuen Mitbewerber, der WWE unter anderem Chris Jericho und Jon Moxley alias Dean Ambrose abspenstig gemacht hat, sollte der Start so schwer wie möglich gemacht werden.

Gelungen ist das nur bedingt: Ohne direkte Konkurrenz war NXT verheißungsvoll angelaufen, das erste Quotenduell hat Dynamite dann aber klar gewonnen und NXT unter die 1-Millionen-Zuschauer-Marke gedrückt - und das obwohl WWE voll in den Kampfmodus ging, unter anderem durch die Verschiebung des früheren Universal Champions Finn Balor zurück zu NXT.

NXT ist ein Erfolgsmodell von WWE

NXT entstand 2012 als Nachfolge-Projekt der früheren WWE-Farmliga Florida Championship Wrestling. Über ihren ursprünglichen Daseinszweck, Neuverpflichtungen und Nachwuchstalente aus dem Leistungszentrum in Florida an die beiden Hauptshows heranzuführen, ist NXT inzwischen weit hinausgewachsen.

Den puristischeren, mehr auf zeitgemäße Ring-Action denn auf Entertainment konzentrierten Stil gefällt vor allem vielen eingefleischte Fans, die TakeOver-Shows (die weiter wie bisher auf dem WWE Network verbleiben) füllen regelmäßig größere Hallen und kriegen meist bessere Kritiken als die Pay Per Views mit den Hauptkader-Stars. Ab 2020 scheinen auch die TakeOvers in direkte Konkurrenz zu den AEW-Pay-Per-Views zu gehen.

Exemplarisch für die Qualitäten des dritten "Brands" standen die jüngsten Fehden von NXT-Fixstern Johnny Gargano gegen Tommaso Ciampa und den aktuellen Champion Adam Cole. Auch Sami Zayn, Kevin Owens, The Revival, Andrade und die "Four Horsewomen" (Charlotte Flair, Becky Lynch, Sasha Banks und Bayley) hatten sich bei NXT mit herausragenden Performances hervorgetan. Derzeit stechen unter anderem auch Matt Riddle, Velveteen Dream und der charismatische Damenchampion Shayna Baszler hervor.

Geistiger Vater des Erfolgsprojekt ist McMahons Schwiegersohn und Mitvorstand Paul Levesque alias Triple H, auch dessen legendärer Weggefährte Shawn Michaels spielt eine tragende Rolle hinter den NXT-Kulissen.

Bald auf Augenhöhe mit RAW und SmackDown?

Die Beförderung von NXT vom Streaming ins lineare Fernsehen änderte einiges: NXT verbleibt zwar in der kleinen Veranstaltungshalle der Full Sail University in Winter Park, dennoch wandelt sich durch den neuen Wettbewerbsdruck die Erwartungshaltung komplett.

Dem Fachportal Wrestling Observer ist der Deal etwa 50 Millionen Dollar schwer und macht NXT vom Zuschussgeschäft zu einer sich selbst tragenden Unternehmenssparte.

"Unser langfristiges Ziel ist, eine Anhängerschaft zu entwickeln, das auf demselben Niveau monetarisiert werden kann wie unsere Flaggschiff-Programme RAW und SmackDown", verkündete McMahon in der offiziellen Mitteilung zum TV-Deal. Mit anderen Worten: NXT soll zur gleichwertigen dritten Säule des WWE-Programms werden.

Pfuscht Vince McMahon nun Triple H ins Handwerk?

Nicht jeder Fan von NXT versteht diese Worte als Verheißung: Schon vor der Bestätigung der Nachricht wurden Befürchtungen laut, dass McMahon das Erfolgsmodell NXT nun an sich ziehen, verwässern und verschlimmbessern wird.

Triple H hat diese Gedankenspiele allerdings zurückgewiesen: "Vince wird nicht involviert sein", berichtete er Ende August vor der Britannien-Show NXT UK TakeOver in Cardiff bei Talk Sport.

Wissenswertes zum Thema Wrestling

McMahon ist als kontrollwütig bekannt, andererseits ist durchaus plausibel, dass er bei NXT weiter nicht in den Alltagsbetrieb eingreifen wird. An RAW, SmackDown, NXT und bald auch noch der wieder in Leben gerufenen Football-Liga XFL kann er nicht gleichzeitig mit vollem Einsatz werkeln, ohne sich hoffnungslos zu überlasten.

Wie der Observer schon vorher berichtete, wird McMahon tatsächlich vorerst nicht in Full Sail erwartet.

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